Evangelisches Krankenhaus kämpft gegen Zigarettenwolken am Haupteingang

dzNeuer Pavillon

Rauchen ist ungesund und gerade an Krankenhäusern ungern gesehen. Weil aber auch Patienten von ihrem Laster nicht lassen können, gerät das Evangelische Krankenhaus Unna in eine Zwickmühle.

Unna

, 23.07.2019, 13:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Liste der Krankheiten, für die Raucher empfänglicher sind, ist lang. Dass Ärzte dazu raten, dem blauen Dunst abzuschwören, überrascht keineswegs. Und gerade das Evangelische Krankenhaus in Unna hat Fachabteilungen, die gegen die Folgen des Nikotinkonsums angehen. Dass nun auf dem Vorplatz des Krankenhauses ein neuer Pavillon nur für Raucher eingerichtet wird, erscheint wie ein Widerspruch. Doch das Problem ist komplizierter.

Haupteingang zum Krankenhaus oft in „Nebel“ gehüllt

Das Evangelische Krankenhaus beugt sich der Realität. Und die sieht so aus, dass Raucher nun einmal rauchen wollen. Das lässt sich nicht verhindern, vielleicht aber ordnen. Darum geht es zurzeit am EK.

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Im Krankenhaus selbst gilt natürlich Rauchverbot, und dort kann es vom Personal auch durchgesetzt werden. Raucher schleppen sich dann teils auf Krücken vor die Tür. Und dort schaffen sie ein Problem für die Allgemeinheit. Der Haupteingang liegt bisweilen im Nebel. Das ärgert die Besucher des Hauses, die ihre Atemwege gerne frei halten möchten. Immer wieder landen beim Stiftungsvorstand Beschwerden. Mitarbeiter des Krankenhauses sind ausdrücklich dazu angewiesen worden, Raucher anzusprechen, wenn sie ihre Nikotinaufnahme an ungünstiger Stelle praktizieren. Es ist aber eine Sisyphusaufgabe.

Raucherproblem ist nicht zu lösen, aber zu lenken

Daher nun der Beschluss, die Sache anders anzugehen: Raucher sollen nicht nur von ungünstigen Orten vertrieben, sondern zu verträglicheren Orten gelockt werden. Wenige Schritte vom Haupteingang entfernt soll bald ein Pavillon aufgebaut werden: Vier mal vier Meter groß, 20.000 Euro teuer, aus Spenden finanziert.

Auch für diese Lösung hat der Stiftungsvorstand bereits Kritik gehört. Dass den Rauchern nun noch ein Häuschen gebaut wird, ist Nichtrauchern nicht immer vermittelbar. Glücklich mit der Lösung ist offenbar auch das EK nicht. Es gibt aber wohl keine bessere.

Ein Raucherpavillon in zu großer Entfernung vom Haupteingang würde vermutlich gar nicht angenommen und wäre dann wirkungslos, erklärt eine Sprecherin des Krankenhauses. Rigorose Rauchverbote auf dem Außengelände ließen sich schwerlich durchsetzen. Und vielleicht würden sie das Risiko erhöhen, dass der ein oder andere Patient dann doch heimlich im Gebäude raucht.

Der Raucherpavillon am EK ist letztlich der Versuch, ein Problem, das sich nicht lösen lässt, wenigstens zu lenken.

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