Rätselhafte Tasse: Verschiedene Hinweise auf ehemalige Porzellan-Manufaktur in Unna

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Wurde in Unna irgendwann Porzellangeschirr hergestellt? Diese Frage warf die Tasse auf, die eine Unnaerin in ihrem Schrank fand. Auf unsere Berichterstattung gingen mehrere Hinweise ein.

Unna

, 16.11.2018, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Goldgravur war der Auslöser für die Recherche der älteren Dame: Unter der Tasse, die sie beim Aufräumen in ihrem Schrank fand, war der Schriftzug „Westdeutsche Porzellanmanufaktur Unna i/W.“ eingraviert. Gab es in Unna tatsächlich eine Firma, die Porzellangeschirr herstellte? Mit der Hoffnung, Menschen, die darüber Kenntnis haben, würden sich vielleicht melden, wandte sich die Dame an unsere Redaktion.

Auf unsere Berichterstattung haben sich mehrere Hinweisgeber gemeldet – mit unterschiedlichen Theorien.

Die Adler-Brauerei als Porzellan-Manufaktur?

Der erste Tipp auf einen möglichen Standort der „Westdeutschen Porzellan-Manufaktur“ kommt von einem Leser, der sich selbst als „Sammler alter Dinge“ bezeichnet. Er berichtet von einem Nebengebäude der ehemaligen Adler-Brauerei, in dem sich die Manufaktur befunden haben soll.

Rätselhafte Tasse: Verschiedene Hinweise auf ehemalige Porzellan-Manufaktur in Unna

Die Adler-Brauerei fusionierte 1922 mit der Lindenbrauerei. Die ehemaligen Brauerei-Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße wurden ab 1960 für den Bau des Kreishauses abgerissen. © Archiv Wolfgang Patzkowksy

Ab 1960 wurden die Brauerei-Gebäude, die bis dato an der Friedrich-Ebert-Straße standen, abgerissen, um Platz für den Bau des Kreishauses zu machen. Die Adler-Brauerei war bereits 1922 mit der Lindenbrauerei fusioniert.

In einem Nebengebäude, in dem die Stallungen und Fuhrwerke untergebracht waren, soll sich nach Aussagen des Unnaers zu Beginn der 1950er-Jahre die Porzellan-Manufaktur befunden haben. „Allerdings nur drei bis fünf Jahre, dann ist sie pleite gegangen“, berichtet der Hinweisgeber.

Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky ist zwar eine „Westdeutsche Porzellan-Manufaktur“ in Unna nicht bekannt, sein Blick in ein altes Adressbuch zeigt aber: In dem Gebäude mit der Anschrift „Friedrich-Ebert-Straße 19“, das das Nebengebäude der Adler-Brauerei bezeichnet, waren im Jahr 1956 über 25 verschiedene Personen gemeldet, teilweise auch mit Gewerken.

„Da steht zwar explizit keine Porzellan-Manufaktur drin, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass das Geschirr möglicherweise von dort nur vertrieben wurde, als ein Händler dort gemeldet war“, mutmaßt Patzkowsky.

Rätselhafte Tasse: Verschiedene Hinweise auf ehemalige Porzellan-Manufaktur in Unna

Das historische Bild zeigt die Gebäude der ehemaligen Adler-Brauerei. In einem der Nebengebäude könnte sich die Porzellan-Manufaktur befunden haben. © Archiv Wolfgang Patzkowksy

Porzellan-Tasse könnte viel älter sein als angenommen

Indirekt Zweifel an dieser Theorie äußern zwei weitere Hinweisgeber, die sich beide an der von Museumsleiterin Dr. Beate Olmer geäußerten Vermutung stoßen, der Zusatz „westdeutsch“ sei ein Hinweis darauf, dass die Manufaktur zu Zeiten der deutschen Teilung im 20. Jahrhundert existiert haben müsste.

Diese Aussage gehe von einem „völlig verkürzten Verständnis des Begriffs westdeutsch“ aus, meint ein Leser und verweist darauf, dass es bereits in der Weimarer Republik den „Westdeutschen Rundfunk“ und auch zwischen 1912 und 1935 eine „Westdeutsche Porzellanfabrik“ in Bonn gegeben habe.

Rätselhafte Tasse: Verschiedene Hinweise auf ehemalige Porzellan-Manufaktur in Unna

Die Tasse zeigt ein Motiv aus dem asiatischen Raum. Nicht ungewöhnlich für eine Tasse aus dem europäischen Raum: Seit dem 18. Jahrhundert versuchten die europäischen Hersteller die teuren chinesischen Vorbilder zu imitieren. © Anna Gemünd

Diese Fabrik erwähnt auch ein weiterer Leser als Beispiel für eine frühere Verwendung des Begriffs „westdeutsch“. Er nimmt auch Bezug auf das asiatische Motiv, das die Tasse ziert: „Seit Beginn der europäischen Porzellanherstellung im 18. Jahrhundert wurde versucht, die teuren chinesischen Vorbilder zu imitieren. Auf Meißener Porzellan erscheint der Ming-Drache seit 1740 und hat sich als Motiv bis heute erhalten.“ Die Tasse könne also durchaus Anfang des 19. Jahrhunderts hergestellt worden sein.

Mögliche Verbindung zu „Bonner Keramik AG“?

Vielleicht ebenfalls eine Verbindung zu einer Porzellan-Manufaktur in Unna lässt sich über die „Bonner Keramik AG“ herstellen. Eine Leserin, die im Zuge ihrer Familienforschung auf diese Firma stieß, nennt die „Bonner Keramik AG“ als eine Firma, von der eine Porzellan-Manufaktur möglicherweise Brennöfen gekauft haben könnte.

Denn die „Bonner Keramik AG“ unterhielt einen Standort in Unna: Auf dem Gelände der ehemaligen Schalterfirma Klöckner-Moeller an der Massener Straße (der heutige Standort von Rewe Engel) soll sie ebenfalls produziert haben, so will es die Hinweisgeberin herausgefunden haben. Denn für die Herstellung der Schaltapparate nutzte Klöckner-Moeller auch Keramik – und dies wiederum brauchte auch die Bonner Keramik AG.

Nach dem Zweiten Weltkrieg taucht die Bonner Keramik AG jedoch in Meldekarten nicht mehr auf. „Möglicherweise haben sie aufgegeben. Was ist dann mit ihren Brennöfen passiert? Vielleicht wurden die ja von der Porzellan-Manufaktur aufgekauft“, mutmaßt die Leserin.

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