Rätsel um eine Kiffer-Kommune

dzAmtsgericht Unna

Als vermeintliche Freunde sollten sich drei Männer bei einem Unnaer eingenistet, seine Wohnung zum Drogenbunker gemacht und ihn unter Druck gesetzt haben. Vor Gericht stellte das Trio den Vorwurf in Abrede. Mit Erfolg.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 27.09.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rückblende: 2016 wandte sich der junge Mann aus Unna an die Polizei und berichtete von seinen neuen Bekannten, die quasi seine Wohnung übernommen hätten. Dort hätten sie unter anderem in drei Fällen jeweils 100 Gramm Marihuana gelagert, in Verkaufseinheiten verpackt und ihre Abnehmer beliefert. Er selbst habe als Lohn für seine Beteiligung kleinere Mengen erhalten sollen. Dann hätten die Männer Druck aufgebaut, Geld für seinen Anteil gefordert und ihm unterstellt, einen Teil des Erlöses unterschlagen zu haben. Auch habe es immer massivere Drohungen gegen ihn und seinen Freund, der zu der Zeit bei ihm lebte, gegeben. Nach dieser Aussage bei der Polizei tauchte der Unnaer unter. Allerdings kam ihn das teuer zu stehen, da er für die Justiz nicht mehr greifbar war und deshalb eine Bewährung widerrufen wurde. Anfang August stand er zudem wegen seiner Beteiligung an dem bandenmäßigen Handel vor dem Amtsgericht, wiederholte seine Geschichte und überzeugte. Neun Monate Freiheitsstrafe erhielt er – mit Bewährung.

Nun mussten sich die drei Männer vor dem Amtsgericht verantworten, die bei den Geschäften federführend gehandelt haben sollten. Vorwürfe, auf die die 22- bis 39-Jährigen mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Empörung reagierten. Ja, sie seien in der Wohnung gewesen, hätten Party gemacht und gekifft – aber mehr nicht. Nur der Unnaer habe mit Drogen gehandelt, sie nicht. Einer von ihnen brachte seinen Ärger auch mehr als deutlich zum Ausdruck: „Der Junge hat richtig Wahnvorstellungen.“ Und wenig später: „Das ist krank. Der weiß gar nicht, was er einem damit antut.“

Der Unnaer trat in den Zeugenstand, belastete die Angeklagten erneut schwer und verstrickte sich dabei aber in Widersprüche im Vergleich zu früheren Angaben. Insgesamt konnten weder er noch sein Freund, der damals bei ihm wohnte, das Gericht überzeugen. Die logische Folge: Freispruch. Allerdings könnte die Sache für den Unnaer damit noch lange nicht beendet sein. Unter Umständen droht ihm nun neuer Ärger: Die Staatsanwaltschaft könnte nun wegen Falschaussage und falscher Verdächtigung ein weiteres Verfahren einleiten.

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