Quarantäne-Verstoß: 22 Menschen klettern über Zaun der Flüchtlingsunterkunft in Massen

dzCoronavirus

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Unna-Massen steht unter Voll-Quarantäne, nachdem dort vier Bewohner positiv auf Corona getestet wurden. Damit dürfen die Bewohner nicht mehr hinaus – eigentlich.

Massen

, 19.10.2020, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Quarantäne für 353 Menschen an einem Ort – so sieht das Szenario in der Erstaufnahmeeinrichtung in Unna-Massen aus, nachdem dort vergangene Woche vier Bewohner positiv auf Corona getestet wurden. Bis zum 27. Oktober dürfen die Bewohner nun die Unterkunft nicht verlassen. Etliche haben dies jedoch am Samstag trotzdem versucht.

Jetzt lesen

Gegen 13 Uhr am Samstagmittag seien bis zu 22 Personen über den Zaun der Erstaufnahmeeinrichtung gestiegen, bestätigt Polizeisprecherin Vera Howanietz auf Anfrage unserer Redaktion. Sie hätten das Gebiet der Erstaufnahmeeinrichtung in unbekannte Richtung verlassen. In einer ersten Mitteilung der Polizei am Montagmittag war zunächst von etwa 40 Menschen die Rede gewesen, die über den Zaun geklettert seien. Diese Zahl korrigierte die Kreispolizeibehörde am Montagnachmittag nach Rücksprache mit der Bezirksregierung jedoch auf 22 Menschen, die gegen die Quarantäne-Auflagen verstoßen hätten. „Von diesen 22 sind vier noch immer nicht wieder zurück“, sagt Polizeisprecherin Howanietz im Gespräch mit unserer Redaktion am Montagnachmittag.

Individuelle Quarantäne


Das gilt für die Mitarbeiter der EAE

  • Während die sogenannte „Voll-Quarantäne“ der Erstaufnahmeeinrichtung für die Bewohner bedeutet, dass sie die EAE bis zum 27. Oktober nicht verlassen dürfen, gelten für die Mitarbeiter teilweise andere Anordnungen.
  • Wie Kreis-Sprecherin Birgit Kalle auf Anfrage unserer Redaktion sagt, haben die Mitarbeiter der EAE „individuelle Quarantäne-Anordnungen“ erhalten. Diese richteten sich nach den jeweiligen Kontakten, die die Mitarbeiter zu den infizierten Bewohner gehabt hätten.

Alle weiteren Corona-Tests von Bewohner waren negativ

Zunächst war am Samstag unklar, ob diese Personen mit Covid-19 infiziert waren. Im weiteren Verlauf des Einsatzes gab es Entwarnung: Alle Tests, die am Donnerstag bei den Bewohnern durchgeführt worden waren, waren negativ. Die Test waren veranlasst worden, nachdem vier Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Sie wurden danach aber sofort isoliert und haben die Unterkunft nicht verlassen.

Quarantäne wird vom Ordnungsdienst kontrolliert

Die Voll-Quarantäne gilt bis zum 27. Oktober. Während es der Kreis Unna ist, der die Quarantäne angeordnet hat, sind für die Einhaltung der Quarantäne die jeweiligen Ordnungsbehörden zuständig. Das bedeutet im Fall der EAE: Der interne Ordnungsdienst innerhalb der Einrichtung und das städtische Ordnungsamt Unna kontrollieren, ob die Quarantäne eingehalten wird. „Der Ordnungsdienst in der EAE ist dafür sensibilisiert, die Pforte ist gesichert und alle Bewohner wurden über die Maßnahme und ihre Hintergründe informiert“, erklärt Ursula Kissel, Pressesprecherin der Bezirksregierung Arnsberg auf Anfrage unserer Redaktion die konkrete Umsetzung. Sie betont aber auch: „Die Menschen müssen sich nicht in geschlossenen Räumen innerhalb der EAE aufhalten.“

Stadt Unna schreibt Bußgeldbescheide

Wie bei allen anderen Menschen in Unna, die unter Quarantäne stehen, gelten auch für die Bewohner der EAE die „Absonderungs-Hinweise“ der Stadt Unna. Das Ordnungsamt kontrolliert stichprobenartig, ob die Quarantäne eingehalten wird. Die Kapazitäten für eine regelmäßige „Patrouille“ am Gelände der EAE hat das Ordnungsamt jedoch nicht. Für die Bewohner der EAE gilt übrigens das gleiche wie für alle anderen Menschen in Unna, die gegen ihre Quarantäne-Auflagen verstoßen: Wie Stadtsprecher Christoph Ueberfeld sagt, schreibt die Stadt Unna jetzt Bußgeldbescheide für die Bewohner der EAE, die am Samstag über den Zaun kletterten und damit gegen ihre Quarantäne-Auflagen verstießen.

Aufnahmestopp gilt unabhängig von Quarantäne

Unabhängig von der Voll-Quarantäne gilt für die EAE Unna-Massen derzeit ein Aufnahmestopp. Seit März werden die ankommenden Flüchtlinge von der zentralen Landes-Erstaufnahmeeinrichtung in Bochum der Reihe nach auf die Erstaufnahmeeinrichtungen im Land verteilt - und zwar so lange, bis eine voll belegt ist. Erst dann ist die nächste EAE an der Reihe und für die bereits belegten gilt automatisch ein Aufnahmestopp von 14 Tagen.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen