Nach der Quarantäne gehört das Corona-Tagebuch nicht in die Mülltonne

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Die Quarantäne nach einem Corona-Kontakt kann zwei Wochen lang völlig ereignislos verlaufen. Abstriche können manchmal ganz entfallen und dass das Tagebuch noch wichtig werden kann, weiß auch nicht jeder.

Kreis Unna

, 14.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer als Kontaktperson in Quarantäne muss, stellt sich viele Fragen: Warum wurde ich nicht zweimal getestet? Wann endet meine Isolierung eigentlich? Und was mache ich mit dem Corona-Tagebuch, wenn alles überstanden scheint?

? Für mich ist Quarantäne nur telefonisch angeordnet worden – reicht das?

Die Anordnung der Quarantäne ist ein Verwaltungsakt einer Behörde. Solche Bescheide können grundsätzlich mündlich, schriftlich und elektronisch an die Betroffenen übermittelt werden.
Auch eine fernmündliche Anordnung ist also rechtswirksam. Christoph Börger, zuständiger Fachbereichsleiter im Fröndenberger Rathaus, erläutert das Vorgehen: Die Bescheide erlassen die örtlichen Ordnungsämter, nicht das Kreisgesundheitsamt. Sobald das Ordnungsamt von dort die unter Quarantäne zu stellenden Personen erfährt, werde nach einem Anruf schon am selben oder spätestens am nächsten Tag auch der schriftliche Bescheid verschickt.

? Kann die Quarantäne-Anordnung angefochten werden?

Verwaltungsbescheide sind in der Regel anfechtbar. Die Anordnung der Absonderung in häuslicher Quarantäne, wie der Verwaltungsakt offiziell heißt, wird daher mit einer Rechtsbehelfsbelehrung versehen.
Es ist bei einer Anfechtung kein vorheriger Widerspruch bei Behörden nötig. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, zuständig für den Kreis Unna, bestätigt, dass insbesondere gegen die Quarantäne-Anordnung schon zahlreiche Klagen eingegangen sind.

? Was gilt, wenn die isolierte Person noch gar keinen schriftlichen Bescheid hat?

Tatsächlich sind Fälle bekannt, in denen die schriftliche Quarantäne-Anordnung den Isolierten erst nach mehreren Tagen oder sogar erst nach Ablauf von 14 Tagen per Post erreicht.
Normalerweise läuft eine einmonatige Klagefrist nach Bekanntgabe der Quarantäne-Anordnung. Diese kurze Frist wird aber laut Paragraf 58 der Verwaltungsgerichtsordnung erst in dem Zeitpunkt in Gang gesetzt, wenn schriftlich über die Möglichkeit des Rechtsbehelf informiert worden ist.
Unterbleibt die Belehrung in einem schriftlichen Bescheid ganz, kann noch innerhalb eines Jahres nach der mündlichen Verkündung, also am Telefon, geklagt werden.

? Warum wird der erste Abstrich mal nach zwei Tagen, mal nach fünf Tagen genommen?

Das Kreisgesundheitsamt bestätigt, dass nach zwei Tagen womöglich noch nicht ausreichend Coronaviren im Nasenrachenraum vorhanden sind und daher der Test fälschlich negativ sein kann. Wann getestet werde, sei aber immer auch eine Kapazitätsfrage. Tests bereits zwei Tage nach dem Kontakt mit einem Corona-Infizierten sind daher auch schon angeordnet worden.
Das Gesundheitsamt Hagen beispielsweise begründet dagegen den späteren Testzeitpunkt ab dem fünften Tag damit, dass frühestens dieser Abstrich ein verlässliches Ergebnis über eine Infektion biete.

? Muss ich mich bis zum Ablauf der Quarantänezeit isolieren oder nur bis zum zweiten negativen Testergebnis?

„Die Quarantäne muss immer ausgesessen werden“, stellt das Kreisgesundheitsamt Unna auf Nachfrage klar. Dies hänge auch damit zusammen, dass „der zweite negative Test falsch negativ sein kann“, heißt es.
Wer also als Kontaktperson eines Infizierten drei Tage vor Ablauf seiner Quarantänezeit das zweite Negativergebnis erhält, darf seine Wohnung trotzdem noch nicht verlassen, sondern erst nach dem 14. Tag. „Wir fahren hier die Nummer sicher und haben dadurch auch schon viele weitere Quarantänen verhindert“, begründet die Behörde ihr strenges Vorgehen.

? Warum aber verzichtet das Kreisgesundheitsamt vereinzelt auf den zweiten Abstrich während der Quarantänezeit?

Die Entscheidung darüber, ob ein zweiter Test gemacht wird, müsse individuell getroffen werden, sagt dazu das Kreisgesundheitsamt Unna. Dies könnten am besten die Ärzte, die die Abstriche vornehmen, beurteilen.
Es gebe im Kreis Unna auch Kontaktpersonen, die ihre Quarantäne ohne jeden Test verbracht haben, weil sie keinerlei Symptome aufwiesen.
Die Isolierten müssten aber ihren Gesundheitszustand selbst beobachten und typische Symptome des Coronavirus melden.

? Darüber soll Tagebuch geführt werden. Wie lange sind diese Notizen von Bedeutung?

In dem sogenannten Tagebuch, das als Vordruck der Quarantäne-Anordnung beiliegt, müssen unter anderem auftretende Symptome wie Fieber, erhöhte Temperatur, Husten, Halsschmerzen oder Kurzatmigkeit mit dem jeweiligen Datum eingetragen werden.

Auch nach dem Ende der Quarantäne, rät das Kreisgesundheitsamt, sollte das Tagebuch nicht weggeworfen werden. „Auf Verlangen muss man es nachweisen“, heißt es. Schließlich könne die Kontaktperson kurz nach ihrer Quarantäne doch Symptome aufweisen und schlimmstenfalls bereits andere Personen angesteckt haben.

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