Staatsanwalt erhebt Anklage gegen illegalen Waffenhändler aus Unna

dzErdrückende Beweise

Dem illegalen Waffenschmied und -händler aus Unna wird der Prozess gemacht. Fünf Monate nach der Verhaftung des britischen Ex-Soldaten erhebt die Staatsanwaltschaft in Arnsberg Anklage.

Unna

, 27.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stapel alter Reifen vor dem Tor erinnert noch an die Tarnung des eigentlichen Zweckes, für die der 54-jährige Dortmunder eine Werkstatt in Unna angemietet hat. Dem äußeren Anschein nach hat der Mann mit britischem Pass eine typische Hinterhofwerkstatt betrieben. Eine Nebenstraße in der Innenstadt, das Gebäude heruntergekommen. Kein Firmenschild, kein Brancheneintrag, nur ab und zu einmal der Duft von Benzin und der Aufschrei eines hoch drehenden Sportmotorrads. Alles sollte den Anschein erwecken, dass sich hier jemand mit einfachem Aufwand ein paar Euro als „Mopedschrauber“ verdienen wollte. Tatsächlich hat der Mann mit großer Sachkenntnis Schusswaffen zusammengebaut.

Anklage am Landgericht in Arnsberg

Nun wird dem ehemaligen Angehörigen der britischen Streitkräfte der Prozess gemacht. Fünf Monate nach seiner Verhaftung durch Spezialkräfte der Polizei hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg Anklage erhoben. Es könnte ein komplexes Verfahren werden, weil der Mann Teil eines Netzwerkes illegaler Waffenhändler war, das von Ermittlern der Polizei in Hagen aufgeknotet worden ist.

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Am Anfang stand eine ungewöhnliche Auffälligkeit, die Polizeidienststellen in verschiedenen Teilen Deutschland begegnet war. Bei Schussverletzungen, die mit dem Rockermillieu im Zusammenhang zu stehen schienen, wurden immer wieder Projektile des Kalibers 0.22 sichergestellt. Dass die harten Jungs mit den schweren Maschinen so ein „leichtes Geschütz“ verwenden sollten, schien merkwürdig.

Doch bei Razzien stießen Beamte mehrfach auf eine dazugehörige Waffe: Die Walther P22. Ungewöhnlich an den Waffen war immer, dass Seriennummern und Beschusszeichen nicht etwa beseitigt worden waren, sondern gar nicht erst angebracht. Beim Hersteller Umarex in Arnsberg wurde schließlich ein Mitarbeiter ermittelt, der Waffenteile aus dem Werk geschmuggelt hat, aus denen sich dann ganze Pistolen zusammenbauen ließen.

Mindestens 16 Walther-Pistolen aus dem Werk in Arnsberg

Für den Waffenhändler und und -produzenten aus Unna war der Mann aus Arnsberg eine von mehreren Zulieferquellen. Mindestens 16 Walther-Pistolen hat der Brite auf diesem Weg bezogen, neben der kleinkalibrigen P22 auch Modelle der 9-Millimeter-Pistole PK380.

Doch es waren offenbar nicht die einzigen Artikel im Sortiment des Waffenspezialisten. Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen und Sturmgewehre wusste der Mann zu beschaffen. Teils handelte es sich dabei um „abgezweigte“ Waffen aus Serienfertigung. Darüber hinaus baute der Mann laut Anklage auch Schreckschuss- und Dekowaffen zu funktionsfähigen Tötungsinstrumenten um. Munition bekam man bei ihm natürlich auch.

Die Werkstatt mit ihrem ungewöhnlichen Hinterzimmerbetrieb soll von Mai 2018 bis zur Festnahme des Angeklagten bestanden haben. Im Mai dieses Jahres hatte ihn die Polizei an seinem Urlaubsort in der Eifel festgenommen.

Neun scharfe Waffen bei Hausdurchsuchung entdeckt

Bei der anschließenden Durchsuchung der Räume in der Unnaer Innenstadt fanden die Beamten neun scharfe Waffen und diverse Waffenteile. Diese Funde, Chatprotokolle auf dem Computer, Aussagen anderer Beteiligter und die eigenen Angaben des Angeklagten ergeben zusammen eine erhebliche Beweislast.

Wann der Prozess am Landgericht in Arnsberg beginnt, ist noch offen. Die zuständige Kammer am Gericht hat die übliche Prüfung aufgenommen, in der die Prozessparteien noch einmal Gelegenheit zu Stellungnahmen bekommen. Denkbar ist aber auch, dass das Gericht diesen Prozess mit Verfahren gegen andere Beteiligte verbindet.

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