Rentner aus Unna steht für Jahre langen sexuellen Missbrauch seiner Enkeltochter vor Gericht

dzLandgericht

Ein Rentner aus Unna soll seine Enkelin über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben. Zu Prozessbeginn in Dortmund versteckte sich der Angeklagte vor der Öffentlichkeit.

Unna/Dortmund

, 19.09.2019, 14:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Verhandlung vor der 31. Jugendschutzkammer aufgerufen wurde, betrat der 72-Jährige den Saal in einer dicken Winterjacke. Die Kapuze hatte er tief in sein Gesicht gezogen, als hoffte er, dass ihn so niemand erkennen würde. Und das Versteckspiel ging weiter.

Kaum hatte Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen die Anklageschrift verlesen, beantragten der Angeklagte und sein Verteidiger Uwe Schumacher den Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach einigen Minuten Beratungspause gaben die Richter diesem Antrag schließlich tatsächlich statt.

Angeklagter hat Recht auf Wahrung seiner Intimsphäre

Sofern der Rentner Angaben zu den Vorwürfen machen wolle, hätten seine Persönlichkeitsrechte Vorrang gegenüber den Rechten der Öffentlichkeit. Immerhin würde der 72-Jährige über intime Dinge wie sein Sexualleben und sein Verhältnis zu Kindern sprechen müssen.

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Laut Staatsanwaltschaft begann die Serie von sexuellen Übergriffen im Sommer 2016, als die Enkelin gerade elf Jahre alt war. Das Mädchen hielt sich damals offenbar mindestens zweimal pro Woche beim Opa auf. Außerdem durfte die Schülerin an jedem zweiten Wochenende bei dem Großvater übernachten.

Die Anklage schildert einen ersten Übergriff, als das Kind auf der Couch im Wohnzimmer des Rentners lag und der Mann sich plötzlich von hinten näherte. Danach soll es mindestens zweimal pro Monat zu sexuellen Kontakten gekommen sein – dann immer im Schlafzimmer des Opas.

Mitschülerin brachte Ermittlungen in Gang

Der sexuelle Missbrauch endete offenbar erst Anfang 2018, als sich das Mädchen einer Mitschülerin offenbarte. Diese meldete die Vorfälle ihren Eltern, dann nahmen die Dinge ihren Lauf.

Im Prozess in Dortmund wird das mutmaßliche Missbrauchsopfer von Rechtsanwältin Julia Kusztelak aus Hagen vertreten. Auf die Frage, wie es ihrer Mandantin heute gehe, musste diese am Rande des Prozesses erst einmal tief durchatmen. Dann sagte Kusztelak: „Ich hoffe, dass sie im Prozess nicht als Zeugin vernommen werden muss.“

Das wäre möglich, wenn der Angeklagte ein volles und umfassendes Geständnis ablegen würde. Zum Schutz des Opfers wird dann üblicherweise auf eine Zeugenbefragung verzichtet. Gleichzeitig erhält der Angeklagte einen erheblichen Strafrabatt. Ob der 72-Jährige jedoch geständig ist, erfuhr die Öffentlichkeit am Donnerstag nicht.

Weite Teile des Prozesses bleiben nicht-öffentlich

Durch den Ausschluss aller Zuschauer und Pressevertreter von der Verhandlung während der Einlassung des Angeklagten hat das Gericht außerdem dafür gesorgt, dass auch weite Teile des weiteren Prozesses hinter verschlossenen Türen stattfinden werden. Auch die Plädoyers werden in einigen Wochen ohne Öffentlichkeit gehalten werden müssen.

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