Verstörende Gewaltdarstellung beim Streit um ein Ehedrama

Gericht

Von einem Messerangriff, einem Biss und anderen Formen der Gewalt war die Rede im Prozess um einen Ehestreit. Doch die Wahrheitsfindung blieb für das Amtsgericht Unna unmöglich.

von Jana Peuckert

Unna

, 27.11.2019, 10:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verstörende Gewaltdarstellung beim Streit um ein Ehedrama

In einem Prozess am Amtsgericht Unna hat eine Frau Angriffe ihres Ehemannes geschildert. Dem Gericht gelang jedoch keine Wahrheitsfindung. © picture alliance/dpa

25 Jahre lang habe sie in ihrer Ehe Kontrolle, Vergewaltigung, Gewalt und Demütigung ertragen, erklärte eine Zeugin im Amtsgericht Unna. Aus Angst um ihre Kinder habe sie sich nicht vom Angeklagten getrennt.

Jener soll seine Frau im Frühjahr an einem Tag gebissen, beleidigt und sehr fest gedrückt haben. An einem weiteren Tag soll er sie mit einem Messer bedroht haben.

Mann will seine Frau aufgefordert haben, ihn zu töten

Alles gar nicht wahr, so stritt der 45-Jährige sämtlich Vorwürfe ab. Es habe immer viel Stress zwischen ihm und seiner Frau gegeben. Das habe ihn fertiggemacht. Bezüglich des Messers gab er an, eines gehabt zu haben, es dann aber der Frau gegeben und gesagt zu haben, sie solle ihn umbringen. Er habe das alles nicht mehr ertragen können.

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Schließlich betrat die Frau den Sitzungssaal und nahm im Zeugenstand Platz. Schon nach wenigen Worten verlor sie die Fassung, begann zu weinen und den Angeklagten immer wieder hysterisch anzuschreien. Am Tattag sei der 45-Jährige verfrüht aus der Reha zurückgekehrt. Er habe auf sie gewartet und sei sofort aggressiv auf sie zu. Dadurch habe er das Geständnis, dass sie jemand anderes liebte, aus ihr herausbekommen.

Bisse, klammern und ein Messerangriff

Am selben Tag habe sie ihm Scheidungspapiere überreicht. Daraufhin sei er ausgerastet, habe sie zunächst so fest gedrückt, dass sie Angst gehabt hätte, zu ersticken oder dass er ihr den Rücken breche. Dann habe er sie fest an den Armen gehalten, beleidigt und ihr schließlich in den Arm gebissen.

Kinder als Augenzeugen der Gewalt

Einige Zeit nach diesem Tag habe er sie und ihre Kinder mit dem Messer bedroht. Er würde sie alle abstechen. Als er auf seine Tochter losgegangen sei, habe sie sich schützend vor das Kind gestellt. Das Messer sei nur knapp an ihrem Bauch vorbei.

Das habe der kleine Sohn gesehen und Panik bekommen. Er sei auf die Straße gelaufen und fast von einem Auto überfahren worden. „Der Typ ist nicht normal. Das ist ein Psycho“, sprudelte es unter Tränen aus der Zeugin heraus. Dann schrie sie den Angeklagten an: „Du musst zum Arzt, du bist völlig krank.“ Der Richter wusste am Ende nicht, wem er glauben sollte. Und so stellte er das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Mann ein.

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