Premiere für Joe Bausch in Unna-Königsborn

dzLesung mit Gefängnisarzt

Der Gefängnisarzt aus der Justizvollzugsanstalt Werl stellte im Circus Travados sein Buch „Gangsterblues“ vor. Für Bausch, den viele als Gerichtsmediziner aus dem Kölner „Tatort“ kennen, wird das Schreiben zu einem dritten Standbein – im November geht er in Rente.

von Sebastian Pähler

Königsborn

, 15.10.2018, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einige kam die „Mord am Hellweg“-Lesung am Sonntag ganz überraschend, denn im Programm des Krimi-Festivals stand sie nicht. „Wir wussten zwar, dass Joe ein Buch rausbringt, aber wir wussten nicht, wann es erscheint“, erläuterte Sigrun Krauß zu Beginn der Veranstaltung im Festbau des Circus Travados. Schließlich, so die Festivalleiterin, kam aber der Anruf vom Verlag und grünes Licht für eine Premiere.

„Joe“ ist natürlich Joe Bausch, im wahren Leben Gefängnisarzt und bekannt in der Rolle des Gerichtsmediziners Dr. Joseph Roth im Kölner Tatort. Das Buch, um das es sich handelt, heißt „Gangsterblues“ und ist eine Sammlung von zwölf Geschichten, die zwar fiktionalisiert, aber auf realen Personen und Ereignissen beruhen, die Bausch während seiner Arbeit in der Justizvollzugsanstalt Werl begegnet sind. Inspiriert zu dem Titel wurde Bausch durch die Knastband „Look Out“, deren Mitglieder alle wegen Mordes hinter Gitter saßen. Mit der Musik verarbeiteten sie ihre Gefühle, unter anderem auch den unvermeidlichen Blues.

„Ich weiß nicht ob es den Bausch 32 Jahre im Knast gegeben hätte, wenn ich nicht mindestens genau so lange Theater gespielt hätte“
Joe Bausch

„Gangsterblues ist der geilste Titel, den man finden konnte“, stellte Joe Bausch fest. Den Einstieg machte eine Geschichte über einen möglicherweise unschuldig im Gefängnis sitzenden Mann. Zwar würden bei Weitem mehr Häftlinge ihre Unschuld beteuern, als in Wirklichkeit fälschlich eingesperrt sind, aber genau das mache es schwierig, Gehör zu finden. Dazu komme die Zwickmühle, dass mangelnde Einsicht zu einer schlechten Beurteilung führe. Viel amüsanter war die Geschichte über ein alterndes Einbrechertrio, das es auch im hohen Alter noch mal wissen wollte und dafür auch die Rückkehr in die JVA in Kauf nahm.

Ursprünglich nur Berater für den „Tatort“

Einen Einblick in Bauschs Werdegang und Arbeitsalltag kitzelte Moderatorin Margarete von Schwarzkopf aus Joe Bausch heraus. So sollte er für den Kölner Tatort ursprünglich nur beratend tätig sein. Da er bereits Schauspielerfahrung hatte, wurde er gebeten, für eine kleine Szene eben selbst den Gerichtsmediziner zu spielen, weil er die medizinischen Zusammenhänge viel authentischer erläutern konnte. Schließlich wurde die Nebenrolle zur festen Figur und bekam den Namen Joseph Roth. „Ich weiß nicht ob es den Bausch 32 Jahre im Knast gegeben hätte, wenn ich nicht mindestens genau so lange Theater gespielt hätte“, berichtete Joe Bausch.

Abschied aus dem Knast im November

Dazu wird er in Zukunft mehr kommen, denn nach 32 Jahren als Gefängnisarzt geht er im November in Rente. Das Thema wird ihn dennoch weiterhin begleiten, zunächst mit seiner Lesetour, zu der die Veranstaltung im ausverkauften Travados-Festbau der Auftakt war. „Das wird nicht meine Abschiedstournee werden“, versprach Bausch.

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