Er bringt 4,6 Tonnen auf die Waage und misst gute sieben Meter: Der neue Prüfkraftwagen eröffnet der Kreispolizeibehörde Unna neue Möglichkeiten im Kampf gegen überladene Lastwagen und übermüdete Busfahrer.

Unna

, 16.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Auf den ersten Blick denkt man irgendwie sofort an Ferien: Der neue Prüfkraftwagen der Kreispolizeibehörde hat eine Markise – und ist die komplett ausgefahren, dann wirkt der lange Sprinter eher wie ein Ferienbulli, dessen Fahrer gerade Rast auf dem Weg in den Urlaub macht als wie ein hochmodernes Polizeifahrzeug.

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Doch der Eindruck täuscht: Fürs Freizeitvergnügen ist der sieben Meter lange Wagen wahrlich nicht gedacht, sondern für durchaus harte und vor allem wichtige Arbeit. Als eine der erste Behörden in Nordrhein-Westfalen hat die Kreispolizeibehörde Unna in diesen Tagen den neuen Prüfkraftwagen in Betrieb genommen, der vor allem eines tun soll: Den Beamten bei ihrer Kontrolle von Lastwagen und Bussen die größtmögliche Unterstützung bieten.

In zwei Schichten täglich wird der Schwerlastverkehr kontrolliert

Überladene Lastwagen, nicht eingehaltene Ruhezeiten oder technische Mängel – es gibt vieles, was Lastwagen und Busse zu gefährlichen Verkehrsteilnehmern machen kann. „Wir fahren täglich zweimal zu solchen Kontrollen raus“, sagt Polizeihauptkommissar Klaus Brecht von der Kontrollgruppe Sonderverkehr. In einem Früh- und einem Spätdienst kontrollieren die insgesamt sechs Mitarbeiter der Gruppe dann den Schwerverkehr im gesamten Kreis Unna (mit Ausnahme von Lünen, da hier die Polizei aus Dortmund zuständig ist).

Wie die Polizei in Unna Lastwagen und Busse unter die Lupe nimmt

Arbeiten wie im „echten“ Büro: Auch das geht in dem neuen Prüfkraftwagen, der komplett mit Laptop, Drucker und Telefonanlage ausgestattet ist. So können die Polizisten beispielsweise direkt vor Ort die Fahrerkarten auslesen und schauen, ob die Lenk- und Ruhezeiten eingehalten wurden. © Udo Hennes

„Der Kreis hat viele Industriegebiete und Logistikzentren, da ist viel unterwegs, was wir kontrollieren können“, sagt Polizeihauptkommissar Jürgen Harkebusch, der die Kontrollgruppe leitet. Allein in Bönen und Unna gibt es etliche Logistiker, deren Lastwagen auf den Straßen im Kreis unterwegs sind.

Mit dem neuen Prüfkraftwagen können die Beamten bei solchen Kontrollen nahezu alles, was an Verstößen denkbar wäre, vor Ort überprüfen. „Wir haben voll ausgestattete Laptop-Arbeitsplätze, an denen wir zum Beispiel die Fahrerkarten auslesen können, um die Lenk- und Ruhezeiten zu überprüfen“, erklärt Harkebusch.

Mobile Radlastwaage identifiziert zu schwer beladene Lastwagen

Der „Neue“ hat zudem ein Utensil an Bord, das seinem Vorgänger noch fehlte. „Wir haben hier eine Radlastwaage, mit der wir Lastwagen auf eine mögliche Überladung testen können“, sagt Jürgen Harkebusch. Die beiden, jeweils gut 20 Kilogramm schweren Metallplatten, die sich hinteren Bereich des Fahrzeugs in einer Schublade verbergen, sehen unscheinbar aus, können aber tatsächlich das Ladungsgewicht eines Lastwagens genau bestimmen.

Wie die Polizei in Unna Lastwagen und Busse unter die Lupe nimmt

Klaus Brecht und Jürgen Harkebusch zeigen die mobile Radlastwaage, mit der die Polizisten Lastwagen auf Überladung kontrollieren können. © Udo Hennes

„Der Aufbau benötigt natürlich etwas Zeit, aber wenn wir anhand der Ladungspapiere den Verdacht haben, dass das viel zu viel ist, was der Wagen geladen hat, dann macht so ein Wiegen viel Sinn“, erklärt Harkebusch. Sind die beiden Metallplatten auf einem ebenen Untergrund aufgebaut, wird der Fahrer aufgefordert, mit zwei Reifen auf sie zu fahren. Die geeichten Waagen ermitteln dann das exakte Gewicht – und die Polizisten können überprüfen, ob es der zulässigen Nutzlast für den Lastwagen entspricht.

„Das ist ein großer Fortschritt, dass wir diese Waage nun an Bord haben. Vorher mussten wir bei einem Überladungsverdacht erst immer mit dem betroffenen Fahrer zu einer Waage in einem Industriegebiet fahren“, erklärt Jürgen Harkebusch. Überladene Lastwagen sind keine Seltenheit – je nachdem, wo die Polizisten kontrollieren. Stehen sie beispielsweise in Fröndenberg-Strickherdicke, können es durchaus bis zu zehn Lastwagen sein, die sie wegen Überladung aus dem Verkehr ziehen. Kein Wunder: Hier kommen die „Kieskutschen“ aus dem Hönnetal an.

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Eine Zeitlang standen Reisebusse im Fokus der Sondergruppe. Die Einhaltung der Ruhezeiten und der einwandfreie Zustand der Busse – das wollten vor allem besorgte Eltern bestätigt wissen, bevor ihre Kinder mit dem Bus auf Klassenfahrt fuhren. „Das war eine Zeitlang sehr viel und auch sehr zeitintensiv“, erinnert sich Klaus Brecht. Je nachdem, was bei einer Kontrolle – egal, ob Bus oder Lkw – alles festgestellt wird, kann sich die Überprüfung bis zu mehreren Stunden hinziehen – oder aber schon nach einer Viertelstunde beendet sein.

Technische Mängel werden immer seltener

„Die Fahrzeuge sind insgesamt technisch besser geworden. Das liegt vielleicht auch daran, dass es sich rumspricht, dass wir regelmäßig kontrollieren.“
Polizeihauptkommissar Klaus Brecht von der Kontrollguppe Sonderverkehr

Was die Polizisten freut: Die Zahl der Lastwagen, die wegen nicht richtig gesicherter Ladung oder technischer Mängel von ihnen aus dem Verkehr gezogen werden mussten, hat sich in den vergangenen Jahren reduziert. „Das ist wirklich weniger geworden. Die Fahrzeuge sind insgesamt technisch besser geworden. Das liegt vielleicht auch daran, dass es sich rumspricht, dass wir regelmäßig kontrollieren“, meint Brecht.

Das hat auf jeden Fall dazu geführt, dass die Kreispolizeibehörde Unna als eine von bisher nur vier Behörden in NRW ein so modernes Fahrzeug zur Kontrolle des Schwerlastverkehrs bekommen hat. Achja: Und die Markise – die ist wirklich nur dafür da, dass es bei starkem Regen nicht in die sehr große Türöffnung reinregnet, wenn die Beamten gerade eine Kontrolle durchführen. Aber als Unterstand für einen Liegestuhl wäre sie auch gut.

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