100.000 Menschen sterben allein in Deutschland jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Dagegen will das Definetz etwas unternehmen – und Unna spielt dabei eine wichtige Rolle.

Unna

, 07.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Acht Defibrillatoren gibt es in Unnas unmittelbarer Innenstadt. Das sind acht Chancen, dass ein Mensch, dessen Herz plötzlich stehen bleibt, eine echte Überlebens-Chance hat. Doch dazu braucht es Menschen, die wissen, wie wichtig die ersten Minuten in so einem Fall sind – und die keine Scheu haben, sofort zu handeln.

Der Verein Definetz setzt genau hier an: Mit Öffentlichkeitsarbeit und Beratung will er das Thema Wiederbelebung zu einer Selbstverständlichkeit machen. Und Ausgangspunkt der Vereinsaktivitäten ist seit Beginn des Jahres 2020.

Am 1. Januar hat das Definetz seine neue Geschäftsstelle an der Friedrich-Ebert-Straße 77 bezogen. Seitdem werden alle Aktivitäten des Vereins von dort gesteuert. Und die sind vielfältig, wie Friedrich Nölle, Vorsitzender des Vereins, erklärt: „Zum einen arbeiten wir kontinuierlich an der Erweiterung und Pflege unseres Defibrillatoren-Katasters, dann versuchen wir durch Öffentlichkeitsarbeit das Thema der Früh-Defibrillation an die Menschen zu bringen und wir treten an Städte und Kommunen heran, um in Kooperationen mit ihnen die Städte herzsicher zu machen.“ Was heißt das im Einzelnen?

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Defibrillator einsetzen: Training in Kessebüren

Das Defikataster

Das Defikataster listet seit Juni 2011 die Standorte von Defibrillatoren auf. Mittlerweile ist diese Sammlung von Standorten die umfangreichste in Deutschland und hat rund 70.000 Datensätze. Das liegt daran, dass die Mitarbeiter von Definetz jede Meldung eines neuen Defi-Standortes telefonisch überprüfen. „Sie klären zum Beispiel ab, ob der Defi rund um die Uhr zugänglich ist. Auch rufen wir die gemeldeten Standorte nach einer gewissen Zeit noch mal an, um zu klären: Gibt es den Defi noch? Hat sich etwas geändert? Wenn Firmen, die einen Defi gemeldet haben, umziehen, kriegen wir das ja nicht automatisch mit“, erklärt Friedrich Nölle.

Das Definetz

Verein finanziert sich über Spenden

  • Der Verein Definetz e.V. gründete sich vor neun Jahren. Drei hauptamtliche Mitarbeiter werden regelmäßig von Praktikanten unterstützt. Sie arbeiten in erster Linie an der Pflege des Defikataster.
  • Finanziert wird die Arbeit des Vereins ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.
  • Informationen gibt es im Internet unter definetz.online.

Die Öffentlichkeitsarbeit

„Wir versuchen, den Menschen zu vermitteln, dass der plötzliche Herztod kein Schicksal sein muss. Man kann handeln und dadurch Leben retten“, sagt der Vorsitzende von Definetz. Die Angst vor einem Defibrillator abbauen ist daher eines der Kernziele des Vereins. Dabei versteht sich der Verein als Lobbyist für die Nutzung von Defibrillatoren. „Wir machen keine Schulungen an Defis und wir verkaufen selbst auch keine““, betont Nölle. Stattdessen berate man beispielsweise diejenigen, die einen Defibrillator in ihrer Firma, ihrer Praxis oder im Rathaus installieren wollen, welcher Defi geeignet sei.

Durch verschiedene Publikationen versucht der Verein zudem, die Hemmschwelle zum Handeln abzubauen, wenn Menschen Zeuge eins Herzstillstands werden. „Dann zu helfen, ist wirklich kinderleicht. Man muss es einfach nur machen“, betont Friedrich Nölle.

Plötzlicher Herztod: Wie Unna „herzsicher“ werden kann

Friedrich Nölle und Bruni Martin (von rechts) zeigen verschiedene Defibrillatoren-Modelle. In der Geschäftsstelle des Definetzes an der Friedrich-Ebert-Straße beraten die Mitarbeiter zu den Modellen, verkaufen aber keine. © Anna Gemünd

Kooperation mit Städten

Im Prinzip ist dies der Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit: Definetz möchte die Städte im Land „herzsicher“ machen. Das bedeutet vor allem, das Bewusstsein der Bürger dafür zu schärfen, was man alles tun kann, um herzgesund zu bleiben und im Notfall zu helfen.

„Da gibt es ganz viele Ansatzpunkte: Wir können in Schulen gehen und über Herzgesundheit und Wiederbelebung informieren. Wir können mit den Städten zusammen Anfahrtskarten zu Großveranstaltungen erarbeiten, auf den Standorte von Defis verzeichnet sind. Oder wir sorgen zusammen mit den Städten für eine generell gute Ausschilderung von Defi-Standorten im jeweiligen Stadtgebiet“, nennt Friedrich Nölle einige der Maßnahmen, bei denen das Definetz sich Kooperationen mit Städten vorstellen kann.

Unna soll „herzsicher“ werden

Natürlich spielt Unna dabei eine Rolle – schließlich hat der Verein nun seinen Sitz in der Kreisstadt. „Wir haben bereits Kontakt zu Werner Kolter aufgenommen, denn natürlich möchten wir unseren Teil dazu beitragen, dass Unna herzsicher wird“, sagt Nölle.

Bürgermeister Werner Kolter bestätigt die ersten Gespräche: „Wir haben in Unna eine wachsende Infrastruktur mit Defibrillatoren in öffentlichen Gebäuden. Dieses Netz koordiniert weiter auszubauen ist eine wichtige Aufgabe. Mit dem nunmehr in Unna ansässigen Verein Definetz haben dabei einen weiteren kompetenten Ansprechpartner.“

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