Platzmangel an Unnas Grundschulen: Schulleiter geht in die Offensive

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Zu volle Klassen, zu wenig Räume . „Das System ist komplett auf Kante genäht“, sagt Matthias Landsberg. Der Schillerschulleiter sieht Handlungsbedarf – und geht einen ungewöhnlichen Weg.

Massen

, 17.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Zahlen im Schulausschuss genannt wurden, schüttelten die Politiker ungläubig mit den Köpfen. Anders als noch bei der letzten Schulentwicklungsplanung vorausgesagt, steigen Unnas Schülerzahlen rapide an. Die Folge: Die Schulen, allen voran die Grundschulen, brauchen mehr Platz. Für Matthias Landsberg, Schulleiter der Massener Schillerschule, sind diese Zahlen ein Grund, grundlegende Änderungen im Schulsystem anzuregen.

„Keiner schreit laut Hurra, wenn in einer ersten Klasse 30 Kinder vor einem sitzen“, schildert Landsberg die Situation, wie er sie auch an seiner Schule erlebt. Bei 58 Kindern im ersten Schuljahr sitzen zur Zeit jeweils 29 Erstklässler in den beiden Eingangsklassen. Das sind zu viele, findet Landsberg. „Da funktioniert Unterricht nicht, wie er sollte. Das ganze System ist auf Kante genäht und geht damit zulasten der Kinder und Lehrer“, findet der Schulleiter deutliche Worte.

„Das ganze System ist auf Kante genäht.“
Matthias Landsberg, Schulleiter der Schillerschule

Der Blick in die Zukunft verstärkt seine Sorgen noch. Schon jetzt zeichne sich ab, dass an der Schillerschule im kommenden Schuljahr ähnlich große Eingangsklassen gebildet werden müssten. „Ich freue mich über jedes Kind, das bei uns angemeldet wird“, betont Landsberg, „aber wir müssen ihnen auch gerecht werden können. Und das geht bei solchen Klassengrößen und zu wenigen Räumen nicht.“ Die im Schulausschuss von der Schulberaterin Ulrike Lexis präsentierten Zahlen zeigten eindeutig, dass der anhaltend hohe Geburtenstand die Probleme der Grundschulen – nicht nur der Massener – noch verschärfen werde, wenn nicht bald gehandelt werde.

Und gehandelt, das hat Matthias Landsberg jetzt: In Abstimmung mit der Massener Sonnenschule und der Schulpflegschaft seiner Schule hat Landsberg die Schulverwaltung, die Schulaufsicht, die Politiker, Eltern und Lehrer eingeladen, sich gemeinsam Gedanken über Lösungen zu machen. „Ich habe gedacht, dass wir uns locker zusammensetzen können, fernab von parteipolitischen Vorgaben und einfach mal informell darüber reden, was wir machen können und wollen, damit unsere Kinder auch in Zukunft vernünftige Lernsituationen vorfinden“, schildert Landsberg seine Intention.

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Hellweger Anzeiger Kommentar zum Platzmangel an Unnas Grundschulen

Als Chance begreifen

„Ich will nichts einfordern, sondern gucken, was wir machen können. Gibt es vielleicht Möglichkeiten, Synergien zu nutzen zwischen dem Offenen Ganztag und dem Grundschulbetrieb? Ich möchte eine einvernehmliche Lösung für alle, die nicht auf Kosten der anderen geht. Denn so, wie es jetzt ist, passt es hinten und vorne nicht.“ Und die Probleme beträfen alle Unnaer Grundschulen. Mit seinem Vorstoß scheint Landsberg einen Nerv getroffen zu haben, wie erste Rückmeldungen aus den politischen Reihen zeigen. „Ich habe da offensichtlich eine Lawine losgetreten“, so Landsberg. Er will nun weitere Reaktionen abwarten, bevor es Ende Oktober möglicherweise tatsächlich zu einer Gesprächsrunde kommt.

Kurze Wege erhalten

„Wenn ich von Eltern, die ihr Kind an unserer Schule angemeldet haben, höre, dass ein Hauptgrund für sie der kurze Weg zur Schule war, dann müssen wir uns doch ernsthaft Gedanken über die Zügigkeit unserer Schulen machen“, nennt Landsberg einen weiteren Punkt, der ihn umtreibt. Schulberaterin Ulrike Lexis hatte im Schulausschuss angemahnt, dass Unna bald eine Entscheidung über die Zügigkeit der einzelnen Grundschulen treffen müsse und dass nicht jede Schule die Zahl Züge bekommen könne, die der angemeldeten Schülerzahl entspreche. Schüler müssten dann zu anderen Schulen umgeleitet werden, so die Schulberaterin.

Hohe Belastung für Lehrer

„Da reden wir jetzt über Kinder, die im Umfeld der Schillerschule wohnen und dann vielleicht zur Sonnenschule müssen. Aber in ein paar Jahren reden wir dann auch über Massener Grundschüler, die nach Unna fahren müssen. Da müssen wir doch andere Lösungen finden, nicht nur in Massen. Das geht doch auch den anderen Grundschulen so“, so Landsberg. Erste Ideen so hofft er, seien in einem formlosen Gespräch mit allen Beteiligten zu erreichen. „Ich sehe täglich, was diese hohe Belastung, die die großen Klassen mit sich bringen, für die Kinder und die Lehrer bedeuten. Deswegen muss jetzt was passieren.“

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