Planung für Mühle Bremme: Kastanien am Kreishauskreisel durften gefällt werden

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Die Fällung der gesunden Kastanien am Kreishauskreisel war rechtmäßig. Tatsächlich mussten sie für die Verkehrsplanung rund um das geplante Mühlencenter weichen.

Unna

, 25.02.2020, 15:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Montagmorgen hat Unna zwei kerngesunde Kastanien weniger. Die beiden gut 20 Jahre alten Bäume an der Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße in die Viktoriastraße wurden in einer Blitzaktion gefällt. Nun ist klar: Die beiden Bäume standen der Verkehrsplanung rund um das geplante Mühlencenter auf dem Gelände der ehemaligen Mühle Bremme im Weg.

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„Die Bäume wurden in Absprache mit dem Bauamt durch den Vorhabenträger für das Mühlencenter gefällt“, sagt Stadtsprecher Oliver Böer am Dienstag unserer Redaktion. Dort, wo die beiden Kastanien standen, soll künftig ein verbreiterter Radweg entlangführen.

Dieser ist Teil der neuen Verkehrsführung am Kreishauskreisel, die durch die Fußgängerampel an der Viktoriastraße entsteht. Seit einem Jahr steht die Ampel als Provisorium; in einem Verkehrsversuch sollte zunächst getestet werden, ob sich durch die Verlagerung des Fußgänger- und Radverkehrs die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs verbessert. Dies gilt als wichtige Voraussetzung für das neue Mühlencenter.

„Da werden Fakten mit der Kettensäge geschaffen. “
Björn Merkord, Vorsitzender des Umweltausschusses

„Der Ausbau der neuen Verkehrsführung und die feste Installation der Ampel sollen im Sommer erfolgen“, sagt Böer, „und in diesem Zuge wurden die beiden Bäume gefällt.“ Die Fällung erfolgte bewusst jetzt, da ab dem 1. März aus Artenschutzgründen keine Bäume mehr gefällt werden dürfen.

Dass die geplante Fällung der Bäume nicht der Baumschutzkommission zur Bewertung vorgelegt wurde und damit auch der Umweltschuss kein Mitspracherecht in dieser Sache hatte, erklärt sich aus der Größe der Bäume. „Die beiden Kastanien hatten in einem Meter Höhe einen Stammumfang von 53 beziehungsweise 45 Zentimetern. Damit fallen sie nicht unter die städtischen Bäume, deren Fällung genehmigt werden muss“, erklärt Böer. Erst ab einem Stammesumfang von 100 Zentimetern in einer Höhe von einem Meter muss die geplante Fällung von städtischen Bäumen der Baumschutzkommission zur Bewertung vorgelegt werden.

„Das hätte man besser kommunizieren können.“
Oliver Böer, Stadtsprecher Unna

Auch wenn die Fällung dadurch rechtmäßig war, ärgert sich der Umweltausschussvorsitzende Björn Merkord (Grüne) über die Aktion. „Da werden Fakten mit der Kettensäge geschaffen. Ich bin irritiert, dass die Stadt da nicht sensibler für ist, bei all dem, was gerade in der Stadt an Bäumen gefällt wird“, sagt Merkord im Gespräch mit unserer Redaktion. Stadtsprecher Böer räumt ein, dass die Maßnahme „suboptimal“ gelaufen sei: „Das hätte man besser kommunizieren können.“ Ersatzpflanzungen würden jetzt aber geprüft.

In einer Pressemitteilung der Grünen-Fraktion vom Dienstagnachmittag zweifeln die Grünen an, ob die Bäume tatsächlich ohne Antrag hätten gefällt werden dürfen: „Die beiden Kastanien sind Mitte der 90er Jahre als Ersatz für die Abholzung von über hundert Jahre alten Bäumen für den Bau des Kreishauskreisels gepflanzt worden. Als Ersatzpflanzung am Altstandort der historisch gewachsenen Allee fallen die beiden Bäume eindeutig unter die Dienstanweisung des Bürgermeisters, die sich an die Baumschutzsatzung anlehnt. Für die Fällung ist im Umweltausschuss zwingend ein Antrag zu stellen, egal ob Baurecht besteht oder nicht. Das ist nicht erfolgt“, schreiben die Grünen.

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