Im Wahlkampf 2020 droht Unna eine Plakatflut mit neuem Rekordpegel

dzPolitik

Wenn Parteien und Kandidaten um die Gunst der Wähler bitten, wird Unna zur Plakatfläche. Die Kommunalwahl 2020 lässt eine noch größere Plakatflut vermuten als bislang. Das liegt auch an Corona – aber nicht nur.

Unna

, 16.06.2020, 11:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle Jahre wieder wird es bunt in Unnas Stadt- und Straßenbild. Um den Wählern ihre Personen und Positionen vorzustellen, plakatieren die Parteien gerade an den Hauptstraße fast jede verfügbare Laterne zu. Immer wieder gab die Plakatpraxis Anlass für kritische Kommentare. Verhindern oder beschränken lässt sie sich nicht. Im Gegenteil: Vieles deutet darauf hin, dass vor der Kommunalwahl 2020 noch einmal besonders dick aufgetragen wird.

So zumindest hatte es Klaus Göldner von der Freien Liste vorausgesagt, als er vor drei Wochen an die politischen Mitbewerber herantrat mit der Idee einer Selbstbeschränkung. Göldner hatte seine Befürchtungen darauf gestützt, dass dem Plakatwahlkampf in Zeiten der Corona-Beschränkung ein höherer Stellenwert zukommen könnte, wenn sich andere Wege, den Bürger anzusprechen, als schwieriger gestalten. Und quasi als Bestätigung muss Göldner nun öffentlich bekannt geben, dass er seine Initiative inzwischen für gescheitert hält. Nur Grüne und Linke hätten sich verhandlungsbereit gezeigt, CDU, FDP und WfU aber nicht einmal auf sein Anschreiben reagiert.

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Vorstöße für ein Wahlkampfabkommen aller Parteien hat es bei den zurückliegenden Wahlen in Unna immer wieder einmal gegeben. Vorgetragen wurden sie meist von den kleineren Parteien. Erfolgreich waren sie nie. Immer fand sich jemand, der eine Vereinbarung über eine Selbstbeschränkung beim Plakatieren ablehnte und damit gleich im Ganzen sprengte. „Wenn die nicht mitmachen, machen wir es auch nicht“, war danach die Reaktion der Mitbewerber.

Corona ist für die SPD kein Grund, noch stärker zu plakatieren

Ob Göldner damit richtig lag, seine Sorge vor einer weiteren Plakatwelle mit der Corona-Krise zu erklären, mag allerdings fraglich sein. So hat die SPD der Freien Liste mitgeteilt, dass sie Wahlwerbung auf Plakaten grundsätzlich für ein probates Mittel halte und im gewohnten Umfang daran festhalten wolle, wie Parteichef Sebastian Laaser auch gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

„Allerdings plakatieren wir auch nicht mehr als sonst“, ergänzt er. Für 200 eigene Plakatstandorte habe die SPD Genehmigungen beantragt. Zudem hat sie Anrecht auf eine Nutzung öffentlicher Plakatflächen des Stadtmarketings. Wo sonst Kulturveranstaltungen angekündigt werden, darf die SPD weitere 60 bis 80 Plakate kleben lassen.

SPD-Stadtverbandschef Sebastian Laaser hält Plakate für ein probates Mittel im Wahlkampf. An bis zu 280 Punkten in Unna könnte seine Partei Kandidaten und Positionen vorstellen.

SPD-Stadtverbandschef Sebastian Laaser hält Plakate für ein probates Mittel im Wahlkampf. An bis zu 280 Punkten in Unna könnte seine Partei Kandidaten und Positionen vorstellen. © Roman Grzelak

Dennoch ist der Verdacht, dass Unna in diesem Jahr deutlich stärker zugeklebt wird, angebracht. Zum einem besteht die Kommunalwahl 2020 nun wieder aus fünf Wahlgängen für Bürgermeisteramt und Stadtrat, Landratsamt und Kreistag sowie für das Ruhrparlament, während zuletzt die Wiederwahl Werner Kolters als eigener Termin 2015 lief. Zum anderen ist das Angebot in Unna nun so bunt wie lange nicht.

Mehr Bewerber denn je wollen sich vorstellen

Sieben Parteien und acht Bürgermeisterkandidaten werden nach derzeitigem Stand für einen Einzug ins Unnaer Rathaus antreten. Bei der Bürgermeisterwahl 2015 war Werner Kolter der einzige Kandidat. Entsprechend spärlich fiel seinerzeit das Plakataufgebot in Unna aus.

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Für den Wahlkampf 2020 dürfte eine Eröffnung der Plakatphase nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die SPD kündigt einen Start in den Sommerferien an, will in der nächsten Woche letzte Details dazu besprechen. Termin für die Wahl ist der 13. September, der Termin für etwaige Stichwahlen ist der 27. September. Danach gibt es in der Regel noch eine „Dankeschön-Phase“, in der zumindest ein Teil der Plakate hängen bleibt. Bis in den Oktober hinein dürfte es daher viele Plakate im öffentlichen Raum zu sehen geben.

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