2019 ist ein gutes Pilzjahr: In Unna wachsen Riesenbovisten in erstaunlichen Größen

dzPilze

Fast so groß wie ein Kürbis sind die Pilze, die Dr. Klaus Coen auf einer Wiese neben seinem Haus entdeckt hat. Der Pilzexperte sieht gute Chancen auf eine reiche Pilzernte.

Unna

, 30.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie ein riesiger Champignon sieht er aus, wie er da auf der Wiese thront: Der Riesenbovist, der auf einer Wiese am Ginsterweg wächst, hat beeindruckende Ausmaße. Dr. Klaus Coen hat ihn entdeckt und sich gefreut – schließlich gilt Coen als Unnas Pilzexperte schlechthin. Und der Riesenbovist ist nicht nur eine leckere Mahlzeit, er zeigt auch, dass 2019 wohl ein gutes Pilzjahr wird.

2019 ist ein gutes Pilzjahr: In Unna wachsen Riesenbovisten in erstaunlichen Größen

Wie ein Herz ist der Riesenbovist gewachsen. © Anna Gemünd

Hinweise vom Experten

Darauf sollte man bei Pilzen achten

  • Dr. Klaus Coen warnt Pilzsammler eindringlich vor „Doppelgängern“: „Viele essbare Pilze haben Doppelgänger, die ungenießbar bis giftig sind, die ihnen aber zum Verwechseln ähnlich sehen.“ Daher rät er dazu, einen Pilz stets aus der Erde zu drehen.
  • Auf diese Weise kommen Teile des Myzel mit heraus – der eigentliche Pilz befindet sich nämlich unter der Erde. „Viele Merkmale einer Pilzart erkenne ich erst an Details, die unter der Erde liegen“, sagt Coen. Um unterscheiden zu können, ob man einen geniessbaren Pilz oder aber einen möglicherweise gesundheitsgefährdenden Doppelgänger erwischt hat, sollte man daher so viel wie möglich vom Pilz mitnehmen, um ihn eindeutig bestimmen zu können.
  • Coen rät hier aber auch zu Augenmaß: „Im Sinne der Natur sollte ich nicht Körbeweise unbekannte Pilze mitnehmen, um sie zu bestimmen. Ein einzelner reicht zunächst, um zu klären, um was es sich handelt.“
  • Wichtig beim Transport: Pilze sollten möglichst nicht in Plastiktüten gepackt werden, dann können sie nämlich nicht atmen. Besser geeignet sind Körbe. Frisch geerntete Pilze sind – je nach Festigkeit – bis zu zwei Tage im Kühlschrank haltbar, sollten aber in aller Regel zügig verarbeitet werden. Erde und Laub sollten bereits vor Ort mit einem Pinsel entfernt werden. Zuhause sollte der Pilz dann kurz in einem Durchschlag mit Wasser abgespült werden.
  • Pilze wie beispielsweise die Hallimasche, die als aromatische Speisepilze gelten, finden sich in den Wäldern rund um Unna.

„Die Menge an Regen, die es in den vergangenen Tagen gegeben hat, reicht vielleicht nicht für die Bäume, aber für die Pilze ist das völlig ausreichend“, erklärt Coen. Pilze brauchen Wärme und Feuchtigkeit, um zu wachsen. Wärme gab es in den vergangenen Tagen mehr als genug und nun kam auch die Feuchtigkeit – ideale Voraussetzungen also für schnelles Pilzwachstum.

Gleich zwei besonders große Exemplare des Riesenbovisten wachsen direkt neben Coens Grundstück. „Auf unserer Wiese hatten wir auch schon so viele Wiesenchampignons, dass wir schon zwei große Schalen voll ernten konnten“, erzählt Dorothea Coen, „es scheint wirklich ein gutes Pilzjahr zu sein.“

Zumindest für die Pilze, die nicht im Wald wachsen, scheint dies zuzutreffen. „Im Wald sieht das schon wieder ganz anders aus“, weiß Klaus Coen, „dort ist es momentan viel zu trocken. Aber bei den Pilzen kann das ganz schnell gehen: Wenn wir jetzt im September viel Regen bekommen und dann im Oktober einige warme Tage, dann wachsen die Pilze sehr schnell und gut.“

Zumindest einer der beiden Riesenbovisten, die Coens entdeckt haben, wächst nun nicht mehr weiter – das Ehepaar hat ihn geerntet. „Daraus lassen sich wunderbar Koteletts braten“, verrät Dorothea Coen. Und ihr Mann weiß, warum der Riesenbovist vor über 100 Jahren oft auch als „Lehrer-Kotelett“ bezeichnet wurde: „Den Pilz wie eine Kotelett in Scheiben zu schneiden und anzubraten, war natürlich viel günstiger, als echtes Fleisch zu kaufen. Und die Lehrer waren damals wahrlich nicht gut bezahlt.“

2019 ist ein gutes Pilzjahr: In Unna wachsen Riesenbovisten in erstaunlichen Größen

Klaus Coen schneidet den Riesenbovist an: Sind die innen liegenden Sporen weiß, ist der Pilz genießbar. Mit der Zeit werden sie braun - dann sollte man die Finger von dem Pilz lassen. © Anna Gemünd

In Scheiben geschnitten, leicht paniert, mit Salz und Pfeffer gewürzt und dann in der Pfanne angebraten schmeckt der Riesenbovist – wenn man weiß, wie lange er genießbar ist. „So lange die Sporen weiß sind, ist alles in Ordnung“, erklärt Klaus Coen und schneidet den Pilz auf, um die weißen Sporen im Inneren zu zeigen, „sie werden mit der Zeit aber olivgrün bis braun. Dann ist der Pilz im Verfall und nicht mehr genießbar.“

Der Riesenbovist, den nun bei Coens in die Pfanne wandert, hat übrigens noch ein Merkmal, das vielleicht nichts über seine Genießbarkeit aussagt, aber trotzdem ins Auge fällt: Er ist in der Form eines Herzens gewachsen.

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