Pilgerstätte für hunderte Gläubige aus ganz NRW: Die Koptische Gemeinde

dzSerie „Glaubensorte in Massen“

Wenn nach den Feiertagen allmählich wieder der Alltag einkehrt, geht das Weihnachtsfest in dieser Kirche erst so richtig los. Am 6. Januar feiern die Kopten Christi Geburt - auf arabisch.

von Fabiana Regino

Massen

, 26.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ragt hoch über dem nördlichen Teil von Unna-Massen, der Turm der koptisch-orthodoxen Kirche St. Maria und St. Philopater Mercurius. Die Kirche ist für Kopten aus ganz Nordhrein-Westfalen eine Anlaufstelle: An die 400 Gläubige zählen die Kirche in der Buderusstraße zu ihrer „zweiten Heimat“, wie Priester Tawadros es nennt. Für die Messen kommen die überwiegend ägyptischen Kopten regelmäßig aus Gelsenkirchen, Hamm oder Iserlohn angereist. Der wichtigste Grundpfeiler der meist auf arabisch gehaltenen Gottesdienste: die Bibel.

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Arabisch heißt nicht gleich Koran

Arabische Kirchenlieder, die das Wort Gottes, Christus und die Botschaft der Apostel preisen, ist für viele eine unbekannte Kombination. Neumodisch ist sie allerdings nicht. Die koptische Religionsgemeinschaft entstand schon im 1. Jahrhundert, wie Vater Tawadros erklärt. „Der Überlieferung nach hat Evangelist Markus damals die koptisch-orthodoxe Kirche in Alexandria gegründet.“

Pilgerstätte für hunderte Gläubige aus ganz NRW: Die Koptische Gemeinde

Die kunstvollen Ikonen im Innenraum der Kirche sind beeindruckend. Monatelang wurde an ihnen gearbeitet. © Marcel Drawe

Zahlen, Daten, Fakten


Das ist die Koptische Gemeinde in Massen

  • Die koptisch-orthodoxe Gemeinde ist seit 2014 in der Kirche in Unna-Massen ansässig. Nachdem sie jahrelang stets auf eine freie Kirche im Raum Dortmund angewiesen waren, fädelte das Bistum in Paderborn den festen Sitz an der Buderusstraße ein: Das heutige Gotteshaus der Kopten war zuvor die katholische Hedwigkirche.
  • Im Mai 2019 gab es hohen Besuch: der koptische Papst Tawadros II. von Alexandria weihte die Kirche höchstpersönlich. Die Gemeinde erklärte den 19. Mai daher zum alljährlichen Kirchenweihefest.
  • Den festlichen Weihnachtsgottesdienst feiert die Gemeinde orthodoxisch-traditionell am 6. Januar.
    Pilgerstätte für hunderte Gläubige aus ganz NRW: Die Koptische Gemeinde

    Papst Tawadros II. (vorne rechts) trug sich beim Empfang von Unnas Bürgermeister Werner Kolter im Mai 2019 ins Goldene Buch der Stadt Unna ein. © Kreis Unna

Die Möglichkeit, eine koptisch-orthodoxe Messe zu feiern, haben nur wenige Kopten-Gemeinden. Genau das macht Unna-Massen zum Hotspot für hunderte von Gläubigen - und das Sonntag für Sonntag. Eine Besucherzahl, die viele andere Kirchen vielleicht gerade so zu Heiligabend erreichen.

Weihnachten ist auch für die Gemeinde von Priester Tawadros ein wichtiges Fest. „Wir bauen eine Krippe und stellen einen Weihnachtsbaum in unserer Kirche auf“, sagt Tawadros lächelnd. „Aber eigentlich sind das Wahrzeichen des westlichen Christentums, die wir jedoch gerne bei uns mit einbauen.“ Was die Kopten am meisten von Katholiken oder Evangelen unterscheidet, ist wohl die Fastenzeit vor Weihnachten.

Fastenzeit vor Weihnachten

„Wir fasten 43 Tage vor Weihnachten. 40 für die 40 Tage, die Moses auf dem Berg Sinai verbrachte, um Gott nahe zu sein, und drei Tage für die Verfolgung der Christen in Ägypten“, erläutert der Gemeindevater. 43 Tage vor Weihnachten bedeutet in diesem Fall aber nicht vor dem 25. Dezember.

„Für die meisten ist unsere Gemeinde auch jenseits der Weihnachtszeit ein Ort, an dem sie ein Stück Identität finden, an dem sie etwas erfahren, an dem sie sich orientieren können.“
Priester Tawadros

Denn die Kopten feiern das Weihnachtsfest wie viele Anhänger orthodoxen Glaubens erst am 6. Januar. Wenn die meisten also ihren Weihnachtsbaum bereits wieder abschmücken und zur Entsorgung vorbereiten, geht es in der St.-Maria-und-St.-Philopater-Mercurius-Kirche erst so richtig los.

„Gesänge, Prozessionen, Gebete, das kann dann schon so etwa fünf Stunden gehen“, erklärt Tawadros den feierlichen Gottesdienst. Am Tag danach gehe es dann weiter mit einem gemeinschaftlichen Festmahl. Gemeinschaft sei ein sehr wichtiger Aspekt, betont der Priester.

„Wir feiern Weihnachten mit Gott in unserer Mitte. Für die meisten ist unsere Gemeinde aber auch jenseits der Weihnachtszeit ein Ort, an dem sie ein Stück Identität finden, an dem sie etwas erfahren, an dem sie sich orientieren können“, beschreibt es Tawadros. Und gerade in den heutigen Zeiten seien Werte und deren Weitergabe an die nächste Generation, so wichtig wie nie.

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