Pflegekasse betrogen: Ex-Betreuerin zu fast fünf Jahren Haft verurteilt

dzLandgericht Dortmund

Eine Ex-Berufsbetreuerin aus Unna ist vom Dortmunder Landgericht wegen Pflegebetrugs zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Trotzdem konnte die 51-Jährige aufatmen.

Unna

, 25.10.2019, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach mehr als 15 Monaten in Untersuchungshaft durfte die Angeklagte Unnaerin vorerst wieder nach Hause zu ihrer Familie gehen. Den Rest der Haftstrafe muss sie erst in einigen Wochen antreten. Möglicherweise kann sie dann darauf hoffen, bald in den offenen Vollzug wechseln zu können. Dann müsste sie nur noch nachts ins Gefängnis und könnte tagsüber arbeiten und für ihren Sohn da sein.

Angeklagte wollte Ansehen

Die 51-Jährige hat laut Urteil zahlreichen Menschen dabei geholfen, die Pflegekasse zu hintergehen und Leistungen zu beziehen, die ihnen gar nicht zustanden. Immer wieder sei sie angesprochen und um Hilfe gebeten worden, hieß es in der Urteilsbegründung. Und weil die Frau ein erfolgsverwöhnter Typ sei, habe sie stets zugesagt und alles gegeben, damit sie die Erwartungen auch erfüllen konnte. „Sie handelte, um gut dazustehen“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Beumer am Freitag.

Systematisches Coaching

Weil sie aus ihrer Zeit als Berufsbetreuerin wusste, worauf es bei der Beantragung von Pflegegeld und der anstehenden Untersuchung durch den Medizinischen Dienst ankam, konnte sie ihre Bekannten systematisch coachen. Die Frauen und Männer bekamen gesagt, was sie auf bestimmte Fragen antworten und wie sie sich in gewissen Situationen anstellen sollten. Stellenweise war die Angeklagte bei den Untersuchungen auch selbst dabei, um bei auftretenden Schwierigkeiten eingreifen zu können.

Schaden geht in die Hunderttausende

Der Schaden, der bei der Pflegeversicherung entstanden ist, geht in die Hunderttausende. Darüber hinaus kassierte die 51-Jährige selbst mehr als 100.000 Euro zu Unrecht, weil sie sich monatlich Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung auszahlen ließ, die ihr gar nicht zustanden. Anfangs mögen solche Ansprüche nach zwei schweren Autounfällen im Jahr 2010 bestanden haben, sagten die Richter. „Im Laufe der Zeit hat die Angeklagte aber wieder ganz normal gearbeitet, ohne das ihrer Versicherung zu melden“, sagte der Vorsitzende Richter.

Weiteres Verfahren schon beendet

Als der Prozess im Januar begann, saß neben der 51-Jährigen noch ein Ehepaar aus Unna auf der Anklagebank. Die beiden Rentner hatten ebenfalls von den Fähigkeiten der Ex-Betreuerin profitiert und Pflegegeld kassiert, das ihnen gar nicht zustand. Weil beide jedoch sofort geständig waren, konnten diese Verfahren schon frühzeitig beendet werden. Der Mann wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt, das Verfahren gegen seine Frau sogar eingestellt. Als Auflage müssen 7000 Euro an die Rentenkasse gezahlt werden.

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