Pflanzenkenner entdeckt tödliches Gewächs auf Rapsfeld in Unna-Massen

dzGiftige Pflanze

Der Gefleckte Schierling ist in Unna entdeckt worden. Das Doldengewächs hat eine unrühmliche Vergangenheit. Sokrates starb angeblich nach einer Todesstrafe durch den Schierlingstrunk.

Massen

, 10.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sehen die Pflanzen prachtvoll aus: Aus einem Rapsfeld recken sich einige Doldengewächse mehr als zwei Meter gen Himmel. Dabei handelt es sich allerdings um den hochgiftigen Gefleckten Schierling (Conium maulatum).

Der Holzwickeder Werner Hessel hat die Pflanzen auf einem Feld zwischen der Eintrachtstraße und dem Afferder Weg in Unna-Massen entdeckt. Dass er mit seiner Bestimmung richtig liegt, bedarf keines Zweifels. Hessel ist ein Pflanzenkenner, er hilft beim Kartieren von Pflanzen für den Bochumer Botanischen Verein.

Seltener Fund, der an Sokrates erinnert

Der Fund sei selten, sagt Hessel. In den vergangenen Jahren hat er nur vier Mal Pflanzen des Gefleckten Schierlings gefunden. Zum Glück, möchte man sagen. Denn das Gewächs ist so giftig, dass sie den Philosophen Sokrates sogar getötet haben soll. Im Jahr 399 v.Chr. wurde er zum Tode verurteilt. Er wurde durch den Schierlingsbecher hingerichtet, starb also an einer Vergiftung.

Genau das ist auch der Grund, warum Werner Hessel seinen Fund öffentlich macht. „Kinder, die vielleicht einen Blumenstrauß pflücken wollen und die Pflanze anfassen, sind in großer Gefahr“, warnt der Botaniker.

Der giftige Wirkstoff Pseudoalkaloid Coniin ist in allen Pflanzenteilen des Gefleckten Schierlings (Conium maulatum) enthalten.

Der giftige Wirkstoff Pseudoalkaloid Coniin ist in allen Pflanzenteilen des Gefleckten Schierlings (Conium maulatum) enthalten.

Der Gefleckte Schierling gehört neben dem Eisenhut zu den giftigsten einheimischen Pflanzen. Das zweijährige Doldengewächs, das zu den Möhren gehört, unterliegt dabei einer großen Verwechslungsgefahr. „Es gibt 70 bis 80 verschiedene weißblühende Doldengewächse“, verweist Hessel auf eine Auflistung des Bochumer Botanikvereins. Das Tückische: Viele Arten sind total harmlos; andere – wie etwa die Hundspetersilie oder eben der Gefleckte Schierling – sind aber hochgiftig.

Fund wird im Internet und im Jahrbuch veröffentlicht

Muss der Landwirt nun handeln? „Ich habe in Holzwickede mal einen Landwirt gebeten, die Pflanzen zu entfernen, aber passiert ist damals nichts“, erinnert sich Hessel. Wenn der Schierling gemeinsam mit dem Raps geerntet werde, sei die Gefahr wohl gering. „Das ist eine sehr kleine Dosis“, weiß der Experte.

Dennoch: Wer persönlich mit der Pflanze in Kontakt kommt, ist durchaus in großer Gefahr. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern beispielsweise auch für Hunde. Der Wirkstoff Pseudoalkaloid Coniin, das für den Erwachsenen in einer Dosis von 0,5 bis 1 Gramm tödlich ist, ist in allen Teilen der Pflanze enthalten.

Hessels Fund in Massen ist so bedeutend, dass er nicht nur auf der Internetseite des Bochumer Vereins aufgelistet, sondern auch im Jahrbuch veröffentlicht wird.

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