Pfändung angedroht: Junge Mutter aus Unna reagiert auf Betrüger souverän

dzE-Mail-Betrug

Betrügerische Zahlungsaufforderungen - unzählige Menschen lassen sich von dieser Masche einschüchtern und überweisen hohe Geldbeträge. Silke Bierkämper aus Unna reagierte auf solche Post dagegen vorbildlich.

Unna

, 08.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die junge Mutter ging Ende Juni den Posteingang ihres E-Mail-Kontos durch und fand darunter die Mahnung einer vermeintlichen Anwaltskanzlei aus Hamburg. Von unverhohlenen Drohungen ließ sich Silke Bierkämper nicht aus der Ruhe bringen.

Den Preis für Zeitschriften-Jahresabo, angeblich am 14. Mai telefonisch abgeschlossen, sollte die 35-Jährige begleichen. Eine Gesamtsumme von 196,13 Euro, darin enthalten bereits 70 Euro Mahnkosten und Anwaltsgebühren.

Drohung mit dem Gerichtsvollzieher

Für den Fall der Nichtzahlung kündigte die vermeintliche „Anwaltskanzlei Günter Joachim und Kollegen - Fachanwalt für Medienrecht & Strafrecht“ drastische Folgen an: Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Zwangsvollstreckung durch einen Gerichtsvollzieher und Pfändung des Gehalts.

»Das ist die reinste Betrugsmasche.«
Silke Bierkämper

Silke Bierkämper hielt sich nicht lange mit der Frage auf, ob irgendjemand in ihrem Haushalt ohne ihr Wissen ein Abo abgeschlossen haben könnte - sondern schöpfte sofort Verdacht, dass hinter dem durchaus echt wirkenden Schreiben Betrugsabsichten stecken könnten.

Ab diesem Zeitpunkt machte Silke Bierkämper alles richtig, wie im Nachhinein auch die Kreispolizeibehörde bestätigte. Denn anstatt die E-Mail achtlos zu löschen, prüfte sie zunächst die Echtheit des Absenders nach.

Weder unter der angegebenen Telefonnummer meldete sich jemand noch fand sie die Kanzlei im Telefonbuch. Selbst die Rechtsanwaltskammer Hamburg befragte Silke Bierkämper. Ergebnis: Rechtsanwälte an der Hamburger Meile 11 in Hamburg gibt es überhaupt nicht.

„Das ist die reinste Betrugsmasche“, ärgert sich Silke Bierkämper. Tatsächlich hätte sie den Schwarzen Peter ziehen können, wenn sie einfach nichts unternommen hätte. „Ein Lebenspartner kann zum Beispiel ohne Wissen des anderen ein Abo abgeschlossen haben“, sagt Polizeisprecher Bernd Pentrop.

Lob für Strafanzeige bei der Polizei

Werde dann auf die Mahnung einer fälligen Zahlung für einen gültigen Vertrag nicht reagiert, könnte das für die Betroffenen teuer werden. Silke Bierkämper beließ es nicht bei ihrer erfolgreichen Recherche.

Die Unnaerin erstattete bei der Polizei Strafanzeige. Auch hierfür erhielt sie Lob von den Beamten. Denn erst mit diesen Angaben habe die Kripo überhaupt einen Ermittlungsansatz.

Bernd Pentrop räumt aber ein, dass es sehr aufwändig und schwierig sei, E-Mail-Betrüger tatsächlich ausfindig zu machen. Silke Bierkämper will zumindest ein anderes Ziel erreichen, weshalb sie sich auch an die Öffentlichkeit wendete.

„Wer weiß, wie viele Menschen sonst noch auf so etwas hereinfallen“, warnt sie.

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