Viele Menschen vom Hellweg pendeln mit der Bahn in Richtung Dortmund. Der Bahnhof in Hemmerde ist bei Pendlern beliebt, Parkplätze zum Leidwesen von Anwohnern ebenso.

Hemmerde

, 19.10.2018, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Hier muss dringend mal Ordnung geschaffen werden“, sagt ein älterer Herr, der eines der Häuser an der Hemmerder Bahnhofstraße bewohnt. Immer wieder nehmen ihm Bahnreisende mit ihren Autos den Parkplatz weg. Die Pendler, die die Regionalbahn nutzen, verhalten sich so, wie es üblich ist: Sie kommen früh morgens, lassen ihr Auto stehen. Sie kommen abends zurück und nehmen es wieder mit. Richtig viel los sei immer, wenn in Dortmund die Borussia spielt, sagt der Anlieger. Aber das sei eher eine Momentaufnahme, über die er hinwegsieht. Viel mehr ärgert ihn die dauernde Nutzung der Stellflächen vor seinem Haus durch Berufspendler. Schon öfter habe er das Problem gehabt, dass er selbst gar keinen Parkplatz fand und seinen Wagen irgendwo in der Nähe abstellen musste. Die Parkplätze sind vermutlich auch deswegen attraktiv, weil das Dauerparken auf der Straße untersagt ist.

Kein Unterschied zwischen Autos aus Werl oder Unna

Bei der Stadtverwaltung hat er die Missstände schon gemeldet. Ob er mit seiner Beschwerde im Rathaus an der falschen Stelle war oder es ein Kommunikationsproblem gegeben hat, lässt sich schwer aufklären. Die Auskunft, die der Hemmerder aus der Verwaltung mitgenommen hat, stellt ihn jedenfalls nicht zufrieden. Für den geschotterten Streifen zwischen der Straße und der Häuserreihe gelte ein Parkverbot, so habe die Auskunft gelautet. Demnach dürften Bahnpendler keinen der rund 30 Stellplätze einnehmen – Anwohner allerdings auch nicht. Aus demselben Rathaus, allerdings aus der Pressestelle, erhielt unsere Zeitung eine andere Aussage, und diese erscheint korrekt: Bei den Plätzen entlang der Hemmerder Bahnhofstraße handele es sich um öffentlichen Parkraum. Die gute Nachricht also: Wer dort sein Auto abstellt, handelt nicht illegal, schwebt also auch nicht in der Gefahr, ein Strafmandat zu bekommen. Die schlechte Nachricht für Anwohner: „Öffentlich“ heißt „für alle“. Zwischen Autobesitzern, die in Hemmerde wohnen, und solchen aus Werl oder dem Soester Raum unterscheidet die Behörde also nicht.

Vielleicht könnte sie es demnächst aber. „Wir werden einmal mit der Stadt sprechen, ob die Möglichkeit besteht, mit Anwohner-Parkausweisen zu arbeiten“, sagt Matthias Fischer. Er ist der Chef der UKBS, der die Miethäuser an der Hemmerder Bahnhofstraße gehören.

Pendler nehmen Anwohnern in Unna-Hemmerde die Parkplätze weg

Wer dieses Schild in der Nähe des Hemmerder Bahnhofs beachtet, müsste sein Auto artig auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz abstellen. Doch offenbar wird der Hinweis übersehen. © Marcel Drawe

Ein weiterer Vorschlag bezieht sich auf die Steuerung des Parkverkehrs: Es gibt in Hemmerde einen Pendlerparkplatz. Er ist 250 Meter von den beiden Bahnsteigen entfernt. Vermutlich will der eine oder andere Pendler diesen Weg meiden. Vermutlich kennt der eine oder andere ihn aber auch gar nicht. In der Nähe des Bahnhofs, an der Straße Auf dem Siepen, weist ein Schild auf diesen Park-and-Ride-Platz hin, mit der Bitte, ihn zu nutzen. Es steht aber halb im Gebüsch und kann schnell übersehen werden. Ob diese Beschilderung verbessert werden kann, werde man sich anschauen, verspricht Christoph Ueberfeld, Sprecher der Stadtverwaltung.

Pendler nehmen Anwohnern in Unna-Hemmerde die Parkplätze weg

Der Park-and-Ride-Platz in Hemmerde enthält Stellplätze für 17 Autos. © Marcel Drawe

Bahnhöfe auf den Dörfern beliebt

Der Bahnhaltepunkt macht Hemmerde zu einem Anziehungspunkt für Auswärtige. Dieses Problem ist besonders akut seit dem Jahr 2000. Vor 18 Jahren wurde der Geltungsbereich des Nahverkehrstarifs VRR ausgeweitet auf das gesamte Unnaer Stadtgebiet. Er schließt seitdem den Bahnhof in Hemmerde ein. Pendler aus Werl und Soest steigen deswegen in Hemmerde um vom Auto auf den Zug.

Haltepunkt Hemmerde

Hunderte Nutzer am Tag

Der Bahnhaltepunkt Hemmerde ist durchaus beliebt. Laut Nahverkehrs-Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) steigen in Hemmerde wochentags zwischen 600 und 700 Fahrgäste ein und aus. Das sei „ganz ordentlich“ für einen kleinen Haltepunkt wie Hemmerde, sagt ZRL-Sprecher Uli Beele.

Ähnlich wird der Bahnhof Lünern genutzt, wo es ebenso Parkplatzprobleme gibt. In der jüngsten Versammlung zur Dorfentwicklung (Stichwort DIEK) wurde der immer noch nicht eingerichtete Park-and-Ride-Parkplatz für Lünern als eines der dringendsten Probleme identifiziert.

Hemmerde hat einen solchen Pendlerparkplatz, eingerichtet 2006 mit 17 Parkplätzen. Zusätzlich ist das Parken auf der Hemmerder Bahnhofstraße, also nicht daneben, sondern auf der Fahrbahn, eingeschränkt: Maximal für drei Stunden und mit Parkscheibe dürfen dort Autos abgestellt werden. Diese Regelung soll verhindern, dass Pendler dauerhaft ihre Autos auf die Straße stellen. Und die Einhaltung werde kontrolliert, sagt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. „Wir verteilen dort gegebenenfalls auch Knöllchen.“

Pendler nehmen Anwohnern in Unna-Hemmerde die Parkplätze weg

Autos auf der Straße abzustellen, ist hier nur für kurze Zeit erlaubt. © Marcel Drawe

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