Unerwartete Wendung in der Diskussion um die Wiedereröffnung der Eishalle Unna: Der Verein „Unna braucht Eis“ zieht sich zurück - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung.

Unna

, 21.04.2020, 10:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Verein „Unna braucht Eis“ und der Königsborner Jugend-Eishockey-Club (KJEC) arbeiten nicht länger mit der Stadtverwaltung Unna für die Sanierung und den Betrieb der Eissporthalle zusammen. Das schreiben die Vereine in einem offenen Brief an alle Mitglieder des Unnaer Stadtrates, abgeschickt am späten Montagabend. Die Mitglieder von „Unna braucht Eis“, die das Bürgerbegehren zum Erhalt der Eishalle organisiert hatten, erheben darin auch schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung.

Jetzt lesen

„Dies ist nicht mehr das Projekt, für das wir ursprünglich gekämpft haben.“
„Unna braucht Eis“

Betrieb der Eishalle muss ausgeschrieben werden

Anlass für den Rückzug von „Unna braucht Eis“ aus der Zusammenarbeit mit der Stadt scheint offenbar das Fazit eines Gutachters zu sein, der im Auftrag der Stadt prüfen sollte, ob die Sanierung und der anschließende Betrieb der Eishalle aus einer Hand - also durch den Königsborner Jugendeishockey Club (KJEC) - rechtlich möglich ist. Dies scheint offenbar nicht der Fall: Wie „Unna braucht Eis“ in seinem Brief schreibt, geht die Stadtverwaltung davon aus, den Betrieb der Eishalle europaweit ausschreiben zu müssen. Stadtsprecher Christoph Ueberfeld bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion am Dienstagvormittag, dass der Betrieb ausgeschrieben werden müsse.

Der Vorwurf: „Bewusste Verschleppung“ des Projektes

„Dies ist nicht mehr das Projekt, für das wir ursprünglich gekämpft haben, und wir glauben, dass es auch nicht das ist, wofür die Bürger beim Bürgerentscheid ihre Stimme abgegeben haben“, schreiben die beiden Vereine in ihrem Brief an die Ratsmitglieder. Beim Bürgerentscheid über die Zukunft der Eishalle hatten im Mai 2019 knapp 15.000 der wahlberechtigten Unnaer (das entsprach 59 Prozent der beim Bürgerentscheid abgegebenen gültigen Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 52 Prozent) für den Erhalt der Eishalle gestimmt.

„Wir werden weiterhin für die Eishalle Unna kämpfen, jetzt nur nicht mehr von Innen, sondern von Außen. Das sind wir den Bürgern schuldig.“
Wilhelm Ruck, Vorsitzender von „Unna braucht Eis“

„Unna braucht Eis“ und der KJEC werfen der Stadtverwaltung jetzt vor, dass sie versucht habe, das Projekt bewusst zu verschleppen. Konkret greifen sie dabei auch Werner Kolter an: Die Umsetzung des Bürgerentscheides genieße „ganz sicher nicht“ die von Kolter zugesagte oberste Priorität, so die beiden Vereine. Dagegen spreche allein die Tatsache, dass „vermeintliche Fachleute“ versucht hätten, das „ursprüngliche Konzept zu zerreden, aufzubauschen, Kosten zu verursachen und die Realisierung des Vorhabens massiv zu verzögern“, so der Vorwurf.

Engagement für die Eishalle geht weiter

„Dass wir die Zusammenarbeit mit der Stadt beenden, heißt auf gar keinen Fall, dass wir jetzt unser Engagement für die Eishalle beenden“, betonte Wilhelm Ruck, Vorsitzender von „Unna braucht Eis“, im Gespräch mit unserer Redaktion. Vielmehr sei das, was in dem Jahr seit dem Bürgerentscheid passiert sei, nicht die Arbeitsweise, die man sich vorgestellt habe. „Wir werden weiterhin für die Eishalle Unna kämpfen, jetzt nur nicht mehr von Innen, sondern von Außen. Das sind wir den Bürgern schuldig“, sagte Ruck.

Besonders frustriert zeigen sich die Vereinsmitglieder auch von den bisherigen Kosten: Von dem Geld, was bisher für Planungs- und Beraterkosten ausgegeben wurde, hätte man die Dachkonstruktion komplett sanieren können, schreiben „Unna braucht Eis“ und der KJEC in ihrem Brief. Stattdessen werde durch die Stadtverwaltung ein „bürokratisches Monstrum“ erschaffen, das „vollkommen ohne Sinn und Verstand wertvolle Zeit und große Summen verschlingen“ werde, so der Vorwurf.

„Wir fordern die Ratsvertreter auf, jetzt genau hinzusehen und darauf zu drängen, dass endlich etwas passiert.“
Michael Weber, 1. Vorsitzender des KJEC

Ende der Zusammenarbeit bedeutet nicht das Ende der Eishalle

Der Beschluss bleibt von dem Ende der Zusammenarbeit zwischen „Unna braucht Eis“ und der Stadt unberührt: Ein gültiger Bürgerentscheid ist genauso bindend wie ein Ratsbeschluss und zwei Jahre lang gültig. Die Stadt Unna muss also weiterhin daran arbeiten, die Eishalle zu erhalten. Wenn der Betrieb der Eishalle nach einer erfolgten Sanierung ausgeschrieben wird, dann will sich auch der KJEC bewerben. „Ob wir das dann können, wissen wir aber noch gar nicht“, sagt Michael Weber, 1. Vorsitzender des KJEC, im Gespräch mit unserer Redaktion, „unsere Idee ist es nach wie vor, das gemeinnützig zu machen, damit das Geld aus dem Betrieb der Halle auch in der Halle bleibt. Wenn jetzt irgendein Pächter kommt und das Geld da raus zieht, dann ist das genau das, was wir nicht wollen.“

Weber hofft, genauso wie Ruck, dass der offene Brief an die Ratsmitglieder jetzt den Druck erhöhe. „Wir fordern die Ratsvertreter auf, jetzt genau hinzusehen und darauf zu drängen, dass endlich etwas passiert“, so Weber, „in anderen Städten klappt das doch auch.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Selbstständigkeit
Schwierige Zeit für Sporttrainerin: Kunden sind kaum bereit, für Onlinekurse zu zahlen