Patt am Gurlitt-Haus: Stadt und Eigentümer warten auf Reaktion des jeweils anderen

dzDenkmalschutz

Am Baudenkmal zwischen Markt, Kirchplatz und Krummfuß nagt der Zahn der Zeit, und niemand macht allzu große Versuche, daran etwas zu ändern. Stadt und Eigentümer sehen die Zuständigkeit beim jeweils anderen.

Unna

, 26.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass das Verhältnis zwischen der Stadt Unna und Immobilieneigentümer Jörn Gurlitt kein ganz einfaches ist, ist in der Vergangenheit mehrfach deutlich geworden. Aktuell herrscht beiderseitige Funkstille. Leidtragend ist das Fachwerkhaus zwischen Kirchplatz, Krummfuß und Altem Markt.

Das Gebäude ist stark beschädigt. Über eine angemessene Art, das einsturzgefährdete Dach zu sichern, haben sich Gurlitt und die Stadt vor dem Verwaltungsgericht gestritten. Am Ende erhielt die Stadt Recht – und ein Fachbetrieb den Auftrag für eine Notabsicherung, die Gurlitt zu bezahlen hat.

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Damit gilt das Gebäude als vorläufig gesichert, was das Dachgeschoss angeht. Doch von einer richtigen Sanierung kann nicht die Rede sein. Und inzwischen zeigen auch die außen liegenden Fachwerkbalken erkennbare Schäden.

Jeder wartet auf einen Zug des anderen

Wer sich darum kümmern muss, diese Frage ist schwieriger zu beantworten als es vielleicht erscheinen mag. Zumindest warten Gurlitt und die Stadt nun beiderseits auf eine Reaktion der jeweiligen Gegenseite.

Gurlitt sieht die Stadt am Zug: Sie kenne die Schäden, müsse nun ihre Vorstellungen dazu darlegen. Unnas Planungsdezernent Michael Ott widerspricht: „Der Dachstuhl wurde durch Sicherungsmaßnahmen so weit instandgesetzt, dass die Statik gewährleistet ist. Die Entwicklung eines weitergehenden, denkmalgerechtem Nutzungs- beziehungsweise Renovierungskonzeptes für das Gebäude obliegt dem Eigentümer“, erklärt er. Die Stadt könne dabei nur beratend unterstützen.

Vorwurf: Stadt lehnt ab, ohne Gegenvorschläge darzulegen

Ein solches Konzept meint Gurlitt der Stadt bereits vorgelegt zu haben. Allerdings fand es keine Akzeptanz bei der Behörde, was ein wesentlicher Anlass für den Rechtsstreit war. Gurlitt hatte einen Teilabriss des Gebäudes beantragt, um das Dach in veränderter Form neu aufbauen zu können.

Die Stadt hatte diesen Gedanken abgelehnt, da Denkmalschutz in erster Linie auf Erhalt und Wiederherstellung der historischen Bausubstanz abzielt und es bei dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gerade das Dach sei, in dem sich viele Merkmale von bauhistorischer Bedeutung fänden. Insofern war das vorgelegte Konzept aus Sicht der Stadt nicht „denkmalgerecht“.

Gurlitt aber scheint nach der Klarstellung der Stadt, was diese nicht wolle, auf Aussagen zu hoffen, was diese denn wolle. So lange könne er gar nichts unternehmen. Das Gebäude indes leidet weiter am schleichenden Verfall.

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