Verzweifelte Kunden: Die einzige Apotheke in Obermassen schließt

dzNahversorgung

Apotheken vor Ort sind für die gesundheitliche Nahversorgung wichtig. Wie wichtig, zeigt sich gerade in Obermassen: Die einzige Apotheke dort schließt Mitte Dezember. Eine Herausforderung, besonders für alte Menschen.

Unna

, 30.10.2019, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurt Hoffmann ist Diabetiker. Der 80-jährige Obermassener braucht regelmäßig seine Medikamente. An die kommt er zukünftig aber nicht mehr so einfach heran. Denn die einzige Apotheke in Obermassen, die Sonnen-Apotheke an der Karlstraße, schließt zum 14. Dezember.

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Was er dann machen soll, weiß der 80-Jährige nicht: „Die nächste Apotheke liegt in Niedermassen. Das ist etwa zwei Kilometer entfernt“, sagt er. Zu Fuß sei dieser Weg, besonders für ältere Patienten, eine Zumutung. Dennoch wird Hoffmann sich bald umstellen müssen. Denn für den Inhaber der Sonnen-Apotheke, Bernd Müller, lohnt sich das Betreiben seines Geschäfts nicht mehr.

Steigende Bürokratie, Lieferengpässe, Onlinehandel

Gründe dafür gebe es mehrere: Zum einen sei die steigende Bürokratie dafür verantwortlich, zum anderen erschweren Engpässe bei der Medikamentenlieferung und der zunehmende Onlinehandel das Geschäft. Besonders letzteres erfährt Müller am eigenen Leibe: Anwohner aus der Nachbarschaft bestellten ihre Arzneimittel etwa im Internet. Der Lieferservice gebe die Päckchen dann unten in der Sonnen-Apotheke ab. Ein Sachverhalt, über den Müller nur den Kopf schütteln kann: „Das ist absurd“ sagt er.

Verzweifelte Kunden: Die einzige Apotheke in Obermassen schließt

Bessere Zeiten: Bernd Müller (3.v.l.) mit seinem ehemaligen Team im Januar 1989, kurz bevor er die Apotheke vom Ehepaar Wank (l.) übernommen hat. © Nogaj

Dennoch seien es nicht nur wirtschaftliche Gründe, die Müller zur Schließung seines Geschäfts veranlasst haben: Der Apotheker hat eine schwerbehinderte Tochter, deren Pflege sehr zeitintensiv ist: „Die Kraft lässt mit den Jahren einfach nach“, sagt er.

„Es ist wie bei Hotels: Bei einer Auslastung von 90 Prozent läuft es bombig, bei einer Auslastung von 80 Prozent läuft es gut, aber bei einer Auslastung von 70 Prozent kann man dicht machen.“
Bernd Müller, Apotheker

Das letzte mal Urlaub hatte Müller im Jahr 2001. Seitdem hat der Selbstständige durchgearbeitet – schließlich müsse immer ein Apotheker im laufenden Betrieb anwesend sein. Einen weiteren einzustellen, konnte er sich aber nicht leisten, obwohl Müller bis dato gut von seinem Job leben konnte: „Es ist wie bei Hotels: Bei einer Auslastung von 90 Prozent läuft es bombig, bei einer Auslastung von 80 Prozent läuft es gut, aber bei einer Auslastung von 70 Prozent kann man dicht machen.“ Es sei eben eine Gratwanderung mit dem Geschäft.

Niedermassens Mühlen-Apotheke baut Botendienst aus

Eine, die Müller nicht länger mitmachen kann und will, auch, wenn es ihm für die Patienten in Obermassen Leid tue. Für sie gebe es jedoch Glück im Unglück: Die Mühlen-Apotheke aus Niedermassen plant, ihren Botendienst auszubauen. Das heißt konkret: Patienten aus Obermassen können ihre Medikamente direkt nach Hause geliefert bekommen, ohne einen beschwerlichen Weg auf sich nehmen zu müssen.

Das wäre auch eine Lösung für Kurt Hoffmann. Denn wenn die einzige Apotheke in seiner Nähe schließt, weiß der Diabetiker sonst nicht, wie er an seine Medikamente kommt.

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