Paket braucht eineinhalb Monate, bis es in Unna ankommt

dzLogistik

In der Corona-Krise dauert es schon mal länger, bis ein Paket ankommt. Dass eine Lieferung von Bayern bis Unna jetzt eineinhalb Monte dauerte, hat mit dem Virus allerdings nichts zu tun.

Unna

, 29.05.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hätte sich beim Verpacken diese Pakets ein Mäuschen ins Innere geschlichen, dann hätte es eine unglaublich lange Odyssee erlebt, die es wohl kaum überlebt hätte. Eineinhalb Monate dauerte die Lieferung von Bayern bis Unna – inbegriffen ein Pendellauf zwischen Hagen und Kamen.

Alles beginnt am 15. April im Ort Aschheim nordöstlich von München. Um 8.51 Uhr wird das Paket eingeliefert, das DHL zum Bockumweg in Unna liefern soll. Dass das in Corona-Zeiten länger dauern kann als üblich, ist bekannt. Jeden Tag liefert das Unternehmen aktuell 7 Millionen Sendungen aus, sonst sind es 5 Millionen.

Paket liegt wochenlang in Hagen

Doch scheinbar läuft alles wie geschmiert. Schon um 0.20 Uhr am 17. April erreicht das Paket Hagen und „wird im nächsten Schritt zur Zustellbasis transportiert“, wie es im Sendungsprotokoll heißt. Dieser nächste Schritt aber lässt auf sich warten. Sage und schreibe bis zum 6. Mai schnuppert die Lieferung Hagener Luft, dann kommt sie endlich in Kamen an.

Wer glaubt, dass jetzt nichts mehr schiefgehen kann, irrt aber. Denn das Paket wird nicht etwa zum Bockumweg geliefert, sondern taucht am 9. Mai wieder in Hagen auf. Damit beginnt eine scheinbar unerklärliche Pendeltour zwischen Hagen und Kamen. Und irgendwann kommt es, wie es kommen musste: Das Paket ist beschädigt und muss seitens DHL nachverpackt werden. Und so dauert es bis zum 28. Mai, ehe das Paket seine Empfängerin erreicht.

Hindernis für Mensch und Maschine

Wie aber kann es zu so einer Irrfahrt kommen? DHL-Sprecher Rainer Ernzer kann die Antwort erst am Tag der tatsächlichen Auslieferung geben: „Die Anschrift war weder für die Maschine noch für Menschen gut lesbar.“ Statt Bockumweg sei im Adressatenfeld Bochumweg zu lesen gewesen – und auch die Hausnummer habe eher kryptisch gewirkt. Statt eines Buchstabens nach der eigentlichen Nummer habe dort unter anderem ein „/“ gestanden. Zudem habe es auch noch einen Zahlendreher in der Postleitzahl gegeben.

Unsauber geschriebene Anschriften können laut Ernzer dazu führen, dass falsche Leitcodes erstellt werden. Einen Bochumweg etwa gibt es in Unna gar nicht. Vermutlich ist diese Tatsache entscheidend dafür, dass es die Verzögerung gab – das Nachverpacken kostet weitere Tage. Ernzer räumt ein, dass die Verzögerung außergewöhnlich groß sei.

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Die Frau, die auf das Paket gewartet hat, ärgert sich aber auch über den Service von DHL. Immer wieder hat sie bei dem Unternehmen angerufen – stets wurde sie vertröstet, ohne wirkliche Informationen zu bekommen. An diesem Freitag, einen Tag nach der Auslieferung, bekam sie dann auch noch ein Schreiben vom DHL-Kundenservice, dass das Paket ausgeliefert worden sei. „Eine kleine Entschuldigung von DHL hätte etwas von Kundenservice aufscheinen lassen“, findet die enttäuschte Paketempfängerin. Doch eine Entschuldigung gab es nicht.

DHL bedauert Probleme

Im Gespräch mit unserer Redaktion bedauert der DHL-Sprecher die Probleme allerdings. Ihm bleibt nicht viel anderes übrig, als um leserliche Paketbeschriftungen zu bitten. Und bei dieser Gelegenheit macht er auch noch darauf aufmerksam, dass die Bedeutung der Innenverpackung größer ist als viele Kunden meinen. Eine unzureichende Polsterung sei der häufigste Grund für Beschädigungen.

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