Ein seniorengerechter Wohnungsneubau liegt innenstadtnah und günstig aber auch an einer erheblichen Lärmquelle: Viel Verkehr rollt über die Hertingerstraße. © Marcel Drawe
Straßenlärm

Paar zieht nach Unna und bereut es nach wenigen Wochen: zu laut

Ein Paar aus dem ländlichen Umland hatte sich auf einen ruhigen Lebensabend in Unna gefreut. Doch schon kurz nach dem Bezug der Wohnung stellen die Neu-Unnaer fest: Der Lärm ist unerträglich.

Aus einem ländlichen Stadtteil von Bergkamen ist das Ehepaar G. (Name von der Redaktion geändert) nach Unna gezogen. Das große Eigenheim mit Garten verkaufte das Paar, um in eine praktische Wohnung in einem seniorengerechten Neubau zu ziehen – ganz in der Nähe die Innenstadt mit allem, was der Mensch braucht. Doch wenige Wochen nach dem Umzug bereuen die Ex-Bergkamener ihren Schritt: Der Teil von Unna, in dem sie jetzt leben, sei unerträglich laut.

Der Teil von Unna ist der Abschnitt der Hertingerstraße zwischen der B1 und dem Verkehrsring. Dort ist tagein, tagaus viel motorisiertes Blech unterwegs. „Ab 4.30 Uhr geht es richtig los“, sagt Astrid G. Die Nächte sind kurz, wenn man so früh vom Krach der vorbeirauschenden Autos, Lkw und Busse geweckt wird.

Nach G.s bisherigen Erfahrungen begünstigt die Lage der Hertingerstraße das schnelle Fahren, auch schneller als die erlaubten 50 km/h. Die Straße ist schnurgerade und: „Aus der Innenstadt heraus geht es bergauf. Da wird noch mal richtig aufgedreht, auch nachts.“ Noch nicht einmal an Sonntagen sei es viel ruhiger.

Frühstück auf dem Balkon undenkbar

Erheblich ruhiger hingegen war es bis vor ein paar Wochen: Die Hertingerstraße war wegen Kanalbaumaßnahmen komplett gesperrt. „Dadurch waren wir verwöhnt“, sagt die 64-Jährige. Doch längst haben die Bagger den Autos wieder die Straße überlassen. G. berichtet, sie habe die Verkehrsproblematik im Vorfeld erheblich unterschätzt. Ihr Balkon ist innenliegend und habe dadurch einen geschützten Eindruck gemacht. „Das ist aber nicht so“, sagt G. Ein gemütliches Frühstück an der frischen Luft sei undenkbar. „Es ist einfach nur laut, laut, laut.“

Auf diesem Balkon würden die neuen Bewohner gern frühstücken oder andere gemütliche Stunden verbringen. Der Verkehrslärm aber macht das unmöglich.
Auf diesem Balkon würden die neuen Bewohner gern frühstücken oder andere gemütliche Stunden verbringen. Der Verkehrslärm aber macht das unmöglich. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die G.s haben die neue Wohnung bisher nur gemietet. Bis Weihnachten wollen sie ihrer neuen Heimat nun Zeit geben. Die Hoffnung, dass sich die Lage irgendwie beruhigt, wollen die beiden noch nicht aufgeben. Das Ehepaar G. hat tatsächlich sogar gute Chancen, dass sich etwas tut zu ihren Gunsten.

Zwei Projekte sind für die Hertingerstraße in Planung. Das eine ist eine mögliche Einbahnstraße. Wie berichtet lässt die Stadt Unna prüfen, wie sich Verkehr verlagert. Auf Veranlassung des Technischen Beigeordneten Jens Toschläger hatte es Verkehrszählungen gegeben zur Zeit der baustellenbedingten Vollsperrung.

Stadt sucht Lösung: Einbahnstraße?

Auf welche Straßen verlagert sich der Verkehr und in welchem Umfang? Die Zählung soll auf diese Fragen eine Antwort liefern. Um die Daten mit dem Ist-Zustand vergleichen zu können, wird jetzt wieder der Verkehr gezählt. In der Phase dieser zweiten Zählung sei man gerade, berichtete Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Wann und wo genau Zählstellen sind, verrät die Stadt wie in Phase 1 nicht. In einer der nächsten Sitzungen des zuständigen Fachausschusses sollen Ergebnisse vorgestellt werden und die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind.

Straßenlärm: Grenzwert überschritten

Die zweite Chance ist die Lärmaktionsplanung der Stadt Unna. Im Rahmen dieses mehrstufigen Projekts wurden die Verkehrs- und Lärmbelastung auf bestimmten, stark befahrenen Straßenzügen im Stadtgebiet ermittelt. Die Hertingerstraße stand dabei zunächst nicht zur Debatte, inzwischen aber schon: Ausschlaggebend dafür ist eine Belastungsgrenze, die nach jüngster Zählung überschritten wird: mehr als 8200 Kraftfahrzeuge am Tag.

Der Lösungsvorschlag des städtischen Lärmgutachters ist die Einführung von Tempo 30 zwischen dem Südring und der B1. Der Stadtrat hatte die aktuelle, dritte Stufe des Lärmaktionsplans kurz vor der Sommerpause beschlossen.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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