Ohne Krankenhausfusion könnten Patienten in Unna verlieren

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Mit ihrer Fusion wappnen sich die Unnaer Krankenhäuser auch für neue gesetzliche Anforderungen. Mit dem Ziel, Qualität zu verbessern, bringen Staat und Krankenkassen Kliniken auch in Schwierigkeiten – es sei denn, sie sind groß.

Unna

, 09.11.2018, 18:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Nachricht vom geplanten Zusammenschluss des Katharinen-Hospitals und des Evangelischen Krankenhauses hat die meisten Menschen am Donnerstag überrascht. Die Reaktionen aber sind bisher überwiegend positiv. In beiden Krankenhäusern wurden die Mitarbeiter am Donnerstagmittag informiert. Wohlwollendes Kopfnicken, sogar Applaus sind Signale, die die Geschäftsführer und die Vorsitzenden der Aufsichtsräte während der Versammlungen erhielten. Natürlich, Skepsis gibt es auch. Die Krankenhausleitungen sprachen Arbeitsplatzgarantien aus, aber nachdem EK und KK 160 beziehungsweise 130 Jahre lang eigenständig waren, sind die vorgesehenen Umstrukturierungen von historischem Ausmaß. Ein mulmiges Gefühl ist Mitarbeitern da sicher nicht zu verdenken. Doch wer sich mit Details der Hintergründe auseinandersetzt, kommt zu dem Schluss: Diesen Zusammenschluss nicht anzugehen, wäre wohl ein gefährlicher Fehler.

Mindestmengen sollen Qualität sichern

Das neue Unnaer Krankenhaus mit fast 2000 Mitarbeitern und über 660 Betten, das durch den Zusammenschluss zum 1. Januar 2020 geplant ist, soll in die Lage kommen, das Leistungsspektrum am Standort Unna noch weiter auszubauen. Der Gesundheitsstandort Unna soll aber auch nichts an Leistungen verlieren. Mindestmengen sind ein wichtiges Stichwort bei den Überlegungen, die die Verantwortlichen der beiden Häuser zusammenführen. Für bestimmte Fachabteilungen sind Mindestzahlen für einzelne Operationen vorgeschrieben durch den GBA.

Stichwort: GBA

Oberstes Beschlussgremium der Leistungserstattung

Verantwortlich für das Festlegen von Mindestmengen ist der Gemeinsame Bundeausschuss (GBA). Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertretern der Krankenversicherungen und der Ärzteschaft. Der GBA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen. Er legt im Wesentlichen fest, welche medizinischen Leistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden.

Eine Orthopädie beispielsweise muss mindestens 50 Mal im Jahr Patienten ein neues Kniegelenk „einbauen“. Der Hintergedanke: Ein Arzt, der eine komplizierte OP oft durchführt, der macht das besonders gut. Die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten optimal versorgt werden und dass wenig Fehler passieren, steigt also mit der Häufigkeit. Unterschreitet eine Klinik aber diese Zahl, dann bekommt sie Operationen dieser Art nicht mehr bezahlt. Die Krankenkassen seien da „knallhart“, sagt Dr. Dietmar Herberhold, Stiftungsvorstand des Evangelischen Krankenhauses. Eine kleinere Klinik läuft also Gefahr, an der Mindestmenge zu scheitern und Leistungen nicht mehr anbieten zu können. Verlierer wären vor allem die Patienten, die sich anderswo nach einem größeren Krankenhaus umsehen müssten.

Künftig Kräfte bündeln

Kniegelenk-Mindestmengen sind für das Evangelische Krankenhaus bisher kein Problem, auch künftig dürfte es keine Schwierigkeiten geben. 2017 wurden im EK 178 Knie durch Prothesen ersetzt – drei Mal mehr als das geforderte Minimum. Beide Unnaer Krankenhäuser schaffen derzeit die für sie relevanten Mindestmengen. Für die Zukunft aber zeichnen sich Schwierigkeiten ab. So gehen die Krankenhäuser davon aus, dass es demnächst weitere Fachgebiete gibt, in denen Mindestmengen zum Tragen kommen, beispielsweise bei Darmkrebs- oder Schilddrüsen-OPs. Die Chirurgie-Abteilungen beider Unnaer Krankenhäuser könnten Gefahr laufen, hier Mindestmengen nicht zu schaffen. „Deswegen ist es vernünftig, nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern unsere Kräfte zu bündeln“, sagt KK-Geschäftsführer Christian Larisch.

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Positive Reaktionen aus der Politik

Die bisherigen Reaktionen auf den angekündigten Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser fallen einheitlich aus. Der Massener Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke (SPD) begrüßt die geplante Fusion. „Das ist eine Top-Entscheidung für Unna“, so Ganzke. Der Gesundheitsstandort Unna werde dadurch gestärkt. „Das ist aus meiner Sicht auch ein gutes Zeichen gegenüber Lünen, die ja ein starker Gesundheitsstandort sind.“ Die Tatsache, dass die beiden Häuser über unterschiedliche Schwerpunkte verfügen, sei mit Blick auf die von der Landesregierung geplante Stärkung der Qualität einzelner Krankenhäuser ein klarer Vorteil in der künftigen Krankenhauslandschaft, meint Ganzke.

„Das ist eine Top-Entscheidung für Unna“
Hartmut Ganzke, SPD-Landtagsabgeordneter aus Massen

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im NRW-Landtag, Susanne Schneider aus Schwerte, zeigt sich angetan von den Plänen eines Zusammenschlusses: „Diesen Schritt finde ich sehr, sehr gut, weil er den aktuellen Entwicklungen der Gesundheitspolitik Rechnung trägt. Es ist zunehmend gewollt, dass Krankenhäuser sich spezialisieren und zusammenarbeiten.“ Von dieser Fusion könne die Stadt Unna nur profitieren, meint Schneider.

Der „Erste Bürger“ dieser Stadt sieht es ähnlich. Bürgermeister Werner Kolter ist als Mitglied im EK-Stiftungsrat in die Überlegungen eingeweiht. Die Gespräche, die geführt werden, seien „wichtig und richtig“ und sie erfolgten jetzt zum richtigen Zeitpunkt, so Kolter. Es sei notwendig, dass diese Gespräche geführt werden, nicht nur für die Krankenhäuser, sondern auch für die damit zusammenhängen, umliegenden Einrichtungen.

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