Mit Rezept: Wieso sich in Unna die Brombeer-Ernte besonders lohnt

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Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, kann dieser Tage überall Brombeeren entdecken. Am Mittwoch luden die Grünen zum Pflücken und Verarbeiten der schmackhaften Stadtfrüchte ein.

von Sebastian Pähler

Unna

, 08.08.2019, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Idee zu der Aktion entstand 2013. „Die Tafel bekam einen Zentner Gelierzucker geschenkt“, erinnerte sich Hermann Strahl. Gelierzucker allein macht natürlich wenig Sinn, aber auch damals war die Stadt voll mit Früchten, die größtenteils verkamen, da sie niemand pflückte. Strahl fiel auf, dass man hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte und stieß die Sammelaktion der Grünen an, die seither unregelmäßig auch in Zusammenarbeit mit Tafeln oder der Geflüchteten-Hilfe wiederholt wird.

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Am Mittwoch trafen sich einige Interessierte am „SpontUn“ in der Wasserstraße, um von dort aus mit dem Rad zu besonders lohnenden Sammelorten zu fahren und die dort geernteten Früchte später auch zu verarbeiten. So wurde am Güterbahnhof und am Schrottplatz an der Morgenstraße nach Brombeeren gesucht.

Mit Rezept: Wieso sich in Unna die Brombeer-Ernte besonders lohnt

Brombeerarten gelten als schwer zu unterscheiden. Für Dr. Götz Heinrich Loos war das ein Ansporn, sich in seiner Karriere als Botaniker mit der Brombeere auseinanderzusetzen. Hier zeigt er den Unterschied zwischen Armenischer- und Kräftiger Brombeere, die beide am Güterbahnhof wachsen. © Sebastian Pähler


Rezepttipp

Brombeer-Marmelade

  • Zutaten: 1 kg Brombeeren, 500 g Gelierzucker und eine halbe bis eine ganze Zitrone
  • Zubereitung: Gläser und Deckel heiß abspülen und umgedreht auf einem Küchentuch abtropfen lassen. Die Brombeeren sanft in einem Küchensieb wasserwaschen und abtropfen lassen. Eine Zitronenhälfte auspressen.
  • Brombeeren, Zucker, Zitronensaft in Kochtopf geben und die Masse mit Kartoffelstampfer oder ähnlichem leicht zerdrücken. Unter ständigem Rühren auf großer Hitze zum Kochen bringen, bis Andickschaum hochbrodelt. Dann die Hitze kleinschalten und noch fünf Minuten brodeln lassen.
  • Topf vom Herd nehmen und Marmelade sofort heiß in die vorbereiteten Gläser randvoll füllen. Sollte ein Rest überbleiben, ihn auf Tellerchen verteilen und mit Vanilleeis/Vanillepudding/Schlagsahne verspeisen.
  • Die Gläser fest verschließen und ca. 30 Minuten auf den Kopf stehen lassen. Dann Gläser, Töpfe und Arbeitsflächen schnell mit Wasser säubern, denn: Je länger man wartet, desto klebriger wird die Masse.

Am Güterbahnhof trafen die Teilnehmer auf Dr. Götz Heinrich Loos, der einiges Wissenswerte über die Brombeere zu berichten wusste. Schließlich ist der Botaniker einer der führenden Brombeerexperten. Eine Unterart trägt sogar seinen Namen.

Eine der Besonderheiten der Brombeere ist etwa, dass sie sich vornehmlich ohne Bestäubung fortpflanzt. Der Ursprung für dies „Agamospermie“ genannte Vermehrung ohne Sex liegt in der Eiszeit. Als es weniger Insekten gab, entwickelten einige Pflanzen diese Überlebensstrategie. Dennoch braucht die Brombeere einen „Bestäuber“ etwa eine Biene, deren Besuch der Blüte aber nur eine Reaktion auslöst, die zum Bilden einer Frucht führt. Da es aber nur selten zu einer sexuellen Vermehrung kommt, verändern sich Brombeeren kaum, da die Nachkommen im Grunde Zwillinge der Mutterpflanze sind.

Gleichzeitig kann sich die Brombeere aber auch über ihre Ranken und auch über ihre Wurzeln vermehren, weswegen sie so weit verbreitet ist. Für manchen Gartenfreund kann es deswegen sogar schwierig werden, die Brombeere wieder los zu werden. Am schmackhaftesten ist im Übrigen die „Armenische Brombeere“, die zusammen mit der „Kräftigen Brombeere“ in Unna am verbreitetsten ist.

Mit Rezept: Wieso sich in Unna die Brombeer-Ernte besonders lohnt

Mindestens ein Handschuh ist Pflicht beim Brombeerpflücken. Um noch besser den Stacheln auszuweichen und an die schwer erreichbaren Beeren zu gelangen, nutzt Hermann Strahl eine kleine Harke. © Sebastian Pähler

Pflücken erwünscht!

Das Pflücken von Beeren im öffentlichen Raum, wie etwa am Güterbahnhof, ist problemlos möglich. Hier gilt die „Handstraußregel“. Sie besagt, dass Pflanzen an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnommen werden dürfen.

Auch in Sachen Krankheitserreger fährt man mit der Brombeere gut, denn sie hat unter anderem eine dickere Schale als Himbeeren und daher eine geringere Parasitenbelastung. Feinstäube, etwa aus Schornsteinen oder Auspuffen lassen sich gut abwaschen und Schadstoffe aus dem Boden finden sich bei Beeren nur in marginalen Mengen, erläuterte Dr. Loos.

Der Fuchsbandwurm, der in ländlichen Gebieten häufig über wild wachsende Pflanzen verbreitet wird, sei in Unna, so Loos, kein Problem. Wer sicher gehen möchte, kann die Früchte in Bodennähe meiden oder noch besser nur gekocht, etwa als Marmelade oder in Backwaren, verwenden.

Mit Rezept: Wieso sich in Unna die Brombeer-Ernte besonders lohnt

Gemeinsam geht das Einkochen der Brombeeren nicht nur schneller, es macht auch mehr Spaß. © Sebastian Pähler

Erfolgreiche Sammlung

2019 ist ein relativ gutes Jahr für Brombeeren. Da es während der Blütezeit trocken war, gibt es ziemlich viele Beeren. Da aber auch während der Bildung der Früchte die Feuchtigkeit ausblieb, sind diese relativ klein, aber aromatisch.

Bei der Sammelaktion am Samstag kamen fast neun Kilogramm zusammen, die im Anschluss im „SpontUn“ etwa zu Marmelade weiterverarbeitet wurden. Eine Karte mit gesammelten Sammelorten soll demnächst am „SpontUn“ ausgehangen werden und Rezepte für Brombeerfans finden sich auf der Internetseite der Grünen in Unna: www.gruene-unna.de

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