NSU-Opfer-Anwalt appeliert an Unnaer Schüler

dzMehmet Daimagüler

Ein brennendes Plädoyer für den Rechtsstaat, Demokratie und den persönlichen Einsatz dafür hielt am Freitag der Opferanwalt Mehmet Daimagüler vor Schülern der „Schulen ohne Rassismus“ im Atelier der Lindenbrauerei.

von Sebastian Pähler

Unna

, 05.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Beim NSU-Prozess vertrat Mehmet Daimagüler die Angehörigen zweier Opfer der Rechtsterroristen und arbeitete in seinem Vortrag „Empören reicht nicht“ die Ereignisse rund um die Terrorgruppe, die Ermittlungen und den Prozess auf.

Mit erschreckenden Details über die Morde an Abdurrahim Özüdogru 2001 und Ismail Yasar 2005 leitete er dabei die Veranstaltung ein. Dies tat er nicht, um zu schockieren. „Im Laufe des Verfahrens kann man feststellen, dass die Opfer ihre Namen, ihre Gesichter ihre Persönlichkeit verloren haben und zu Fällen mutiert sind“, erklärte er. Es sei daher wichtig, so Daimagüler, nicht zu vergessen, dass es Menschen waren, die gelebt haben und geliebt wurden.

Trotz aller Kritik an dem Prozess und den ihn begleitenden Umständen würde er selbst nicht alles negativ sehen. „Das Verfahren hat vieles geleistet, einiges nicht.“ So sei er, auch wenn manches Strafmaß ihm zu niedrig und eines ihm sogar zu hoch erscheine, generell mit den Verurteilungen einverstanden. Jedoch sei es eine Aufgabe „dass der Staat den Rechtsfrieden und den gesellschaftlichen Frieden wiederherstellt“. Davon könne angesichts der unklaren Rolle der Verfassungsschutzbehörden nicht die Rede sei.

„Der Rechtsstaat ist zu wichtig, um ihn allein den Juristen zu überlassen, die Demokratie ist zu wichtig, um sie allein den Politikern zu überlassen“
Mehmet Daimagüler

Erschüttert folgten die rund 60 Zuhörer, zumeist Oberstufenschüler, seinen Ausführungen über das V-Mann-Systems des Verfassungsschutzes, das seiner Meinung nach das Entstehen einer rechtsradikalen Szene in der nun bekannten Größenordnung und die Bildung des NSU möglich gemacht und gefördert habe. Die Bürger müssten sich daher rühren, um eine strengere Überwachung der Geheimdienste zu fordern. „Der Rechtsstaat ist zu wichtig, um ihn allein den Juristen zu überlassen, die Demokratie ist zu wichtig, um sie allein den Politikern zu überlassen“, erklärte Daimagüler. So wichtig Wahlen seien, die Zeit dazwischen zu nutzen, um sich in den demokratischen Prozess einzubringen, sei noch viel wichtiger. Für sein Plädoyer erntete er schließlich reichlich Beifall.

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