Im Kreis Unna gibt es den ersten bestätigten Fall einer Erkrankung mit dem Coronavirus. Die Behörden versuchen jetzt, herauszufinden, wie es in den Kreis Unna kam. Gesichert scheint nur: Heinsberg spielt keine Rolle.

Unna

, 02.03.2020, 14:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Epidemie hat den Kreis Unna erreicht. In Unna gibt es den ersten bestätigten Fall einer Erkrankung mit dem Coronavirus. Es handelt sich um eine 61-jährige Frau aus Massen. Sie wurde seit Sonntagabend in einem Dortmunder Krankenhaus behandelt und ist am Montagnachmittag in häusliche Quarantäne in Unna entlassen worden. Vier weitere Personen, die Kontakt zu ihr hatten, sind unter Quarantäne gestellt; darunter auch der Hausarzt der Frau, dessen Praxis nun vorsorglich geschlossen ist.

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Der Kreis Unna informierte am Montagmittag über den ersten bestätigten Fall im Kreisgebiet. Demnach ist die Frau am Donnerstag mit leichten Symptomen einer Grippe zunächst zu ihrem Hausarzt gegangen. Der hatte allerdings keinen Anlass, an den Coronavirus zu denken: Die 61-Jährige war zuvor weder in einer Risikoregion wie etwa im Kreis Heinsberg, noch hatte sie wissentlich Kontakt zu irgendjemandem, der dort gewesen sein könnte.

Erst beim Hausarzt, dann im Katharinen-Hospital

Noch am selben Abend suchte die 61-Jährige dann die hausärztliche Notdienstpraxis im Katharinen-Hospital auf, wo man sicherheitshalber einen Abstrich durchführte. Das Laborergebnis lag erst am Sonntagabend vor – weil die Patientin aus medizinischer Sicht am Donnerstagabend noch „sehr unauffällig“ gewesen sei, habe man sie nach der Untersuchung wieder nach Hause geschickt; mit zwei Gesichtsmasken vom Krankenhaus, wie der kaufmännische Direktor des Katharinen-Hospitals, Thorsten Roy, am Montag berichtete. Als am Sonntagabend dann Gewissheit herrschte, der Test auf das Virus SARS-CoV-2 positiv ausgefallen war, kam die behördliche Maschinerie ins Rollen.

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Zustand der Frau bis Sonntagabend massiv verschlechtert

Amtsarzt Dr. Roland Staudt suchte die Frau noch am Sonntagabend zu Hause auf. Ihr Zustand hatte sich bis dahin offenbar massiv verschlechtert, weshalb sie noch in der Nacht zur Behandlung ins Klinikum Nord nach Dortmund gebracht wurde.

Oberste Priorität hatten dann die unmittelbaren Kontaktpersonen: Der Ehemann der Erkrankten und dessen 90-jährige Mutter, die im selben Haus lebt, wie auch der Hausarzt und die diensthabende Ärztin der hausärztlichen Notfallpraxis – sie alle wurden als Verdachtsfälle unter häusliche Quarantäne gestellt.

Bis Montagmittag zeigte den Angaben der Kreisverwaltung zufolge allerdings keiner von ihnen Symptome. Vorsorglich wurden gleichwohl alle auf das Coronavirus getestet, mit den Ergebnissen rechnet der Kreis Unna bis spätestens Mittwoch.

Hausarztpraxis vorsorglich bis zum 11. März geschlossen

Noch ist also unklar, ob sich jemand bei der Frau angesteckt hat – und wenn ja, wer. Trotzdem sind alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.

Die Hausarztpraxis, in der die durch den Coronavirus erkrankte Frau am Donnerstag gewesen ist, ist vorsorglich bis zum 11. März geschlossen. Der Arzt informiert per Aushang und Bandansage.

Die Hausarztpraxis, in der die durch den Coronavirus erkrankte Frau am Donnerstag gewesen ist, ist vorsorglich bis zum 11. März geschlossen. Der Arzt informiert per Aushang und Bandansage. © Michael Neumann

Der betroffene Hausarzt etwa hat seine Praxis vorsorglich bis zum 11. März geschlossen, informiert per Aushang und Bandansage über die vorübergehende, krankheitsbedingte Schließung. Außerdem hat er der Kreisverwaltung bereits eine Liste mit allen Patienten zur Verfügung gestellt, die seit Donnerstag entweder in seiner Praxis waren oder die er Zuhause besucht hat.

Fällt der Test auf das Coronavirus bei dem Arzt oder einer seiner Mitarbeiterinnen positiv aus, wird man all diese Patienten testen müssen – bis dahin aber ist die Kreisverwaltung darum bemüht, keine Panik zu verbreiten. Niemand müsse sich Sorgen machen, hieß es am Montag gebetsmühlenartig auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Frau steckte sich möglicherweise bei ihrem Enkelkind an

Offen war da noch, wo die 61-jährige Frau sich selbst infiziert hat. Nur so viel galt gesichert: Heinsberg spielt offenbar keine Rolle. Ein Ansatzpunkt war ein Enkelkind der Frau, das offenbar noch vor ihr grippeähnliche Symptome hatte. Diese Familie lebt in Dortmund. Weil der Zustand des Kindes sich aber verbessert hatte, sahen die Eltern offenbar keinen Anlass zur Sorge – und sind zum geplanten Winterurlaub nach Österreich aufgebrochen.

Familie am Urlaubsort in Österreich unter Quarantäne gestellt

Noch am Montagmorgen hat der Kreis Unna über Land und Bund den Kontakt zu den österreichischen Behörden gesucht. Die Familie wurde am Urlaubsort vorsorglich unter Quarantäne gestellt, sollte kurzfristig auf eine mögliche Erkrankung mit dem Coronavirus getestet werden. Wann mit den Ergebnissen zu rechnen ist, blieb zunächst offen.

Der Fall könnte insofern an Brisanz zunehmen, weil das Kind vor dem Skiurlaub noch bei einer Tagesmutter in Dortmund war – ob und welche Maßnahmen die Behörden der Stadt Dortmund schon infolge des bloßen Verdachts ergriffen haben, blieb am Montag zunächst offen.

Krankenhäuser im Kreis Unna zur Konferenz einberufen

Der Kreis Unna hat unterdessen den Krisenstab aktiviert – als „rein vorsorgliche Maßnahme“, wie der zuständige Dezernent Uwe Hasche mehrfach betonte. Man wolle vorbereitet sein für den Fall, dass das Virus um sich greife. Vor diesem Hintergrund sollte am Montagnachmittag auch eine Konferenz unter Einbeziehung aller Krankenhäuser im Kreis Unna stattfinden: Weil die hausärztlichen Kapazitäten zur Entnahme von Proben offenbar nicht mehr ausreichten, wollte man über möglichst zentrale Anlaufstellen beraten.

„Nicht ohne vorherige Anmeldung ins Krankenhaus oder zum Hausarzt marschieren.“
Uwe Hasche, Dezernent des Kreises Unna

Landrat Michael Makiolla betonte mehrfach: „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Auch vor dem Hintergrund des ersten bestätigten Falls im Kreisgebiet gebe es aus Sicht der Kreisverwaltung keinen Anlass, Einrichtungen zu schließen oder größere Veranstaltungen abzusagen oder gar zu untersagen. „Ich meine, die Menschen sollten nach wie vor gelassen mit der Situation umgehen – gelassen, aber nicht leichtfertig.“

Und das bedeutet vor allem, auf eine sorgfältige und regelmäßige Handhygiene zu achten. „Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen“, formulierte es Thorsten Roy. Und Dezernent Uwe Hasche ergänzte den „eindringlichen Appell an alle, die glauben, dass sie etwas haben könnten: Nicht ohne vorherige Anmeldung ins Krankenhaus oder zum Hausarzt marschieren, sondern vorab telefonisch die Symptome schildern.“

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