Neuntklässler kehren für Zeugnisübergabe ins alte Schulgebäude zurück

Abschied von der Anne-Frank-Realschule

Es war ein Abschied für immer: Als die Neuntklässler der Anne-Frank-Realschule am Freitag in die Sommerferien gingen, hatte so mancher eine Träne im Auge. Ihr Zeugnis hatten sie in der Schule bekommen, die in Kürze abgerissen wird.

Königsborn

von Stephanie Tatenhorst

, 13.07.2018, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neuntklässler kehren für Zeugnisübergabe ins alte Schulgebäude zurück

© STEPHANIE TATENHORST

Ja, es war nicht mehr die schönste Schule, Vieles war im Laufe der Jahre herruntergekommen, und doch war es „ihre“ Schule. Deshalb hatten die Neuntklässler der Anne-Frank-Realschule auf die Frage ihrer Lehrer, wo sie ihre Zeugnisse erhalten wollten, mit großer Mehrheit für die Schule an der Döbelner Straße gestimmt. „Wir wollten einen letzten Abschied“, erklärt Lilli Paap.

In der vergangenen Woche hatten die Neuntklässler bereits das Leben am neuen Schulort, der Hellweg-Realschule in Massen, kennengelernt. Für die meisten ein deutlicher Unterschied: „Hier hatten wir in den letzten Wochen einen Kicker“, sagt Lilli Paap lachend. Ein Mitschüler wird die Nähe zur Imbissbude „Hemminghaus“ vermissen, und der neue Schulweg ist ungewohnt. So mancher kam zu spät, weil er die Zeit fürs Radfahren falsch einschätzte. „Der Weg hierher war nicht so weit“, sagt Noah Gerlach im einstigen Lehrerzimmer der Anne-Frank-Realschule. Hier sitzen die 50 Schüler und zehn verbliebenen Lehrer bei einem gemeinsamen Frühstück zusammen, bevor es die Zeugnisse gibt. Eigentlich sollte das Frühstück in der Pausenhalle stattfinden, doch die war mit den Abrisscontainern vor der Tür dann doch zu ungemütlich. Mit den 60 verbliebenen, tapfer vor den Möbelpackern verteidigten Stühlen und ein paar Tischen saß man daher im Lehrerzimmer zusammen. Ein fröhliches Frühstück am letzten Schultag vor den großen Ferien stellt man sich aber eindeutig anders vor. Im Lehrerzimmer herrschte eine gewisse Wehmut.

„Es ist schon komisch, dass da drüben so viele Leute sind“, sagt Pascal Gaida. „Hier lief es wesentlich entspannter.“ Und vor allem ruhiger. „Die Lautstärke in Massen ist schon enorm“, sagt Kimberly Kirsch. So viele andere junge und auch jüngere Leute um sich herum zu haben, das sind die Anne-Frank-Realschüler, die mit jedem Abschlussjahrgang weniger wurden, einfach nicht gewohnt. Andere finden aber genau das richtig gut: „Es war hier schon manchmal richtig langweilig“, sagt so manche.

Unterm Strich fühlen sich die Anne-Frank-Realschüler aber nun entwurzelt. „Die Schule hat uns zusammengebracht, Freundschaften sind hier entstanden“, sagt Dicle Arslan. „Ob ich traurig bin: ja und nein. Die Schule wird abgerissen. Ich werde nicht mehr hierherkommen können. Sie ist dann einfach weg.“ Und zu dieser Trauer standen nicht nur die Mädchen, sondern auch viele Jungen – und vor allem die Lehrer.

„Es ist Freitag, der 13. Das Datum passt irgendwie zu diesem Tag“, sagte Ludgera Güneysu, die am Freitag gemeinsam mit ihren Kollegen Elke Neumann und Bernhard Gutowski in den Ruhestand verabschiedet wurde. Das Gebäude, so gaben die Lehrer unisono zu, würden sie nicht vermissen. „Aber die Kollegen schon sehr.“ Denn nicht alle werden nach Massen gehen. Das Kollegium hat sich schon in den zurückliegenden Jahren zerstreut. Lediglich am ersten Donnerstag im Monat wird man sich weiterhin zum Stammtisch treffen. Über die Jahre hätte man sich fast schon daran gewöhnt, dass es immer mehr bröckelte und Kollegen die Schule verließen. „Aber irgendwie kommt es dann jetzt plötzlich.“

In den vergangenen Tagen kamen viele Ehemalige, die nochmals durch die Schulflure gingen und Fotos zur Erinnerung von ihrer Schule machten. „Allen fehlt ja jetzt der Ankerpunkt“, wissen die Lehrer. Ein einfaches Vorbeikommen der Ehemaligen sei nicht mehr möglich.

Wenn es am vergangenen Freitag jedoch einen Grund zu Freude gab, dann war es der, dass der Verbleib des Anne-Frank-Gedenksteins geklärt ist: Er wird Unna zwar verlassen, aber an der Anne-Frank-Realschule in Ahaus einen neuen Platz finden.

Ein letztes Foto im Innenhof, bevor das Schulgebäude abgerissen wird.
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