„Unna braucht Eis“ greift die Stadtverwaltung und Politik scharf an

dzEissporthalle Unna

Wenige Tage, bevor die Stadtverwaltung das Gutachten zu den Sanierungskosten der Eissporthalle vorstellt, greift der Verein „Unna braucht Eis“ die Stadtverwaltung und die Politik scharf an.

Unna

, 09.11.2018, 14:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einer Pressemitteilung, die „Unna braucht Eis“ am Freitagnachmittag veröffentlichte, sprechen die Mitglieder davon, dass sie „bereits vom ersten Tag unseres Einsatzes für die Eissporthalle den Eindruck haben, dass die Eissporthalle um jeden Preis weichen soll und Möglichkeiten zu ihrem Erhalt nicht gedacht werden wollen.“

Der Unnaer Politik fehle es seit vielen Jahren in Sachen Sport, Freizeit und Jugend an Verständnis für die Belange der Bürger, an innovativen Konzepte und an Gestaltungskraft, so der weitere Vorwurf. Von dem nun fertiggestellten Kostengutachten, das dem Verein Anfang der Woche vorgestellt werden soll, erhoffen sich die Vereinsmitglieder nicht viel. Man gehe von einem „millionenschweren Sanierungskonzept“ aus, das „einzig und allein“ den Sinn und Zweck haben werde, eine Sanierung der Eishalle politisch unmöglich erscheinen zu lassen.

Verbalattacke auf Kolter

Bürgermeister Werner Kolter habe den Aktivisten von „Unna braucht Eis e. V.“ bei einem Gespräch im Oktober sogar offen damit gedroht, das Konzept der Initiative zu torpedieren. So formuliert es der Verein in seiner Mitteilung. Und weiter: „Sinngemäß sagte Herr Kolter, er werde vom Rat der Stadt Unna den Auftrag erhalten, das Konzept von Unna braucht Eis zu zerpflücken. Und das werde er auch tun.“ Auf Anfrage unserer Redaktion weist Kolter diesen Vorwurf entschieden zurück. Dies sei in keinem Punkt seine Wortwahl.

Und: „In keinem Gespräch habe ich auch nur annähernd solche Gedanken formuliert.“

Die ihn betreffenden Äußerungen in der Mitteilung seien „aus der Luft gegriffen, ehrverletzend und nicht angemessen“. Sie entsprächen auch nicht der Grundhaltung der bisherigen Auseinandersetzung, so Kolter. Die Gespräche bisher seien zwar von kritischer Auseinandersetzung, aber auch von Fairness geprägt gewesen. Er fragt zudem: „Wenn ich mich so geäußert haben sollte, warum hat man mich nicht sofort damit konfrontiert?“

Konstruktive Zusammenarbeit und der Wille, nach Möglichkeiten zur Rettung der Eishalle zu suchen, sehen anders aus.
Unna braucht Eis über die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung

Ein Architektenbüro hatte im Auftrag der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) im Juli damit begonnen, die kurz-, mittel- und langfristigen Sanierungsnotwendigkeiten aller technischen und baulichen Anlagen der Eissporthalle zu ermitteln.

Dieses Kostengutachten ist für den Verein „Unna braucht Eis“ von entscheidender Bedeutung für das Bürgerbegehren, das er Ende Juli angemeldet hatte. Die Kostenschätzung, welche Investitionen in die technischen und baulichen Anlagen der Halle notwendig sind, braucht der Verein, um die Unterschriftenlisten für das Bürgerbegehren anfertigen zu können. Auf den Unterschriftenlisten müssen die zu erwartenden Kosten genannt sein, die anfallen würden, wenn das Ziel des Bürgerbegehrens – der Erhalt der Eissporthalle – erreicht würde.

„Wir gehen stark davon aus, dass wir noch in diesem Jahr mit der Unterschriftensammlung beginnen werden“, sagt der Vorsitzende von „Unna braucht Eis“, Wilhelm Ruck, im Gespräch mit unserer Redaktion. Schließlich habe man bisher nur noch auf das Kostengutachten gewartet.

Kritik an Steuererhöhungen

In der Mitteilung vom Freitagnachmittag kritisiert der Verein auch aktuelle politische Diskussionen abseits der Eisshalle. So nehmen die Vereinsmitglieder Bezug auf die geplanten Steuererhöhungen und erinnern in diesem Kontext an eine Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Fröhlich, der in der Diskussion um den Abriss der Eishalle im Sommer zu bedenken gab, dass einen Erhalt der Halle alle Bürger Unnas über Steueranhebungen finanzieren müssten.

Auf einen Blick

Die Fakten zur Eissporthalle

  • In der Ratssitzung am 28. Juni wurde der Abriss der Eissporthalle beschlossen.
  • Dieser Beschluss ist jedoch für ein halbes Jahr ausgesetzt.
  • Der Verein „Unna braucht Eis“ arbeitet an einem alternativen Betreiberkonzept für die Halle und hat zudem ein Bürgerbegehren angemeldet, das den Ratsbeschluss kippen soll.

„Jetzt sind auch ohne den Erhalt der Eissporthalle Steuererhöhungen in signifikanter Höhe geplant. Ehrlichkeit und Bürgernähe sehen unserer Ansicht nach anders aus“, so der Verein.

Hier nehmen sie auch den Sexismus-Vorwurf gegenüber dem SPD-Vorsitzenden Volker König in den Blick. „Die Politik beschäftigt sich mit sich selbst und verliert den Bürger und dessen Sorgen und Bedürfnisse aus den Augen“, meint der Verein und nennt die Debatte um König als Beispiel.

„Unna braucht Eis“ greift die Stadtverwaltung und Politik scharf an

An der Kamener Straße soll eine neue städtische Unterkunft gebaut werden - nicht nur für Flüchtlinge. © Marcel Drawe

Den geplanten Bau einer städtischen Unterkunft an der Kamener Straße kritisiert der Verein ebenfalls. „Es werden Projekte vorangetrieben, die kaum jemanden in und um Unna vermittelbar sind“, so der Verein und äußert die Sorge, dass eine derartige Politik „Wasser auf den Mühlen der Menschen sei, die aktuell in Landesparlamente einziehen und bei denen zumindest Zweifel angebracht sind, ob sie die demokratischen Grundwerte unserer Gesellschaft uneingeschränkt tragen.“

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Spätestens Ende November will der verein sein Betreiberkonzept für die Eissporthalle vorlegen. Hier geht es zu Internetseite von "Unna braucht Eis"
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Anne-Katrin Wienecke

SPD-Ratsfrau legt Mandat nieder wegen Verhöhnung der Eis-Initiative vor Bürgerentscheid

Meistgelesen