Auf ihrer Wasserrechnung werden die Unnaer künftig den Namen eines neuen Anbieters finden. Die Kooperation von Gelsenwasser und Stadtwerken beginnt. Wir erklären, was sich für Verbraucher ändert.

Unna

, 12.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über 130 Jahren versorgt Gelsenwasser die Menschen in der Region mit Trinkwasser. Ab 2021 lesen die Unnaer auf ihrer Abrechnung den Namen des Anbieters „UnnaWasser & Mehr GmbH“. Dahinter steckt eine Kooperation zwischen dem bisherigen Wasserversorger Gelsenwasser und den Stadtwerken Unna, die bislang Strom, Gas und Fernwärme verkauft haben. Die wichtigsten Änderungen und Hintergründe gibt es hier im Überblick:

Warum arbeiten Gelsenwasser und Stadtwerke zusammen?

Die Belieferung mit Trinkwasser ist ein Geschäft, mit dem sich Geld verdienen lässt. Das Auslaufen des derzeitigen Konzessionsvertrages zwischen der Stadt Unna und Gelsenwasser zum Jahresende 2022 wäre eine grundsätzliche Gelegenheit gewesen, diese Leistung neu zu vergeben. Die Stadt hätte das Geschäft auch selbst übernehmen können. Aber: Sie verfügt über keine Expertise in diesem Bereich und müsste dem Netzeigentümer Gelsenwasser seine Anlagen in Unna abkaufen. Da schien es klüger, Gelsenwasser eine neue Art der Zusammenarbeit nahezulegen. Der kaufmännische Gewinn soll sich in Richtung Stadt verschieben: Dem Vernehmen nach rechnen die Stadtwerke mit Gewinnen in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrages.

Gelsenwasser betreibt in Unna ein seit 130 Jahren gewachsenes und immer wieder modernisiertes Trinkwassernetz. Allein diese Großbaustelle bei Billmerich lässt ahnen: Der Kauf dieses Netzes wäre für Unna eine gewaltige Herausforderung.

Gelsenwasser betreibt in Unna ein seit 130 Jahren gewachsenes und immer wieder modernisiertes Trinkwassernetz. Allein diese Großbaustelle bei Billmerich lässt ahnen: Der Kauf dieses Netzes wäre für Unna eine gewaltige Herausforderung. © UDO HENNES

Wer ist denn nun der neue Anbieter?

UnnaWasser & Mehr GmbH ist eine Gesellschaft, die Gelsenwasser und die Stadtwerke Unna gemeinsam gründen wollen. Im Grunde genommen ist sie aber nur eine Hülle, deren Betrieb von zwei Dienstleistern ausgeführt wird: Gelsenwasser übernimmt den technischen Teil, also den Betrieb des Wassernetzes. Die Stadtwerke Unna werden kaufmännische Dienstleister, übernehmen also Kundenkontakt und Abrechnungen. Nach einer Genehmigung des Kartellamtes kann die Gründung der Firma erfolgen.

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Brauche ich einen neuen Vertrag?

Einen neuen Vertrag nicht, denn die Belieferung mit Wasser erfolgt weiterhin durch Gelsenwasser. Da das Wassergeschäft anders als der Strom- und Gasmarkt noch nicht geöffnet worden ist, gibt es für die Unnaer keinen alternativen Anbieter. Aber: Da das Inkasso künftig nicht mehr von Gelsenwasser, sondern von den Stadtwerken betrieben wird, müssen die Unnaer auf ein anderes Konto überweisen beziehungsweise eine neue Lastschriftfreigabe erteilen. Details dazu sollen bald in einem Kundenrundbrief an die Verbraucher übermittelt werden.

An wen wende ich mich, wenn ich Fragen habe?

Die offiziellen Kontakte werden noch mit dem besagten Kundenrundschreiben übermittelt. Doch die Aufgabenteilung ist klar: Wer etwas mit seiner Rechnung zu klären hat, landet im Hause der Stadtwerke Unna, Tel. (02303) 20 01-0. Störungen beseitigen auch künftig die Gelsenwassertechniker der Betriebsdirektion Unna, Tel. (02303) 204-0.

Was bedeutet die Zusammenarbeit für den Wasserpreis?

Laut Stadtwerkechef Jürgen Schäpermeier gar nichts. Er verspricht, dass die Preisfindung künftig keine andere sein wird als in den Märkten, in denen Gelsenwasser noch direkt als Partner der Endverbraucher tätig ist. Aktuell kostet ein Kubikmeter Frischwasser in Unna 1,8083 Euro. Der monatliche Grundpreis für den Zähler beträgt 13,64 Euro.

Wird sich die Wasserqualität ändern?

Nein, denn technisch ändert sich rein gar nichts. In Hemmerde, Westhemmerde, Siddinghausen und Lünern speist Gelsenwasser das Netz mit Frischwasser aus den Werken in Echthausen und Halingen, im übrigen Stadtgebiet kommt das Halinger Wasser pur aus der Leitung. Trinkwasseranalysen finden Interessierte weiterhin auf der Internetseite von Gelsenwasser.

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Was habe ich von der Umstellung?

Der Gewinner in diesem Geschäft sind zunächst die Stadtwerke Unna. Sie sind der Hauptverdiener im Stadtkonzern WBU, finanzieren mit ihren Ausschüttungen auch Parkhäuser, das Hallenbad und irgendwann die Eissporthalle mit. Insofern ist jede Stärkung der Stadtwerke eine potenzielle Stärkung des Gemeinwohls.

Darüber hinaus denken die Stadtwerke darüber nach, ihren Endkunden Paketlösungen anzubieten, mit denen sie Wasser, Strom, Gas, in Teilen der Stadt auch Fernwärme und perspektivisch Telekommunikationsdienstleistungen zu attraktiven Konditionen als Kombination anbieten wollen. Allerdings sei man diesbezüglich noch in der Konzeptionsphase, bittet Stadtwerkechef Jürgen Schäpermeier um Geduld.

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