Auf der Friedrich-Ebert-Straße dürfen höchstens noch Polizei und Feuerwehr schneller fahren als mit 30 km/h. Das Tempolimit dient dem Lärmschutz. Bringt es mehr, als den Verkehr auszubremsen? Die Meinungen gehen auseinander. © Marcel Drawe
Verkehr

Neuer Antrag zu Straßenlärm in Unna: Wird Tempo 30 jetzt wieder gestoppt?

Auf ersten Straßen wurde aus Lärmschutzgründen das Tempo reduziert, weitere sollen folgen. Ein Unnaer wendet sich nun gegen diese Planung. Es gebe klügere Maßnahmen als Tempo 30.

Es dauert, aber die Stadt ist guter Dinge, ihre Lärmaktionsplanung weiter umzusetzen. Auf erste Straßenzüge, auf denen das Tempo auf 30 reduziert wurde, sollen weitere folgen. Ist das überhaupt sinnvoll? Diese Frage stellt ein Unnaer mit einem Antrag in den Raum, mit dem sich die Politik nun beschäftigt.

30 zu langsam? Stadt soll Tempolimits überprüfen

Christoph Liesen bittet darum, die Stadt möge alle Tempolimits in ihrer Verantwortung daraufhin überprüfen, ob sie „höher gesetzt“ werden können. Die Stadt solle alle Anlieger dazu befragen. Priorität müssten die für Tempo 30 vorgeschlagenen Abschnitte der Hansa-, Hertinger-, Kamener und vor allem Hammer Straße haben. Wie berichtet darf auf diesen Straßen noch mit Tempo 50 gefahren werden. Die Stadt Unna aber will „30“ anordnen und hatte zuletzt erklärt, diese Planung noch in diesem Jahr umsetzen zu wollen.

Hintergrund: Seit einigen Jahren betreibt die Stadt entsprechend einer EU-Vorgabe eine Lärmaktionsplanung. Ein Gutachter ermittelt Straßenabschnitte mit viel Verkehr und die Lärmbelastung dort. Er schlägt dann Maßnahmen zur Lärmreduzierung vor. Die Anordnung von Tempo 30 gilt demnach als effektiv.

„Maßnahmen aus dem letzten Jahrhundert“

Anliegende Unternehmen indes seien „auf zügigen Verkehr angewiesen“, schreibt nun Antragsteller Liesen. Seine Familie sei selbst mit Gewerbe an der Hammer Straße betroffen und sei zu der Planung nicht befragt worden. Im Jahr 2021 „mit Maßnahmen aus dem letzten Jahrhundert“ zu reagieren, sei unangemessen, so Liesen. Er verweist auf verschiedene technische Neuerungen, die zur Lärmreduzierung beitragen, zum Beispiel Flüsterasphalt oder Vierfachverglasung, auch modernere Fahrzeugtechnik mit leiseren Reifen, Antrieben, Getrieben, besserer Aerodynamik oder Assistenzsystemen.

Thema für die Politik

Sind flächendeckende Rund-um-die-Uhr-Maßnahmen wie Tempolimits sinnvoll oder müssten nicht vielmehr flexiblere Maßnahmen umgesetzt werden? Für eine flexible anstatt starrer Temposteuerung plädiere auch die Unfallforschung der Versicherer, so Liesen.

Tempo 30 hat in Unna Befürworter, aber auch Gegner, wie unsere Zeitung selbst schon mit Umfragen ermitteln konnte. Wie die Verantwortlichen im Rathaus mit dem aktuellen Antrag umgehen, wird sich ab diesem Donnerstag zeigen. Der Haupt- und Finanzausschuss bekommt das Schreiben auf den Tisch. Ob das Anliegen in einen Fachausschuss weiter verwiesen wird, zeigt sich in der Sitzung, die öffentlich abgehalten wird: Donnerstag, 16. September, ab 17 Uhr in der Stadthalle.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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