Neuer Anlauf für eine Umwidmung belasteter Straßennamen in Unna

dzGeschichte

Es war ein langer Weg, bis die Problematik der historisch belasteten Straßennamen in Unna mit Zusatzschildern aufgegriffen wurde. Nun hängen die Tafeln – doch es kommen neue Forderungen nach Umwidmungen auf.

Unna

, 02.06.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Diskussion über die Widmungen von Wagenfeld-, Lersch- und Sedanstraße in Unna den Stadtrat erreichte, war es Bürgermeister Werner Kolter, der eine unaufgeregte und gründliche Behandlung durch ein Fachgremium nach der Kommunalwahl anregte. Gemeint war damals die Kommunalwahl 2014, und es sollte lange dauern, bis sich in der Angelegenheit etwas für alle Sichtbares tat.

Heute heißen die Wagenfeld-, Lersch- und Sedanstraße immer noch Wagenfeld- Lersch- und Sedanstraße, aber es hängen Zusatztafeln an den Schildermasten, die die doch etwas unkritischen Widmungen der Stadt thematisieren.

Neuer Antrag auf Umwidmung im Rathaus

Kritische Stimmen beanstanden diese Lösung noch immer. Unserer Redaktion liegt eine Eingabe des früheren Geschichtslehrers Hans-Ulrich Knies vor, der der Stadt Unna auch im Vergleich zu einem Beispiel aus Kamen eine unzureichende Behandlung des Themas vorwirft. Zudem liegt im Rathaus der Stadt ein Antrag von Anwohnern der Wagenfeldstraße vor, die sich eine Umwidmung ihrer Straße wünschen.

Jetzt lesen

Knies empfindet zum einen die Formulierungen als zu schwach, mit denen sich Unna von den rechtsgerichteten Lyrikern Karl Wagenfeld und Heinrich Lersch sowie von der Kriegsverherrlichung im Sedanskult distanziert. Die Texte auf den Zusatztafeln der drei Straßen erläutern, was an den Widmungen aus heutiger Sicht Bedenken aufwirft, und schließen mit der Formulierung: „Zur mahnenden Erinnerung.“

In Kamen-Methler dagegen, wo es eine Straße zu Ehren des Chemikers Fritz Haber gibt, las Knies die Worte: „Dieses Kriegsverbrechen gilt heute als Beispiel für verantwortungslose Wissenschaft.“ Haber hat mit seiner Arbeit die Grundlage für die Herstellung von Sprengstoff und Giftgas gelegt.

Zusatztafeln sind schwer zu entziffern

Darüber hinaus macht Knies in Unna auch handwerkliche Ausführungsfehler aus: Die Schilder an Wagenfeld- und Sedanstraße seien so hoch gehängt, dass Menschen unter zwei Meter Körperlänge sie gar nicht lesen könnten.

Für einen künftigen Umgang regt Knies an, die beiden „Dichter-Straßen“ vielleicht wenigstens umzuwidmen, wenn sie schon nicht umbenannt werden sollten. So könnte die Wagenfeldstraße auch für den Bauhaus-Designer Wilhelm Wagenfeld stehen und die Lerschstraße für den Arzt Bernhard Maximilian Lersch.

Jetzt lesen

Nur bei der Sedanstraße in Massen gibt sich Knies unnachgiebig: Sie sollte auch in Massen umbenannt werden, so wie es in der Unnaer Oberstadt vor der kommunalen Neuordnung schon geschehen ist. Statt an die siegreiche Schlacht bei Sedan könnte sie zum mahnenden Gedenken an die beiderseits tragische Schlacht von Verdun erinnern.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Fleischindustrie
Unnas Schlachthof Jedowski spürt kaum Auswirkungen der Fleischindustrie-Krise