Neuer Anlauf für Stadtwerke ohne die RWE

dzBeteiligung

Der Streit um die Rodung des Hambacher Forsts könnte das Ansehen des RWE-Konzerns nachhaltig belastet haben. In Unna ertönt der Ruf nach einem Ende der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.

Unna

, 26.10.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

RWE ist 24-prozentiger Anteilseigner der Stadtwerke. Unnas Grüne halten dies für nicht mehr hinnehmbar – und fordern einen Rückkauf der Unternehmensbeteiligung durch die Stadt.

Die Grünen begründen dies mit unterschiedlichen Grundüberzeugungen in der Energiepolitik. Die Stadtwerke Unna halten sie für ein Vorzeigeunternehmen in Sachen Energiewende. RWE hingegen stehe weiterhin für die Stromerzeugung durch die klimaschädliche Verbrennung von Kohle, zudem auch für einen rücksichtslosen Braunkohleabbau.

Die Idee einer Trennung von RWE ist dabei gar nicht neu und galt in Unna sogar schon einmal als Mehrheitswille. Sie scheiterte jedoch an der Umsetzung. Die Beteiligung von RWE an den Stadtwerken war und ist zeitlich befristet, hätte zuletzt im Jahr 2011 auslaufen können. Und in den Jahren zuvor unternahm Unna Vorbereitungen, die Trennungsoption einzulösen.

Allerdings hätte Unna den großen Energiekonzern für seinen Unternehmensanteil abfinden müssen. Und um den Wert dieser Beteiligung entbrannte ein Streit: Unna ermittelte ihn anhand der Ertragskraft der Stadtwerke und wollte 15 Millionen Euro zahlen, RWE ging vom Zeitwerk des Sachvermögens aus und kam auf 27 Millionen Euro. Eine Klage erschien der Stadt trotz der Rückendeckung durch eigene Gutachter zu riskant. Zugleich lockte RWE mit einer „Treueprämie“ von 600.000 Euro für die Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Allerdings war es nicht nur das Risiko eines Preisaufschlages von zwölf Millionen Euro, das die Stadt vor einem möglichen RWE-Ausstieg einknicken ließ: Auch die zunächst erwarteten 15 Millionen Euro hätten Stadt beziehungsweise WBU nur durch Kredite finanzieren können. In den Jahren vor 2011 hatten die WBU Gewinnausschüttungen der Stadtwerke angespart, statt sie an die Stadt weiterzureichen. Diese Rücklagen sollten den Aufkauf der RWE-Anteile finanzieren, beliefen sich jedoch nur auf sechs Millionen Euro, die die Stadt schließlich einfach zum Stopfen von Löchern im Haushalt einsetzte.

Trotz der unklaren Machbarkeit sprechen die Bündnisgrünen heute davon, dass es seinerzeit ein Fehler war, mit RWE zusammenzubleiben. Bis Ende 2026 läuft der derzeitige Vertrag. Für die Zeit danach sollte sich die Stadt Alternativen überlegen, so die Bündnisgrünen.

Einen ausführlichen Hintergrundbericht zur Zusammenarbeit mit der RWE lesen Sie in unserer Digitalausgabe am Sonntag.
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