Neue Wege zu fairen Mieten in Unna

dzHilfe vom Kreis

Steigende Mieten lassen den Ruf nach fairen Richtwerten lauter werden. Auch Unna prüft, ob der örtliche Mietspiegel dafür noch ausreicht. Das Ergebnis könnte Mietern und Vermietern gleichermaßen dienen.

Unna

, 16.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer wirklich freien Marktwirtschaft entstehen Preise aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Für Mieter in Unna hätte das unangenehme Konsequenzen, ist der Wohnungsmarkt doch ausgesprochen angespannt. Weil aber „Wohnen“ auch ein sozialpolitisches Thema ist, hat der Staat für die Entwicklung der Mieten Regeln formuliert. Bei der Umsetzung wählen viele Kommunen neue Wege.

Der Blick fällt dabei auf die örtlichen Mietspiegel und vor allem auf die Methodik, mit der sie erstellt werden. Sieben der zehn Kommunen im Kreis Unna haben bereits ein Angebot der Kreisverwaltung angenommen, statt eines „einfachen“ künftig einen „qualifizierten“ Mietspiegel aufzustellen. Der Kreis würde das als Dienstleister der Kommunen erarbeiten.

Ein „qualifizierter“ Mietspiegel ist präziser – und gerichtsfest

Ein wesentlicher Vorteil ist schnell erklärt: Der qualifizierte Mietspiegel wird nach wissenschaftlichen Grundsätzen auf einer umfangreicheren Datengrundlage erstellt und von Gerichten anerkannt, wenn es einmal zum Streit kommen sollte etwa um eine Mieterhöhung. Doch auch im unstrittigen Alltag des Wohnungsmarktes gibt es Vorteile – sowohl für die Mieter als auch für die Wohnungsgeber, wie Jochen Marienfeld als Vorsitzender des Gutachterausschusses für den Immobilienmarkt im Kreis Unna betont.

Straßenscharfer Rechner für eine Mustermiete im Internet

In den Kommunen, die sich ihren Mietspiegel künftig beim Kreis erstellen lassen, werden einige von ihnen bereits ab Anfang 2020 zum Tragen kommen. Wenn die Datengrundlagen des Mietspiegels erfasst sind, soll die Öffentlichkeit auf einen Mietrechner im Internet zugreifen können, der dabei hilft faire Richtwerte sogar für einzelne Straßen zu berechnen.

Dabei würden tatsächliche Mietverhältnisse aus dem Umfeld die Grundlage liefern. Davon abgesehen fließen natürlich auch Besonderheiten der Wohnungen an sich mit ein: Ausstattungsmerkmale wie ein Balkon – oder das Fehlen eines solchen – rechtfertigen Auf- und Abschläge. Unnas Mietspiegel formuliert dafür schon heute konkrete Prozentwerte, stützt sich aber nicht auf lokale Marktdaten, sondern auf Literaturwerte.

Umfragebogen mit der Steuer- und Gebührenpost aus den Rathäusern

Die Arbeit an einem „qualifizierten“ Mietspiegel würde der Kreis den Kommunen mit einer Kostenumlage in Rechnung stellen, die auch für Unna jährlich im vierstelligen Bereich liegen dürfte. Wichtig ist die Mitarbeit der Vermieter: Mit den jährlichen Steuer- und Gebührenbescheiden verschicken Städte und Gemeinden, die bereits der Kooperation mit dem Kreis beigetreten sind, einen Fragebogen, der damit auch die Eigentümer von vermietetem Wohnraum erreicht.

Marienfeld, der beim Kreis auch den Fachbereich für Geoinformation und Kataster leitet, hofft auf ein engagiertes Mitwirken der Immobilieneigentümer. „Die Vermieter haben selbst ein Interesse daran, ein Mietniveau zu finden, das ortsüblich und angemessen ist. Fluktuation zu vermeiden, hat einen hohen Stellenwert für sie“, sagt der Immobilienmarktexperte. Und dabei helfe eben ein Mietzins, der sich nicht zu sehr vom Marktniveau abhebt.

Unna zeigt Aufgeschlossenheit für den qualifizierten Mietspiegel

Unna hatte das Thema Mietspiegel zuletzt aus der Perspektive der Mieter betrachtet. Die SPD hat das Angebot des Kreises an die Kommunen aufgegriffen und bereits beantragt, der Kooperation für einen qualifizierten Mietspiegel beizutreten. Die Sozialausschussvorsitzende Gabriele Meyer (CDU) kündigte daraufhin an, das Thema im Gremium auf die Tagesordnung zu setzen. Und auch auf der Arbeitsebene zwischen Rathaus und Kreishaus laufen Gespräche, die zumindest eine Aufgeschlossenheit der Unnaer für das Thema erkennen lassen.

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