Rund eine Viertelmillion Euro nimmt die Stadt Unna derzeit für Spielplätze Königsborn in die Hand. Sie sollen Kindern auch geben, was vielen heute fehlt: Natur und Bewegung.

Königsborn

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wir wollen Kinder in Bewegung bringen“, sagt Kerstin Heidler. Die städtische Beigeordnete stellte jetzt aktuelle Spielplatzbauprojekte in Königsborn vor.

Sie erläuterte, dass die neuen Angebote auch Defizite ausgleichen helfen sollen, die viele Minderjährige inzwischen haben. Ärzte stellen Mängel bei Motorik und Koordination fest. Und so kann eine neue Balancier-Seilbrücke auf dem Spielplatz im nördlichen Kurpark zur Schulung des Körperempfindens beitragen. Nicht alle Geräte sind neuartig auf diesem Spielplatz, teils werden sogar Spielapparate weiterverwendet, die schon länger in Betrieb, aber technisch noch in Ordnung sind. Dazu gehört etwa die lange Röhrenrutsche. Auch Wippgeräte gehören dazu, die Klassiker auf jedem Spielplatz.

Neue Spielplätze in Königsborn bringen Kinder in die Natur und in Bewegung

Der Ausschnitt aus einem Plan des Büros Stadtkinder zeigt das Konzept für den Spielplatz an der Platanenallee. © Planungsbüro Stadtkinder

Balancieren, klettern, hangeln, rutschen

Das wohl spektakulärste neue Gerät auf dieser großen Fläche ist eine mehrere Meter lange Kombination aus Holzstämmen, Podesten, Seilen, Stangen und Leitern.

Beteiligung

Planung mit Bürgern

Was auf einem Spielplatz besonders wichtig ist, wissen die Nutzer am besten. Deswegen haben die Stadt Unna und das Quartiersmanagement die Spielplatzneugestaltungen beziehungsweise -umbauten gemeinsam mit Bürgern geplant. Es gab zwei „Kreativ-Workshops“ mit Eltern und Kindern. Ergebnisse waren unter anderem „Pflichtelemente“ wie Wasser, eine Rutsche und ein Unterstand für Jugendliche.

„Moderne Spielplatzgestaltung ist nicht mehr eindimensional“, sagt Heidler. Die Anlage erlaubt Kindern je nach Lust und Fähigkeiten verschiedene Zugänge. Sie können balancieren, klettern, hangeln und rutschen. Diese und andere Anlagen sollen Kinder animieren, sich das zu erschließen, was für viele eben nicht mehr selbstverständlich sei.

Wasser soll auch mit eingeplant werden, eine Anlage ist auf dem Bestandsspielplatz schon vorhanden und soll integriert werden. Frisches Wasser zum Erfrischen, planschen und Matschen ist gerade für kleinere Kinder besonders wertvoll, aber auch nicht überall gut einzurichten. Schließlich ist eine Frischwasserleitung nötig.

Neue Spielplätze in Königsborn bringen Kinder in die Natur und in Bewegung

Diese Kombination aus verschiedenen Geräten soll Gleichgewicht, Kraft und sicher auch Mut bei ihren künftigen Nutzern schulen. © Planungsbüro Stadtkinder

Plan: Fertig bis Mitte August

Rund um einen bepflanzten Spielhügel werden diese mehr oder weniger aufwendigen Geräte angeordnet. Die Arbeiten am Spielplatz an der Platanenallee laufen bereits. Die Fläche ist deswegen gesperrt. Mitte August soll dieses Projekt abgeschlossen sein. So raffiniert die Konzeption dort auf der westlichen Seite der Platanenallee wirkt, so simpel ist sie auf einer zweiten Spielfläche auf der östlichen Seite.

Neue Spielplätze in Königsborn bringen Kinder in die Natur und in Bewegung

Sie informierten über die Spielplatzgestaltung im Kurpark und im Wohnquartier Königsborn-Südost: Quartiersmanager Liberto Balaguer (v. l.), René Bast vom Kinder- und Jugendbüro und die Beigeordnete Kerstin Heidler. © Marcel Drawe

Ein Dickicht aus Bäumen und Sträuchern an der Hubert-Biernat-Straße soll zu einem Naturspielraum umgestaltet werden. „Die Gesellschaft wird immer digitaler“, sagt der Quartiersmanager Liberto Balaguer. „Vielen Kinder und Jugendlichen fehlt die Naturerfahrung.“ Inbesondere für Familien im dicht besiedelten Königsborner Südosten erscheine es den Planern wichtig, ein Stück Natur einzubauen, sagt Balaguer.

Kosten

270.000 Euro für Spielplätze

  • Aktuell werden 270.000 Euro in die Neugestaltung der Spielplätze an der Platanenallee, Hubert-Biernat-Straße und Döbelner Straße investiert.
  • Die Projekte sind Teil der Freiraumgestaltung im „Quartier Königsborn-Südost“. Diese kostet insgesamt rund 1,6 Millionen Euro und umfasst unter anderem auch das Anlegen eines Quartiersplatzes oder die Ausgestaltung des Wegenetzes inklusive Beleuchtung. Der Großteil stammt aus EU-, Bundes- und Landesfördermitteln. Der städtische Eigenanteil beträgt 245.000 Euro.

Da die Natur selbst schon den Großteil gebaut hat, muss für diese Fläche im Grunde gar nicht viel gemacht werden. Das Dickicht soll ausgelichtet werden, sodass eine Art „grüne Halle“ entsteht, in die sich Kinder zurückziehen sollen. Ein paar Holzstämme und Steine sollen als Sitzgelegenheiten angeboten werden. Die Nutzer sollen damit „Buden“ bauen oder was auch immer sie gemeinsam planen. Ein Stück weit gestalten die Kinder diesen Spielplatz demnächst also selbst. Die Bauarbeiten für die Grundlagen sollen in den nächsten Wochen beginnen.

Unterstand für Jugendliche an der Döbelner Straße

Ältere Minderjährige haben die Planer bei einem Freiraumprojekt im Süden im Blick. Der Bolzplatz an der Döbelner Straße wird ebenfalls neu gestaltet. Die Stadt lässt die wassergebundene Decke erneuern. Außerdem wird eine Art Jugendhütte angelegt. Der Unterstand mit Sitzgelegenheiten und einer Art Netz-Hängematte bietet Jugendlichen einen Rückzugsort.

Barrierefreiheit kaum umzusetzen

Für Spielplatzplaner ist das Thema Barrierefreiheit eine Herausforderung. Der Inklusionsgedanke umfasst selbstverständlich auch Spielplätze. „Aber Rollstühle und Sand vertragen sich einfach nicht“, sagt Heidler. Komplett barrierefrei werden der neu gestaltete Spielplatz im nördlichen Kurpark und der Naturspielraum an der Hubert-Biernat-Straße daher nicht. Einige Elemente wie etwa die bereits vorhandene Röhrenrutsche sollen auch für behinderte Kinder nutzbar sein, das hängt aber von der Behinderung ab. Als nächsten Spielplatz, der auf die Bedürfnisse behinderter Kinder zugeschnitten ist, empfiehlt die Stadt die Fläche im südlichen Kurpark, an der Parkstraße.

Neue Spielplätze in Königsborn bringen Kinder in die Natur und in Bewegung

Der Spielplatz an der Parkstraße ist auch für Kinder im Rollstuhl nutzbar. © Marcel Drawe

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen