Wer glaubt, sich über die Post ärgern zu können, liegt in Unna falsch. Denn eigentlich gibt es sie gar nicht. Zumindest das erfuhr ein ratloser Kunde beim Versuch, einen Brief aufzugeben.

Unna

, 26.10.2018, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war Donnerstagnachmittag, als der Leser unserer Zeitung einen klassischen Brief aufgeben wollte. Das Schreiben war fertig und steckte im Umschlag. Nur die Briefmarke fehlte. Denn in Zeiten, in denen das Porto bisweilen öfter angehoben wird, als der Normalverbraucher Briefe versendet, hatte der Unnaer keine Marken bevorratet. Stattdessen trug er seinen Brief dorthin, wo er die Post vermutet: zum Postamt. Dort allerdings war niemand vor Ort, der ihm seinen Umschlag abgenommen und eine Briefmarke darauf geklebt hätte.

Post steht nicht im Telefonbuch

Warum nicht, das war nicht ersichtlich. Denn laut Öffnungszeitenaushang hätte er seinen Brief loswerden müssen. Andere Aushänge oder Informationen fand er nicht vor. Hätte der Mann einfach kopfschüttelnd kehrtgemacht, wäre ihm einiges an Befremden erspart geblieben. Doch er wollte Antworten.

Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass die Post, früher Anlaufstelle für Telefonanschlüsse, nicht einmal im Telefonbuch steht. Also griff er zum Hörer und rief die Auskunft der Telekom an, die früher einmal Teil der Deutschen Bundespost gewesen ist. Sie gab ihm dann eine Nummer in Bonn, die tatsächlich direkt zur Beschwerdestelle der Post führte.

Lange Wege bis zur Antwort

Aber warum in Unna die Post geschlossen war, wusste die Stimme der Beschwerdestelle auch nicht zu sagen. Und so wurde der Sachverhalt zu Protokoll genommen. Wann der zunächst erfolglose Kunde von dort etwas hören wird, wird die Zeit zeigen. Seine Anfrage in der Lokalredaktion sollte schließlich die ersehnten Antworten liefern – ebenso wie einige überraschende Erkenntnisse und eine weitere Odyssee.

„Post“ ist eigentlich die Postbank

Die Recherche begann in der Pressestelle der „Deutsche Post DHL Group“, die sich allerdings für gar nicht zuständig erklärte. Denn was nach außen hin wie eine Vertretung der Deutschen Post aussieht, sei tatsächlich eine Filiale der Postbank. Diese hat außer der Namensverwandtschaft und dem Dienstleistungsauftrag der Post wenig mit dem Brief- und Paketdienst von einst zu tun. Seit 2009 ist die Postbank eine Tochter der Deutschen Bank. So ist der Briefmarkenkauf in Unna mitunter ein Bankgeschäft.

Immerhin wusste die Pressestelle der Deutschen Post auch einen Kontakt in der Pressestelle der Postbank. Eine E-Mail an den entsprechenden Ansprechpartner wurde von einer Automatikschaltung beantwortet: Er sei zurzeit nicht zu erreichen, die Mail werde nicht weitergeleitet, ließ der Ansprechpartner per Musterschreiben wissen.

Informationen wären üblich gewesen

Weitere Recherchen führten dann zu einer Kollegin, die für die Postbank Auskunft geben konnte. Sie lieferte die Erklärung für die Schließung der Post in Unna: Der Betriebsrat habe die Belegschaften aus Teilen von NRW, Niedersachsen und Bremen zu einer Betriebsversammlung zusammengerufen. Die Postbank müsse das Personal dafür freistellen. 72 Filialen seien deshalb am Donnerstagnachmittag geschlossen werden. Eine davon war die in Unna.

Wegen der Serviceeinschränkungen würde die Öffentlichkeit über Aushänge und Pressemitteilungen informiert. In Unna scheint allerdings beides versäumt worden zu sein.

Partner im Handel auch unzufrieden

Irritationen gab es allerdings nicht nur bei den Kunden der Post. Der Leser unserer Zeitung versuchte sein Glück an anderer Stelle: Er wandte sich an ein „Partnerfiliale“ der Post in einem Supermarkt. Die Idee war gut, den Brief wurde er los. Doch er war nicht der einzige, der diese Idee hatte. Und so erlebte er auch bei der Supermarktbeschäftigten, die ihm seinen Brief abnahm, einen gewissen Unmut: Auch dem Supermarktbetreiber hat die Post offenbar keinen Hinweis darauf gegeben, dass die Hauptstelle in der Innenstadt an jenem Tag früher geschlossen würde. Man hätte sich doch sonst mit mehr Personal darauf eingestellt, hieß es im Supermarkt.

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Die Deutsche Post verfügt inzwischen über kein wirklich eigenes Filialnetz. Direkten Kundenkontakt leisten außer den Postbanken die Partnerfilialen im Handel, die vom Personal des jeweiligen Ladens mitbetrieben werden.
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