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Neue Methode: Ärzte am KK entfernen mit High-Tech-Endoskopie Vor- und Frühformen von Krebs

dzKrebs im Magen-Darm-Trakt

Es ist sozusagen das neue Wunderwerk der Endoskopie: Mit einem neuen Verfahren können Ärzte am Katharinen-Hospital Vor- und Frühstadien von Krebs schonender und zuverlässiger entfernen.

Unna

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Krebs – wohl eines der größten Schreckgespenster der Medizin. Dabei ist die Diagnose längst kein Todesurteil mehr. Jeder weiß: Je früher erkannt, desto erfolgversprechender die Behandlung.

Gastroenterologie am KK

Medizin auf dem neuesten Stand der Technik

  • Unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Klaus Schlottmann führt die Gastroenterologie am Katharinen-Hospital Unna jedes Jahr bis zu 8.500 Untersuchungen durch.
  • Im Zuge einer 30 Millionen Euro schweren Investition in das Krankenhaus ist auch die Gastroenterologie des Hauses umfassend modernisiert worden: In vier Endoskopie-Räumen untersuchen in der Regel vier Ärzte und acht Pfleger gleichzeitig ihre Patienten.
  • Auch die medizinische Technik ist dabei auf den neuesten Stand gebracht worden. So können für die Diagnostik unter anderem 3D-Bildverfahren eingesetzt werden. Was viele nicht wissen: Mit der sogenannten Doppelballon-Endoskopie kann inzwischen selbst der Dünndarm vollständig gespiegelt werden.

Umso besser, wenn Ärzte schon Vor- und Frühstadien von Krebs beseitigen können. Was die Entfernung von derlei Wucherungen im menschlichen Verdauungstrakt angeht, setzt die Gastroenterologie am Katharinen-Hospital auf ein neues Verfahren: Betroffenes Gewebe wird über ein Endoskop an einem Stück entnommen, was die anschließende Untersuchung durch die Pathologie aussagekräftiger macht. Und für den Patienten ist das Verfahren deutlich schonender, weil es manch einen operativen Eingriff überflüssig macht.

Betroffenes Gewebe wird an einem Stück entfernt

Der wesentliche Unterschied zum herkömmlichen Verfahren ist die Gewebeentnahme selbst. Üblicherweise wird das betroffene Areal während einer Magen- beziehungsweise Darmspiegelung mit einer elektrischen Schlinge Stück für Stück abgetragen. Beim sogenannten Submukosaeingriff (Endoskopische Submukosa Dissektion, ESD), wie das neue Verfahren am Katharinen-Hospital heißt, wird das betroffene Gewebe mit einem winzigen Messer in einem Stück entfernt. Die anschließende pathologische Bewertung ist somit deutlich zuverlässiger.

Der Clou bei der Sache liegt wie so oft im Detail. Der Magen-Darm-Trakt besteht aus drei Schichten: Schleimhaut, Bindegewebe und Muskelgewebe. Vor- und Frühformen von Krebs befallen in aller Regel die Schleimhaut oder erreichen minimal das Bindegewebe. Um das betroffene Gewebe von der untenliegenden Muskelschicht zu trennen, spritzt der Arzt über das Endoskop eine Flüssigkeit in das Bindegewebe, um dieses zu verbreitern und die Wucherung anschließend Millimeter für Millimeter herausschneiden zu können. Dabei entstehende Wunden heilen von selbst, sodass Patienten das Krankenhaus in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder verlassen können.

Auch Therapie funktioneller Störungen möglich

Eingriffe dieser Art sind im kompletten Verdauungstrakt von der Speiseröhre über den Magen bis zum Enddarm möglich. Der Vorteil für den Patienten liegt auf der Hand: Gelingt es, über den Submukosaeingriff betroffenes Gewebe komplett zu entfernen, ist kein zusätzlicher chirurgischer Eingriff mehr nötig.

Den Submukosaeingriff machen sich die Gastroenterologen am Katharinen-Hospital aber auch für die Behandlung funktioneller Störungen im Verdauungstrakt zunutze, nämlich wenn beispielsweise die Muskeln an der unteren Speiseröhre (Achalasie) beziehungsweise am Magenausgang (Pylorusspasmus) krampfen oder der Magen in sich zu träge ist (Gastroparese). Speisebrei kann dann unter Umständen nicht mehr richtig in den Zwölffinger- und letztlich den Dünndarm abfließen. Starkes Vollegefühl, Oberbrauchschmerzen und wiederkehrendes Erbrechen können Symptome dafür sein.

Über einen „Tunnel“ zum betroffenen Muskel

Beim Submukosaeingriff wird über einen kleinen Einschnitt in die Schleimhaut eine Art „Tunnel“ zwischen den Schichten errichtet, über den der behandelnde Arzt sein Instrument zum entsprechenden Muskel führen und diesen durchtrennen kann, damit die Nahrung wieder ungehindert abfließen kann. Der Einschnitt in die Schleimhaut wird mit kleinen Clips verschlossen, die der Körper von selbst wieder ausscheidet. Auch für diesen Eingriff gilt: Er ist wesentlich schonender als eine Operation, Patienten können das Krankenhaus in der Regel drei Tage nach dem Eingriff wieder verlassen.

Seit März dieses Jahres setzt die Gastroenterologie am Katharinen-Hospital das ESD-Verfahren ein und ist damit nach eigenen Angaben mit Ausnahme des Klinikums Dortmund das einzige Krankenhaus in der Region. Selbst an den Uni-Kliniken Bochum und Münster ist das Verfahren demnach noch nicht im Einsatz.

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