Jeder Platz zählt umso mehr, denn es sind immer noch zu wenige für Unna: Gemeinsam mit Kindergartenträgern baut die Stadt Unna die Betreuungskapazitäten weiter aus. Es müsste eigentlich schneller gehen.

Unna

, 28.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit einem fröhlichen Fest haben Klein und Groß am Freitag die Eröffnung einer weiteren Kindergartengruppe in Hemmerde gefeiert. Für 20 Mädchen und Jungen hat die Evangelische Kirche, finanziert von der Stadt Unna, Platz geschaffen. Ein früheres Pfarrhaus neben dem Evangelischen Noah-Kindergarten war zuletzt als Mietwohnung genutzt worden. Nun wurde es umgebaut und eingerichtet mit Spiel- und Turngeräten, Bettchen und anderen Möbeln, die Kindergartenkinder eben brauchen. Die 20 Plätze seien bereits so gut wie voll belegt, sagte Diana Ersel, Leiterin des Noah-Kindergartens, der nun insgesamt 63 Betreuungsplätze anbieten kann. Gerade für Hemmerde sei die Einrichtung dieser Zusatzplätze wichtig, erklärte Unnas Jugendamtsleiter Heinz-Dieter Edelkötter. In neuen Baugebieten siedeln sich erfreulich viele junge Familien an. Viele seien von außerhalb, hätten „Betreuer“ wie Großeltern nicht zur Verfügung und gleichzeitig mit einem frisch gebauten Haus auch oft den Druck, dass beide Elternteile arbeiten.

80 Kinder in Unna ohne Kita-Platz

Bedarf gibt es allerdings nicht nur in Hemmerde. „Wir kommen mit der Kindergartenplanung gar nicht hinterher“, sagt Edelkötter. Er berichtet von 80 Kindern in Unna, die derzeit nicht mit Betreuungsplätzen versorgt werden könnten. In diesen Fällen würden wohl zunächst private Lösungen gefunden, etwa Betreuung durch Familienangehörige wie Großeltern. Ideal sei das nicht. „Viele Großeltern sind ja selbst noch berufstätig.“ Es müssen also dringend mehr Kitaplätze her.

Kinderzahlen

Weiterhin starke Jahrgänge in Unna

  • Entgegen Prognosen vor einigen Jahren haben es Unnas Kindergartenplaner weiterhin mit starken Jahrgängen zu tun. Die Unnaer bekommen erfreulich viele Kinder, und die Stadt gewinnt mehr durch Zuzüge, als sie durch Wegzüge verliert. So wurden beispielsweise im Jahr 2013 472 Kinder geboren. Der Jahrgang hatte bis Ende 2018 aber schon 541 Kinder. Der Zuwachs der Jahrgänge von 2013 bis 2017 lag zwischen 27 und 69 Köpfen.
  • Die Stadt Unna setzt weiterhin auf Zuzüge, rechnet aber damit, dass die Geburtenzahlen nicht weiter steigen. Dafür rechnet man laut Jugendamt mit zu wenig Frauen im gebärfähigen Alter.

Schon seit mehreren Jahren wird das Platzangebot in Unnas Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern ausgebaut. Als die Betreuung unter Dreijähriger ein Thema wurde, erweiterte man Bestands-Kitas, beispielsweise um Schlafräume. „Fast jeder Kindergarten hat sich verändert“, sagt Edelkötter. Mehr aber sei im Bestand nicht möglich. „Jetzt helfen nur noch Neubauten.“ Und diese dringend notwendigen Projekte verzögern sich. Eine neue Einrichtung für Massen mit drei Gruppen soll neben der Schillerschule gebaut werden. Allein die Architektenleistung habe die Stadt europaweit ausschreiben müssen, was Monate in Anspruch genommen habe, sagt Edelkötter. Jetzt gibt es einen Zeitplan: Voraussichtlich Mitte 2020 sollen die Bauarbeiten beginnen. Auch auf dem Gelände der früheren Anne-Frank-Realschule in Königsborn dauern die Vorarbeiten länger, als es dem Jugendamt lieb gewesen wäre. Vier Gruppen im Kindergartenneubau am „Bildungscampus“ würden gehörig Druck vom Kessel nehmen. Aber erst Anfang kommenden Jahres kann in Königsborn gebaut werden.

Neue Kindergartengruppe in Hemmerde: Darum sind diese 20 Plätze für Unna so wichtig

Der Abriss der Anne-Frank-Realschule in Königsborn beginnt jetzt erst. Anfang 2020 kann der Bau eines neuen Kindergartens für Königsborn beginnen. © Marcel Drawe

Vorgezogene Teillösung für Unna-Mitte

Beim großen Projekt für Unna-Mitte geht man schon den Weg des Kompromisses. Ein Kindergarten mit sechs Gruppen sollte eigentlich am Hertinger Tor errichtet werden, als Neubau für die SPI-Kita, die von der Vinckestraße dorthin umziehen wird. Als sich herausstellte, dass dieser Kindergarten nicht vor 2023 fertig wird, habe man entschieden, zwei zusätzliche Gruppen im Stadtteil schneller einzurichten: Die Kita am Erlenweg bekommt einen Anbau. In den Herbstferien sollen die Bauarbeiten beginnen. Im Herbst 2020 sollen die Betreuungsplätze dann zur Verfügung stehen. Insgesamt sieht Jugendamtsleiter Edelkötter für das Kindergartenjahr 2021/22 Licht am Ende des Tunnels. Dann werde die Bedarfsdeckung in Unna erreicht.

Betreuungsquote

Mehr als jedes zweite Kind unter 3 in Betreuung

  • Familien mit Kindern zwischen dem ersten und dem dritten Geburtstag haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Wie viele Kinder in dieser Gruppe Kitaplätze haben, diese Zahl ist deswegen für die Kindergartenplaner von großer Bedeutung.
  • Die Quote liegt derzeit bei 53,1 Prozent. Als der Rechtsanspruch im Jahr 2013 in Kraft trat, hatte man in Nordrhein-Westfalen eine Quote von 35 Prozent vorhergesagt.
  • Im aktuellen Kindergartenjahr werden 1540 Kinder über drei Jahren in Unnaer Kindergärten betreut, 408 unter drei Jahren. Hinzu kommen 200 zumeist noch jüngere Kinder in der Tagespflege.

Lösungen für den Übergang

In der Regel kommen Kinder jeweils zum Start eines neuen Kindergartenjahres in den Kindergarten, also im August. Für das Projekt Erlenweg werde es daher zunächst eine Übergangslösung geben müssen, sagt Edelkötter. Vermutlich muss man in der Bestandseinrichtung für ein paar Wochen zusammenrücken. Übergangslösungen gibt es ohnehin schon an mehreren Stellen in Unna. Die Räume im Hemmerder Pfarrhaus sind ein Beispiel. Auch in einem früheren katholischen Pfarrhaus in Königsborn, an der Gabelsbergerstraße, wurden zehn Betreuungsplätze übergangsweise eingerichtet. Gleich zwei Gruppen entstanden im selben Stadtteil im Gebäude einer früheren Videothek: an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Zechenstraße. Auch in Billmerich wurden acht provisorische Kitaplätze geschaffen.

Container zu teuer

Noch vor Kurzem hatte die Stadt zudem den Plan verfolgt, irgendwo im Stadtgebiet Container aufzustellen, um darin kurzfristrig Kinder betreuen zu lassen. Von dieser Modul-Lösung ist man aber inzwischen abgerückt. „Das wäre zu teuer“, sagt Jugendamtsleiter Edelkötter. Raummodule werden schon seit geraumer Zeit landauf, landab auch für die Unterbringung von Flüchtlingen oder von Kindern in der OGS-Betreuung eingesetzt. Die Anlagen sind entsprechend nachgefragt, und Firmen lassen sich das Aufstellen gut bezahlen. 23.000 Euro würde allein die Miete kosten, monatlich. „Das ist für die Stadt kaum darstellbar“, sagt Edelkötter. Stattdessen denkt man im Jugendamt über die Einrichtung einer weiteren Großtagespflegestelle nach. Das ist keine Kita, es sind Räume, in denen Tagesmütter gemeinsam mehrere Kinder betreuen.

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Stadt unterstützt Träger

Kindergärten sind und bleiben in Unna in der Hand kirchlicher Träger, von Vereinen und Elterninitiativen. Die Stadt Unna unterhält anders als andere Kommunen selbst keine Kita, unterstützt die Träger aber im Gegenzug bei der Finanzierung des Betriebs. Und sie trägt die Kosten für Aus- und Neubauten teils mit. Im Fall Hemmerde stecken 85.000 Euro aus der Stadtkasse im nun eingeweihten Kita-Bau.

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