Neue Inszenierung von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ begeistert Premieren-Publikum

dzTheater Narrenschiff

Schon einmal hat André Decker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ für das Theater Narrenschiff inszeniert. Jetzt hat er das Stück neu aufgelegt. Beim Publikum kam das gut an.

28.10.2018, 16:05 Uhr / Lesedauer: 1 min

Skandalös wirkte „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ auf die Zuschauer, als das Drama 1962 am Broadway Premiere feierte. Die vulgäre Sprache und die Dekonstruktion einer heuchlerischen Gesellschaft, die konservative Werte hochhält, aber im Kern seinen primitiven Trieben folgt, war damals neu und schockierend.

Kraftausdrücke im Theater

Der Einzug der Alltagssprache und derber Kraftausdrücke ins Theater haben diesem Effekt längst seine Spitze genommen. Doch genau das erlaubt es dem heutigen Publikum, unter der Oberfläche des Skandals leichter eine kluge und berührende Charakterstudie zu entdecken.

Neu interpretiert

Genau diesen Weg ist das Narrenschiff-Ensemble bei seiner aktuellen Inszenierung gegangen, die am Samstag Premiere feierte. Bereits vor zehn Jahren widmete man sich Edward Albees bekanntestem Bühnenstück. Doch während damals das düstere Drama im Vordergrund stand, gelingt es André Decker in der Rolle des George und Kathrin Bolle als seiner in einer Hassliebe verbundenen Frau Martha zwischen amüsanten Wortgefechten und verletzenden Attacken geschickt zu changieren. Bald verwischen die Grenzen zwischen freundschaftlichen Spitzen und bösartigen Attacken, zwischen Täter und Opfer. Das gilt auch für das Ehepaar Nick (Kim Schütt) und Honey (Katalina Kopka) die zunächst unverschuldet als zufällige Gäste Zeugen des bösen Treibens werden und dann nach und nach ihrer eigenen Masken beraubt werden.

Minutenlanger Applaus

Der Titel basiert im Übrigen auf einem Wortspiel zwischen dem Kinderreim „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“ und dem Namen der Autorin Virginia Woolf. Auch wenn Woolf in der Handlung keine echte Rolle spielt, passt der Titel ausgezeichnet, strotzen ihre Werke doch vor Klugheit, persönlichem Drama und dem Spiel mit Status und Geschlechterrollen. Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert und spendete minutenlangen Applaus.

Weitere Aufführungen in diesem Jahr sind am 3., 4., 9. und 11. November. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf im i-Punkt im ZIB.
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