Am Bau einer neuen Grundschule auf dem früheren Stadiongelände am Hertinger Tor hält Unna fest. Jetzt läuft die Suche nach Architekten an. Planungsziel ist ein Unterrichtsbeginn im Sommer 2023.

Unna

, 09.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es am Hertinger Tor einmal eine neue Schule geben soll, darf die Stadt jetzt keine Zeit mehr verlieren. Mit Blick auf Antragsfristen für Fördermittel drückt sie aufs Tempo. Positiver Nebeneffekt: Die Schule könnte früher stehen als zuvor erhofft. In fünf Jahren könnte dort der Gong zur ersten Stunde ertönen.

Eine Fertigstellung Mitte 2023 stellt die Stadtverwaltung nun in einem aktuellen Papier für die Politik in Aussicht. Zuvor war von 2025 die Rede. Am Mittwoch wird der zuständige Fachausschuss des Stadtrates sich damit befassen. Denn die Beschleunigung hat auch einen Preis: Bei der Suche nach Architekten, die ihre Ideen für das neue Gebäude vorstellen dürfen, würde sich Unna auf eine kleinere Auswahl stützen. Nur drei Büros würden ausgewählt, um Konzepte vorzulegen.

Kompliziertes Vergaberecht

Eine Entscheidung wie diese trifft die Stadt nicht nach eigenem Gutdünken, ist doch das Vergaberecht eine komplizierte Materie. Unbestritten ist, dass sie Architekten aus ganz Europa eine Teilnahme an dem Bewerbungsverfahren um diesen Auftrag ermöglichen solle. Doch auch dabei gibt es unterschiedliche Szenarien. Und statt eines klassischen Architektenwettbewerbs, wie er zuletzt für die dann gestoppten Pläne eines Bürogebäudes und eines Parkhauses am Bahnhof durchgeführt wurde, soll es nun ein sogenanntes „VGV-Vergabeverfahren geben“. Bei einem Architektenwettbewerb hätte die Stadt bis zu 20 Bewerbungen auf den Tisch bekommen. Allerdings würden zwischen der Auslobung des Wettbewerbes und der abschließenden Auftragsvergabe wohl bis zu 24 Monate vergehen, rechnet die Stadt vor. Im beschleunigten Verfahren, in dem die Stadt nur drei Büros in die engere Wal nimmt, könnte der Prozess auf neun Monate verkürzt werden.

Architektenwettbewerb würde zu lange dauern

Dass die Schüler aus Falk- und Nicolaischule entsprechend früher in neue Räume umziehen könnten, ist allerdings nur eine willkommene Nebenfolge. Der eigentliche Grund der Eile liegt in der Finanzierung: Fördermittel aus dem Konjunkturpaket III der Bundesregierung und aus dem Programm „Gute Schule“ seien eine „unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Unna den Bau des Objektes überhaupt finanzieren kann, heißt es aus der Stadtverwaltung. Die Einhaltung der Fristen innerhalb dieser Programme aber sei „gefährdet“, wenn Unna auf einen großen Architektenwettbewerb nach klassischem Muster setzt.

Die Planung

Grundschule und Kita mit vier Gruppen

Planen sollen die Architekten einen Komplex, der Platz für eine Grundschule mit drei Klassen pro Jahrgang und für ein Familienzentrum mit vier Kindergartengruppen bietet. Das Gebäude soll nicht mehr nur der Neubau für die Falkschule sein, sondern Domizil einer neuen Grundschule werden, die passend zur Fertigstellung aus einer Fusion von Falk- und Nicolaischule entsteht. Den Betrieb des Kindergartens übernimmt die Sozialpädagogische Initiative, die dafür das heutige SPI-Familienzentrum an der Vinckestraße verlegt. Ein Ausbau des Kindergartens auf bis zu sechs Gruppen war zwischenzeitlich diskutiert worden, spielt aber keine Rolle mehr: Stattdessen soll ein Ausbau der Einrichtung im Stadtteilzentrum Süd am Erlenweg diese Gruppen aufnehmen. Falkschule, Nicolaischule und SPI sollen in die Planungen eingebunden werden und ihre Bedarfe schildern. Die Stadt sieht die Möglichkeit, Räume zu erdenken, die eine Zusammenarbeit zwischen SPI und Schule bestmöglich unterstützen. Schon jetzt ist die SPI mehr als nur ein Kindergartenträger: Der Verein ist auch Träger von Gruppen der offenen Ganztagsgrundschule, beschäftigt zudem Kräfte, die in der Schulsozialarbeit oder als Integrationshelfer zum Einsatz kommen.

Inhaltliche Qualitätsverluste fürchtet die Stadt offenbar nicht. Sie verweist auf die Vorüberlegungen, die Pädagogen und Politiker bereits mit einem Fachbüro für das pädagogische Konzept der neuen Schule angestellt haben. Sie seien nun eine gute Vorgabe. Billiger wird der Wettbewerb im verschlankten Verfahren nicht: Die Stadt rechnet mit 250.000 Euro Ausgaben. Für den eigentlichen Bau am Hertinger Tor standen zuletzt 16,5 Millionen Euro im Raum.

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