Seit Jahren sucht Aldi einen Standort in Massen, und nun endlich zeichnet sich eine Lösung dafür ab. Die Menschen vor Ort reagieren keinesfalls erfreut darüber: Sie fürchten mehr Verkehr.

Unna

, 01.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das neue Konzept der „offenen Mitgliederversammlung“ brachte der Massener SPD nun erheblichen Zulauf. Die Genossen hatten bei Bauer Brune quasi einen Bürgerabend organisiert, wie es die Stadtverwaltung vor der Arbeit an einem Bebauungsplan tun würde – aber weitaus früher. Mit ihrer Themensetzung hatte die SPD erkennbar das Interesse der Menschen aus dem Stadtteil getroffen. Vielleicht weniger erwartbar war die Kritik, die die Gäste recht deutlich formulierten. Einkaufen zum Discountpreis, ohne dafür ins Auto steigen zu müssen, wiegt offenbar keinesfalls die Bedenken auf, die die Besucher vorbrachten.

Es ist nicht der erste Fall in jüngerer Zeit, in der ein Discount-Supermarkt bei den Nachbarn seines Bauvorhabens auf Gegenwind stößt. Auch Norma zog bei einem Bürgerabend zum Neubauvorhaben im Kastanienhof erstaunlich viele und erstaunlich unerfreute Anlieger an.

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Der Fall in Massen wiegt vielleicht noch etwas schwerer: Dort sollen mit Aldi und Edeka gleich zwei Lebensmittelmärkte in Neubauten nahe der Massener Bahnhofstraße einziehen. Die Überlegungen der Anbieter und eines Projektentwicklers sind konkret, das bürokratische Verfahren hängt noch etwas zurück. Für die Massener Ratsfrau Renate Nick bot Letzteres nun allerdings auch eine Gelegenheit, im Namen der Bürger auf die Bremse zu treten. Der Bürgerdialog der Massener SPD erfolgte kurz vor einer politischen Debatte über das Einzelhandelskonzept der Stadt im Fachausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung. Nick schilderte die Bedenken der Bürger, die sie sehr wohl teile – und erwirkte damit, dass der Ausschuss die Arbeit von Planer Jörg Lehnerdt erst einmal nur zur Kenntnis nahm, ohne seine Zustimmung auszudrücken.

Größte Sorge: Zu viel Verkehr

Erste Sorge der Massener scheint nach dem Verlauf der Gesprächsrunde bei Bauer Brune die vor dem Verkehr zu sein, den die beiden neuen Supermärkte anziehen würden. Angesiedelt würden sie im Winkel von Kletterstraße und Massener Bahnhofstraße. Wer die Gegend kennt, der weiß, dass die Fahrt dort nicht zu den freudigsten Momenten im Autofahrerleben gehören muss. Parkende Autos, viel Verkehr und die Kurvenlage machen die Situation etwas unübersichtlich. Wenn dann noch zwei Einkaufsmärkte angebunden werden sollen, würde es nicht besser dadurch.

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Etwas weniger laut, aber doch vernehmlich waren Bedenken daran, dass sich die Anlaufstellen der Kunden räumlich verlagern würden. Dies unterscheidet die mögliche Entwicklung in Massen von der Skepsis, die Normas Neubaupläne im Kastanienhof auslösen. In Niedermassen würden die Bürger für den Preis stärkerer Verkehrsbelastung wenigstens ein stärkeres Nahversorgungsangebot bekommen. Für Obermassen könnte das Vorhaben eine Schwächung des Angebotes und längere Wege bedeuten.

Edeka zieht fort, ein Discounter könnte nachrücken

Je nach Vorlieben beim Einkauf kann man es allerdings auch anders bewerten: Wenn Edeka tatsächlich im Jahr 2021 auszieht, um nach Norden zu ziehen, muss das heutige Ladenlokal nicht verwaist bleiben. Denkbar wäre der Einzug eines kleineren Discounters, denn entsprechende Interessensbekundungen sollen dem Immobilieneigentümer vorliegen, wie es bei der Veranstaltung der Massener Genossen hieß. Für einen Menschen mit Wohnsitz in Obermassen würden die Pläne zwar längere Wege bis zum nächsten Vollsortimenter, aber eben auch kürzere Wege bis zum nächsten Discounter bedeuten.

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