Über 200 neue Häuser in Uelzen/Mühlhausen: Dieses Vorhaben findet nicht überall Anklang. Wir haben den Überblick über die Positionen der einzelnen Fraktionen im Unnaer Stadtrat.

Uelzen/Mühlhausen

, 03.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 15 Hektar Bauland sieht die Stadt Unna auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Süden des Doppeldorfes Uelzen/Mühlhausen. Doch der Widerstand gegen die Bebauung der Flächen wird lauter. Wir haben die Positionen der einzelnen Fraktionen erfragt. Ein Überblick:

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SPD-Ortsverein weist Vorwürfe zurück

Keine bevorzugte Informationspolitik

  • Der SPD-Ortsverein Mühlhausen-Uelzen sieht sich in der aktuellen Diskussion um die möglichen Bauprojekte im Doppeldorf zu einer Klarstellung veranlasst. Der Verein hatte im SPD-Blatt „Hellweg-Kurier“ unter der Überschrift „Sollen Mühlhausen und Uelzen größer werden?“ über die Ausweisung der Flächen in Uelzen und Mühlhausen als Baugebiete berichtet.
  • Nun sei der Stadtverwaltung von „einigen unserer politischen Mitbewerber“ vorgeworfen worden, sie habe der SPD beziehungsweise dem Ortsverein „vorzügig Informationen“ zukommen lassen, so Norman Raupach, Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins Mühlhausen-Uelzen. „Das ist nicht richtig“, stellt Raupach klar.
  • Der Ortsverein habe vielmehr einen Blick auf den Flächennutzungsplan der Stadt geworfen, der auf der Website der Stadt öffentlich einsehbar ist. „Die dort zu erkennende großräumige Ausweisung von Wohnbauflächen in Mühlhausen-Uelzen hat uns dazu bewogen, unseren Artikel zu formulieren und somit Stellung zu beziehen“, erklärt Raupach.
  • Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres Artikels sei dem Ortsverein nicht bekannt gewesen, dass einige Eigentümer der Flächen bereits erste Ideen gefasst hätten, um zukünftig Baugebiete in Mühlhausen-Uelzen zu realisieren. „Erst durch die Veröffentlichung sind diese Informationen im Rahmen von Gesprächen mit Bürgern an uns herangetragen worden. In der Folge haben wir uns diese Erkenntnisse von der Stadtverwaltung bestätigen lassen“, so Raupach.

CDU: Ansässige Bauern in neue Bebauungskonzepte integrieren

Aus Sicht der CDU-Fraktion seien die Dörfer derzeit nicht darauf ausgelegt, so viele neue Einwohner zu bewältigen. „Bei der Umsetzung eines solchen Bauvorhabens würde das Doppeldorf mit erheblich mehr Autoverkehr belastet werden“, sagt der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Rudolf Fröhlich, in einer Stellungnahme. Damit benennt Fröhlich genau jenen Kritikpunkt, den zuvor bereits der Ortsvorsteher des Doppeldorfes, Dietmar Griese, ins Feld geführt hatte.

CDU-Mann Fröhlich bringt indes noch einen weiteren Kritikpunkt an: „Hier wird außer Acht gelassen, dass die ansässigen Bauern mit ihren Höfen in neue

Bebauungskonzepte integriert werden müssen. Diese brauchen den Platz und die

Möglichkeiten, ihren Hofbetrieb fortzuführen.“

SPD: Räumlich sinnvoll, aber Sorge vor dem zusätzlichen Verkehr

Die SPD berichtete in ihrem Parteiblatt „Hellweg-Kurier“ als erste Partei über die Bebauungspläne - und bewertete das geplante Baugebiet in Mühlhausen kritisch, die mögliche Uelzener Fläche jedoch als „räumlich sinnvolle Ergänzung der vorhandenen Wohnbebauung“. Dass mit dem Ortsvorsteher Dietmar Griese ein Mann aus den eigenen Reihen wiederum wesentlich größere Bedenken an beiden Projekten äußerte, macht eine eindeutige Stellungnahme der SPD-Fraktion nicht einfach. Fraktions-Chef Brend Dreisbusch: „Vielleicht gibt es berechtigte Bedenken, was den Verkehr betrifft, das muss man dann in einem Prüfverfahren schauen. Aber insgesamt sollte man viel optimistischer an diese Sache herangehen, finde ich.“ Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei in erster Linie für Unna immer gut.

Grüne: Bezahlbare Mietwohnungen, nicht nur Reihenhäuser

Die Grünen stehen den beiden möglichen Bauprojekten kritisch gegenüber. „Wir sind da sehr, sehr skeptisch, allein wegen der Zersiedelung“, sagt die Fraktionsvorsitzende Charlotte Kunert. Sie sieht auch die Gefahr, dass in solchen Baugebieten „wieder nur Reihenhäuser, aber keine bezahlbaren Mietwohnungen“ gebaut würden. Wichtig sei zudem, dass derart ländlich gelegene Neubaugebiete mit einer guten Anbindung an den ÖPNV ausgestattet würden, so Kunert.

Der Anregung von Werner Clodt, zunächst alte und leerstehende Hofstellen zu neu genutztem Wohnraum umzubauen, kann die Grünen-Fraktionsvorsitzende ebenfalls etwas abgewinnen.

FDP: Neubaugebiete an die B1 anschließen

Eine zunehmende Verkehrsbelastung durch die geplanten Neubaugebiete sieht die FDP nicht zwingend: Das Neubaugebiet könnte an die B1 angeschlossen werden, so die Anregung des Fraktionsvorsitzenden Günter Schmidt. Weiterer Wohnraum sei in Unna zwingend notwendig, allerdings müsste dann auch die bestehende Infrastruktur wie Kitas und Schulen angepasst werden, so Schmidt weiter. „Die Bebauung aufgegebener Hofstellen kann eine sinnvolle Ergänzung der steigenden Nachfrage sein, kann diese aber sicher nicht befriedigen“, sagt Schmidt zu möglichen Alternativen.

Linke: Osterfeldschule würde überfordert

Die Linke befürchtet eine „völlige Überforderung“ der Osterfeldschule, sollte das Doppeldorf auf die geplante Größe ausgedehnt werden. Ein weiterer Kritikpunkt: „Es fehlt an kurzwegigen Einkaufsmöglichkeiten. Auch das wird dazu beitragen, dass das Verkehrsaufkommen steigt“, meint die Fraktionsvorsitzende Petra Weber. Anstatt weitere Flächen durch Baumaßnahmen zu versiegeln, solle zuerst bereits brachliegendes Gelände herangezogen werden, schlägt sie vor. Eine Mischbebauung aus Eigentum und Mietwohnraum sei hier der richtige Weg, so die Linken.

FLU: Bei über 200 Häuser wäre das Projekt „überdimensioniert“

Keine abschließende Stellungnahme will die FLU zum jetzigen Zeitpunkt abgeben. Fraktions-Chef Klaus Göldner kritisiert, dass über das „offensichtlich im Rathaus schon geraume Zeit diskutierte Thema“ noch keine Detailplanungen an alle Parteien gegangen seien. Grundsätzlich begrüße die FLU eine Weiterentwicklung der Stadt und deren Ortsteile. „Sollte die geplante Häuserzahl tatsächlich um die 200 liegen, dürfte dies für diesen Ortsbereich erheblich überdimensioniert und abzulehnen sein“, schränkt Göldner jedoch ein. Er schlägt ein Referendum über das Projekt vor, um den Bürgerwillen im Dorf zu ermitteln.

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