Neue Baugebiete in Mühlhausen und Uelzen mit über 200 Häusern denkbar

dzStadtentwicklung

Unnas Doppeldorf könnte weiter wachsen: Im Süden von Mühlhausen und Uelzen könnten knapp 15 Hektar Fläche zu Bauland werden. Das sorgt auch außerhalb der Dörfer für Unruhe.

Uelzen/Mühlhausen

, 25.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer von der Uelzener und Mühlhausener Dorfstraße gen Süden blickt, dem bietet sich dieser Tage geradezu das Klischeebild von landwirtschaftlicher Idylle: Getreide wiegt sich im Wind, davor stehen rot leuchtende Mohnblumen. Bis zur Bahnlinie reicht dieses Bild - noch. Sollten aktuell in der Stadtverwaltung diskutierte Pläne zum Tragen kommen, würden Getreide und Mohn bald mehr als 200 Häuser weichen. Die Pläne für eine bauliche Erweiterung des Doppeldorfes stoßen nicht nur in Mühlhausen und Uelzen auf Unmut.

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Fünf Hektar in Uelzen und gut 9,5 Hektar in Mühlhausen - diese Flächen bieten potenziell Platz, um das Doppeldorf zu vergrößern. „Allein auf der Fläche in Mühlhausen könnten 200 Häuser entstehen“, rechnet Dietmar Griese vor. Der Ortsvorsteher von Mühlhausen/Uelzen steht den Plänen, über die er von der Stadt informiert wurde, skeptisch gegenüber. Seine größte Sorge: Der durch solch eine Erweiterung entstehende zusätzliche Verkehr. „Wenn man davon ausgeht, dass man mittlerweile pro Haus mit vier Fahrzeugen rechnen muss, dann wären das 800 Verkehrsbewegungen zusätzlich, die Mühlhausen verkraften müsste“, schätzt Griese mit Blick auf die Fläche in Mühlhausen.

Schon jetzt fährt bei Staus auf der B1 viel Verkehr die Twiete Richtung Uelzen hinunter - die Straße ist eine beliebte Ausweichstrecke gen Norden.

Schon jetzt fährt bei Staus auf der B1 viel Verkehr die Twiete Richtung Uelzen hinunter - die Strecke ist eine beliebte Ausweichstrecke gen Norden. © Anna Gemünd

„Wir haben heute schon oft den Ausweichverkehr von der B1 in unseren Dörfern. Die Straßen sind allein dafür schon nicht mehr ausgelegt.“
Dietmar Griese, Ortsvorsteher von Mühlhausen/Uelzen

„Mindestens 200 Autos“ könnten dann mitten durch Mühlhausen gen Norden fahren - ein Szenario, das sich der Ortsvorsteher lieber nicht ausmalen möchte. „Wir haben heute schon oft den Ausweichverkehr von der B1 in unseren Dörfern. Die Straßen sind allein dafür schon nicht mehr ausgelegt.“ Seiner Meinung nach brauche es ohnehin ein „vernünftiges Verkehrskonzept“ - und zwar kreisweit. „Man sieht doch jetzt an dem Verkehr Richtung Norden, der durch Mühlhausen geht, dass ein Verkehrskonzept heute nicht mehr auf eine Kommune allein beschränkt sein kann“, meint Griese.

Er hat der Unnaer Stadtverwaltung seine Bedenken mitgeteilt - denn noch sind die Pläne keineswegs konkret, sondern nur Vorüberlegungen für die bauliche Entwicklung des Doppeldorfes. Dietmar Griese freut sich, wenn sein Dorf so attraktiv ist, dass vor allem junge Familien gerne dorthin ziehen. Aber auch das müsse in einem vernünftigen Maß passieren: „Wenn wirklich 200 Häuser auf der Fläche in Mühlhausen entstehen würden, dann wären da mit Sicherheit viele Kinder bei. Dann stellt sich die Frage: Schafft unsere Schule das? Schafft unsere Kita das? Ich möchte nicht erleben, dass wir irgendwann an unserer Schule Container aufstellen müssen.“

Anstatt Freiflächen zu bebauen, plädiert Griese ohnehin dafür, die in den Orten liegenden Brachen und Hofstellen zu beleben und zu bebauen oder zu neuem Wohnraum umzubauen. „Das wäre sinnvoller“, findet der Ortsvorsteher. Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Aus beiden Dörfern mehren sich Stimmen, die eine sinnvolle Nachnutzung aufgegebener Hofstellen fordern, bevor über eine Umwandlung von Freiflächen in Bauland nachgedacht werde.

Auch in den Nachbardörfern ist man offenbar hellhörig geworden, als die SPD in ihrem Parteiblatt über die möglichen Bauvorhaben berichtete: Während der SPD-Ortsverein von Mühlhausen-Uelzen vor allem die kleinere Fläche in Uelzen unter Beachtung der „vorhandenen Strukturen und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort“ als „räumlich sinnvolle Ergänzung der vorhandenen Wohnbebauung“ einschätzt, sieht beispielsweise Werner Clodt (CDU) aus Nordlünern die Pläne mit Sorge: „Das verändert doch völlig die dörfliche Struktur“, findet der Landwirt. Er stößt - unwissentlich - ins gleiche Horn wie der Ortsvorsteher aus dem Doppeldorf: „Wir sollten lieber alte Hofstellen wieder aktivieren und für die Wohnbebauung nutzen, als Freiflächen vernichten.“

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