Die Strafe für den Hieb mit dem Rohr akzeptierte der 59-Jährige zur Überraschung des Gerichts sofort. © picture alliance / dpa
Gerichtsprozess

Nervende Kinder bekommen eins mit dem Rohr

Weil ihn zwei Buben ärgerten, schlug ein 59-Jähriger mit einem Plastikrohr zu. Das brachte ihn nun vor Gericht und trotz seiner Erklärungsversuche wurde er verurteilt.

Die Sorge um eine alte Dame und eine gewisse Verärgerung ließen einen Pfleger handgreiflich werden. Er versetzte einem Jungen in Unna einen Schlag mit einem Plastikrohr. Vor Gericht versuchte der 59-Jährige nun, den Aussetzer zu rechtfertigen.

Die beiden Jungen aus der Nachbarschaft der älteren Dame, die er betreute, waren ihm schon lange ein Dorn im Auge. Bei einer zufälligen Begegnung am 7. Juni des vergangenen Jahres eskalierte die Situation. Er nutzte das Rohr, das er dabei hatte, um einem der Kinder einen schmerzhaften Schlag zu verpassen.

Angeblich wollte er die ältere Dame schützen

Im Prozess vor dem Amtsgericht wurde dem 59-Jährigen jetzt gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Er, der zuvor noch nicht mit dem Gesetz in Kontakt geraten war, reagierte erbost. „Das ist nicht richtig. Ich wollte die Person erschrecken und nicht schlagen.“ Das Rohr sei dünn und aus Plastik gewesen. Er habe es zuvor auf einem Feld gefunden und, warum auch immer, mitgenommen. Er sei mit „seiner Dame“, die verwirrt sei, spazieren gegangen. Die Jungen sei mit Fahrrädern unterwegs gewesen, hätten dicht vor ihnen gestoppt, hätten sie beleidigt und seien ein weiteres Mal dicht auf die verängstigte Seniorin zugefahren.

„Es war meine Aufgabe, sie zu schützen“, zeigte er sich überzeugt und wies darauf hin, dass die beiden Jungen ohnehin im ganzen Dorf bekannt und unmöglich seien. „Das sind ganz schlimme Kinder“, beschwerte er sich. Der Richter insistierte: „Trotzdem dürfen Sie die nicht mit einem Rohr schlagen.“ Die Antwort des Angeklagten kam prompt: Er habe sie ja gar nicht treffen wollen. „Das war nicht bewusst und nicht aus ganzer Kraft. Das war eine Verteidigung.“

Mann schlug mit Plastikrohr, aber sieht sich im Recht

Der Mann auf der Anklagebank sah sich weiter im Recht. Er selbst sei psychisch und körperlich krank, kümmere sich aber trotzdem um alte Menschen. „Ich bin ein Held“, erklärte der 59-Jährige im Brustton der Überzeugung. Der Richter versuchte es erneut: „Ich verstehe, dass Sie sich provoziert gefühlt haben, aber da muss man als Erwachsener gegenüber Kindern drüberstehen.“ Er stieß auf relativ taube Ohren. Der Angeklagte fand immer noch weitere Erklärungen: „Ich war unter Stress.“ Und: Generell sei er auch ganz gewiss kein krimineller Mensch.

Angesichts der Tatsache, dass das Rohr aus Plastik war und der Junge keine erheblichen Verletzungen davontrug, wurde die Tat letztlich als minderschwerer Fall gewertet. Der Schlag bescherte ihm am Ende vier Monate Haft auf Bewährung und 150 Euro Geldbuße. Eine Sanktion, die er zur Überraschung der restlichen Beteiligten umgehend akzeptierte.

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