Natur wahren statt anlegen: Warum gut gepflegte Wegränder sinnvoller sind als Blühstreifen

dzNaturschutz

Durch richtige Pflege von Wegrändern könnten heimische Wildblumen gefördert werden. Diesen „natürlichen Blühstreifen“ werde aber kaum Bedeutung zugemessen, beklagt Andreas Förster vom Nabu Unna.

Unna

, 12.07.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angelegte Blühstreifen, die als Lebensraum für Insekten dienen, stoßen vielerorts auf große Zustimmung. Obwohl die Intention dahinter eine gute ist, geraten im Gegenzug dazu „natürliche Blühflächen“ mehr und mehr in Vergessenheit. Andreas Förster vom Nabu Unna beklagt diesen Zustand. Der Naturschützer erklärt, warum es sich lohnt, in die richtige Pflege von Wegrändern, Feldrainen und Säumen zu investieren.

„Meine Intention ist dabei nicht, Kritik an Blühstreifen zu üben“, sagt er. „Eher will ich darauf hinweisen, dass man selten gewordene, heimische Wildpflanzen an Straßen- und Wegrändern erhalten kann, wenn man diese richtig pflegt.“ Förster bedauert nämlich, dass diesen „natürlichen Blühstreifen“ kaum noch eine Bedeutung zugemessen werde. Eher sei das Gegenteil der Fall: „Die Verarmung und Beseitigung solcher wertvollen Flächen geht kontinuierlich weiter“, sagt er.

Blühpflanzen ersticken unter Mahd

Gründe dafür gebe es mehrere: Oft befänden sich diese Grenzflächen in Stadt- oder Gemeindeeigentum; Kommunen seien aus Verkehrssicherheitsgründen dazu verpflichtet, die Grünflächen niedrig zu halten. Dazu würden meist Schlegelmulcher eingesetzt, die die Pflanzen zerkleinern. „Die Mahd wird jedoch nicht abgetragen, sondern bleibt liegen. Blühpflanzen ersticken dann unter der Mulchschicht“, erklärt Förster.

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Ähnliches passiere auch, wenn Mitbürger ihren Gartenabfall auf Grünflächen deponieren: „Durch den Nährstoffüberschuss setzen sich dann Pflanzen wie etwa die Brennnessel durch, die sich gerne großflächig ausbreitet.“

Ehemalige Kreisstraße als artenreiches Biotop

Dass es sich hingegen lohnt, Säume und Raine richtig zu pflegen, zeige der Feldweg an der Kluse in Billmerich. Diese frühere Kreisstraße habe sich seit ihrer Stilllegung in den 60er-Jahren zu einem Biotop entwickelt: „Durch die gezielte Mahd und vor allem deren Abtransport konnten wir die Zahl der Wildpflanzenarten hier deutlich erhöhen“, sagt Förster. Auch werden dort Lebensraumansprüche der unterschiedlichsten Tiere erfüllt: „Bis zu 17 verschiedene Tagfalterarten haben wir in den letzten Jahren festgestellt, dazu zahlreiche andere Insektenarten.“

Umso wichtiger sei es ihm, dass man das vorhandene Potenzial der Wegraine entwickelt: „Dieses muss mehr in den Fokus des Insektenschutzes gerückt werden, als die Blühstreifen“, sagt Förster. Dazu sei zwar auch eine finanzielle Investition erforderlich, „aber Naturschutz ist eben nicht zum Nulltarif zu haben.“

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