Nachbarschaftsprojekt rund um Ikea

dzInterkommunales Gewerbegebiet

Die „Kirchturmperspektive“ bis zur nächsten Stadtgrenze verschenkt wirtschaftliche Potenziale. Welche Chancen es bieten kann, über den Tellerrand zu blicken, zeigt sich im Grenzgebiet zwischen Kamen und Unna.

Unna

, 12.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bei Ikea“ ist weit über Kamen hinaus eine Ortsbeschreibung, mit der viele Menschen etwas anfangen können. Für den sperrigen Begriff des „Interkommunalen Gewerbegebietes Unna/Kamen“ gilt das vermutlich weniger. Dabei ist dieses Gemeinschaftsprojekt nahe der Autobahnauffahrt Kamen-Zentrum ein Vorbild dafür, wie das Zusammenwirken von Kommunen funktionieren kann.

Ansiedlungswilligen Unternehmen Bauland zu bieten, um sie als Steuerzahler ins eigene Stadtgebiet zu locken, ist ein Interesse, das viele Kommunen teilen. Und oft bedeutet dies eine Konkurrenz zur Nachbarstadt. Freie Flächen nennenswerter Größe aber sind in den dicht bebauten Flächen der Ruhrgebietsstädte tendenziell rar, und oft finden sie sich in den Randlagen der Orte. Wenn nun zwei Kommunen in enger Abstimmung Gewerbeflächen an ihren Stadträndern ausweisen, kann das Gesamtgebiet entsprechend größer ausfallen. So entstehen Ansammlungen von Unternehmen, die sich gegenseitig Besucher zuspielen können. Ein einfaches Beispiel: Wer von weiter her anreist, um bei Ikea Möbel zu kaufen, ist vielleicht hungrig und damit ein potenzieller Gast für die Fast-Food-Betriebe, die sich am Kamen-Karree ballen.

Eine Herausforderung für solche Projekte ist, dass die Struktur der öffentlichen Verwaltungen an sich keine übergeordnete Planungsinstanz vorsieht. Ein Gewerbegebiet auszuweisen ist Sache der Kommune, nicht des Kreises. Allerdings übertragen die Städte und Gemeinden im Kreis Unna die Vermarktung entsprechender Flächen an die kreiseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG).

Das Interkommunale Gewerbegebiet Unna/Kamen ist für die WFG ein durchlaufendes Langzeitprojekt. In der Zuständigkeit der Kommunen sieht es nun so aus, als ob Kamen den Staffelstab nach Unna weiterreichen würde. Denn auf dem Kamener Stadtgebiet sind die Ansiedlungsflächen überwiegend besetzt. Neben Ikea finden sich dort ein großes Hotel, ein Gartencenter, ein Kaminspezialist, eine Musterhausaustellung sowie mehrere Auto-Servicebetriebe und Fast-Food-Restaurants. Auf Unnaer Stadtgebiet geht die Entwicklung jetzt erst los. Als erste Großansiedlung im Unnaer Plangebiet 87A ist die neue Deutschlandzentrale von Woolworth gesetzt. In den übrigen Gebieten werden die Flächen kleiner parzelliert. Für das Gebiet 87C, das über eine neue Ampel an der Kamener Straße angeschlossen werden soll, läuft nun die Vermarktung an. Etwa 86.000 Quadratmeter Gesamtfläche stellt die WFG Unternehmen in Aussicht.

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