Nach umstrittener Abschiebung: Flüchtlinge und Ehrenamtliche in Unna sind besorgt

dzFlüchtlinge

Nach der nächtlichen Abschiebung eines nordmazedonischen Paares aus Unna ist das Vertrauen einiger Flüchtlinge in den deutschen Staat geschwunden. Und viele Ehrenamtliche sind ratlos.

Unna

, 01.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Arbeit mit Flüchtlingen ist herausfordernd. Eine andere Sprache, eine fremde Kultur und nicht selten auch Erfahrungen mit Krieg und Gewalt sind oft große Hürden, wenn es darum geht, Vertrauen zu schaffen. Trotzdem gibt es in Unna viele Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren – auch, aber nicht nur in der „Initiative Weltoffen“.

Für diese Ehrenamtlichen gibt es nun eine neue Herausforderung. Nach der nächtlichen Abschiebung eines Ehepaares aus Unna nach Nordmazedonien, die mit Unterstützung der Polizei durchgeführt wurde, sind offenbar viele Asylsuchende verunsichert. Das berichtet Kirsten Jeck, die selbst in der „Initiative Weltoffen“ aktiv ist.

„Wir haben immer gesagt, dass ihnen das hier nicht passieren kann.“
Kirsten Jeck

„Die Menschen sind verunsichert, was ihnen droht“, weiß Jeck. Immer wieder hätten die Flüchtlingshelfer in der Vergangenheit erklärt, dass Flüchtlingen in Deutschland und speziell in Unna keine Gewalt droht. „Wir haben immer gesagt, dass ihnen das hier nicht passieren kann“, berichtet die Flüchtlingshelferin.

Bei der Abschiebung des Ehepaares nach Nordmazedonien ist es zwar nicht zu körperlicher Gewalt gekommen, aber zumindest kurzfristig wurden die Betroffenen – ein schwerkranker Mann (52) und seine Frau (59) – am Boden liegend fixiert. Außerdem war bei dem akribisch vorbereiteten Einsatz von Polizei und Ausländerbehörde eine Pistole im Spiel. Kreisdezernent Uwe Hasche betont allerdings, dass damit niemand bedroht worden sei.

Jetzt lesen

Vertrauen ist erschüttert

Fest steht: Das Vertrauen von Asylsuchenden in Unna ist erschüttert. Sie haben viele Sorgen und Fragen. Und die Ehrenamtlichen haben das Problem, kaum Antworten geben zu können. Denn das das nicht wieder vorkommt, kann niemand sagen.

Der Kreis Unna verweist auf eine äußerst seltene Ausnahmesituation, die er damit begründet, dass der Familienvater Suizidgedanken geäußert habe, falls er angeschoben werden solle.

Nach intensiver Prüfung habe der Kreis sich entschlossen, einen Einsatz mit Unterstützung der Polizei, eines Schlüsseldienstes und eines Arztes durchzuführen. „Zum Schutz aller Beteiligten“, wie Uwe Hasche betont.

Jetzt lesen

Gleichzeitig setzt der Kreis Unna auf Entspannung: Im Normalfall würden Abschiebungen zwar nicht angekündigt – das ist inzwischen gesetzlich untersagt –, aber in aller Ruhe durchgeführt. Einig sind sich der Kreis und Flüchtlingshelfer, dass eine Abschiebung nur der letzte Weg sein kann. Aber genau vor dem fürchten sich viele Asylsuchende, jetzt noch mehr als zuvor.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Zeichen gegen Clankriminalität

Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars: Illegales Casino muss Betrieb einstellen

Hellweger Anzeiger Komplize flüchtig

Schnückel-Mitarbeiter fangen Ladendieb nach Verfolgungsjagd durch Unnas Innenstadt

Meistgelesen