Nach Terror von Hanau mahnen Unnaer zu Toleranz, konstruktiver Debatte und Menschenwürde

dzMahnwache

Mit einem Appell für Toleranz hat Unnas Zivilgesellschaft auf den Anschlag von Hanau reagiert. Die Botschaft: Rassismus gibt es auch im Alltag und Menschenwürde braucht den Einsatz aller.

Unna

, 21.02.2020, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Regina Ranft, Chefin des Kulturzentrums Lindenbrauerei, hatte am Donnerstagabend spontan zu einer Mahnwache im Rathaus aufgerufen. Anlass war der rassistisch motivierte Mordanschlag am Mittwoch im hessischen Hanau mit elf Toten. Ihre Erschütterung angesichts der Morde sei ausschlaggebend gewesen, zu der kleinen Kundgebung am Freitagmittag am Friedensstein einzuladen, so Ranft.

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Unnaer Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt

21.02.2020
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Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
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Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad
Mahnwache gegen Rassismus und Gewalt© Borys Sarad

Rund 100 Menschen - Politiker, Verwaltungsmitarbeiter, Vertreter von Kirchen und zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie weitere Bürger - hörten Ranfts Appell „für eine bunte und freie Gesellschaftsordnung“. Diese sei die beste, die es in Deutschland je gegeben habe. „Und die lassen wir uns nicht kaputtmachen“, rief Ranft sichtlich bewegt und begleitet von Applaus. Angesichts einer „Kette von Ereignissen“ in Deutschland sei ihr angst und bange um die Demokratie. Mut hingegen schöpfe sie, weil so viele zu der kurzfristig organisierten Veranstaltung gekommen waren.

Der Terror von Hanau bewegt die Menschen in Unna: Regina Ranft vom Kulturzentrum Lindenbrauerei hatte zu der kurzen Mahnwache am Friedensstein eingeladen.

Der Terror von Hanau bewegt die Menschen in Unna: Regina Ranft vom Kulturzentrum Lindenbrauerei hatte zu der kurzen Mahnwache am Friedensstein eingeladen. © Borys Sarad

Mahnung gegen Rassismus im Alltag

Ein solches Blutbad komme „aus der Hölle von Wahn und Wahnsinn“, so Bürgermeister Werner Kolter. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus alltäglich würden. Rassismus gebe es aber durchaus im Alltag, sagte Klaus Koppenberg vom Runden Tisch gegen Gewalt und Rassismus. Alltägliche Kommentare in Internet-Netzwerk nannte er als Beleg, dass rassistisches Gedankengut „mitten unter uns“ sei.

Projekte, die Mut machen

Koppenberg berichtete aber auch von Projekten, die bei der Problemlösung helfen sollen: Der Runde Tisch engagiert sich für eine „Debattenwerkstatt“. Dabei geht es darum, öffentliche Debatten durch konstruktive Beiträge in Online-Netzwerken positiv zu beeinflussen. Außerdem werde alljährlich im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus ein „Großer Runder Tisch“ an einer Unnaer Schule veranstaltet. Am 16. März würden am Berufskolleg der Werkstatt Unna tolle Projekte junger Menschen aus unterschiedlichen Nationen gezeigt.

Die Würde des Menschen

Altpräses Alfred Buß forderte bei der Mahnwache dazu auf, genau darauf zu achten, wie im Alltag Sprache verwendet wird. So werde für die aktuelle Staffel der voyeuristischen Fernsehsendung „Big Brother“ mit der Frage geworben: „Was ist ein Mensch wert?“ Das sei ein gefährlicher Begriff, so Buß. Es dürfe bei Menschen nicht darum gehen, wer mehr wert ist und wer weniger. Jeder Mensch, egal welcher Herkunft, habe Würde, so Buß. „Und die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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